Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat nun erstmals eine Steuerbox nach der dafür vorgesehenen Technischen Richtlinie (TR) zertifiziert nd dem Produkt damit die notwendigen Interoperabilitätseigenschaften zum Betrieb in intelligenten Stromnetzen bescheinigt. Steuerboxen gelten als wichtige Komponenten in intelligenten Stromnetzen, deren erfolgreicher Betrieb maßgeblich von einer hohen Interoperabilität sowie einer hohen Resilienz vor Cyberangriffen abhängt.
Im Zusammenwirken mit einem Smart-Meter-Gateway (SMGW) können Steuerbefehle somit künftig über eine nachweislich sichere Infrastruktur übertragen werden. Die Richtlinie BSI TR-03109-5 definiert die Mindestanforderungen für Kommunikationsadapter im Home Area Network von Smart Meter Gateways (SMGW) die den Proxykanal des SMGW nutzen. Sie ergänzt seit Ende 2023 die nötigen Standards und eröffnet weitere Anwendungsmöglichkeiten.
Swistec will weiteren Schritt gehen
Im Rahmen des Konformitätsbewertungsverfahrens nach Technischer Richtlinie hat das Produkt „SwiSBox“ der Swistec belegt, dass es den Anforderungen aus der BSI-TR-03109-5 zur interoperablen Anbindung an ein Smart-Meter-Gateway genügt. Darüber hinaus kündigte Swistec an, für das Produkt SwiSBox-EEBUS (Steuerbox mit digitaler Steuerung), zusätzlich zur TR-Konformität auch den dafür benötigten Nachweis der IT-Sicherheit im Rahmen der Beschleunigten Sicherheitszertifizierung (BSZ) beim BSI zu erlangen.
„Wir erreichen mit zertifizierten Steuerboxen einen weiteren Meilenstein für die Steuerbarkeit von Energiewendeanlagen im Smart Grid", erklärte dazu BSI-Präsidentin Claudia Plattner. Sie stellen ihr zufolge eine wichtige Erweiterung des intelligenten Messsystems dar und ermöglichen zahlreiche weitere Anwendungsfälle über die Smart-Meter-Gateway-Infrastruktur. Wärmepumpen, Wallboxen und PV-Anlagen können zukünftig sicher über Smart-Meter-Gateways angebunden und über zertifizierte Steuerboxen gesteuert werden.
Proaktive Umsetzung gesetzlicher Vorgaben
„Wir sind stolz, als erster Steuerboxhersteller die BSI-Zertifizierung nach TR-03109-5 erhalten zu haben“, erklärte Gerd Hoepfner, Gründer und Geschäftsführer der Swistec außerdem.
„Mit der zertifizierten SwiSBox bieten wir dem Markt eine entscheidende Komponente, die den Roll-out der unverzichtbaren Steuertechnik vorantreiben wird. Damit eröffnen wir Energieversorgern den Weg zum netzorientierten Dimmen von steuerbaren Verbrauchern gemäß EnWG §14a.“ Swistec hat sich nach eigenen Angaben frühzeitig auf die am 1. Januar 2024 in Kraft getretenen gesetzlichen Bestimmungen vorbereitet.
Hintergrund
Bis 2032 sollen alle Haushalte in Deutschland mit digitalen Stromzählern ausgestattet werden. Darüber hinaus werden bei bestimmten Haushalten intelligente Messsysteme – so genannte Smart Meter – eingebaut, die Messdaten versenden und Steuerungssignale von außen empfangen können.
Dafür wird zusätzlich zu einem digitalen Stromzähler ein Smart-Meter-Gateway installiert, das unter anderem den Stromverbrauch oder Netzzustandsdaten an den Netzbetreiber übermittelt. Durch den Einsatz von Steuerboxen, die an Smart-Meter-Gatewys angeschlossen werden, ist es Netzbetreibern zudem möglich, den Stromverbrauch bzw. die Stromeinspeisung effizient zu steuern. So kann Engpässen und Überlastungen im intelligenten Stromnetz (Smart Grid) entgegengewirkt werden, und Prosumer können ihre Kosten mit flexiblen Tarifen optimieren.
CLS-Testplattform
Das BSI als Cybersicherheitsbehörde des Bundes zertifiziert nach eigenen Angaben nicht nur Produktlösungen wie Steuerboxen, sondern unterstützt Hersteller auch mit einer neuen CLS-Testplattform, mit deren Hilfe die Hersteller von CLS-Komponenten die korrekte Implementierung der funktionalen Anforderungen zur BSI-TR-03109-5 bereits während der Entwicklungszeit überprüfen können.
Mit der CLS-Testplattform wird zudem erstmalig ein besonders effizientes Verfahren für den Nachweis der Erfüllung der funktionalen Anforderungen im Rahmen der TR-Zertifizierung etabliert. (sg)



