Nach der aufgeregten Diskussion um den wettbewerblichen Messstellenbetrieb hat sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) nun zur Debatte um die künftige Verantwortung der Verteilnetzbetreiber beim Smart-Meter-Rollout geäußert. Demnach prüft das Ministerium derzeit Ansätze, um Netzbetreiber stärker in die Verantwortung für die Digitalisierung der Energiewende zu nehmen. Ein konkreter Vorschlag soll Anfang 2026 vorgelegt werden.
In einer Antwort auf eine Anfrage der ZfK verweist das BMWE auf den Energiewende-Monitoringbericht, der das Einsparpotenzial der Digitalisierung insbesondere bei den Netzausbaukosten hervorhebt. Die Digitalisierung der Energiewende sei dabei mehr als der reine Smart-Meter-Rollout. Entscheidend sei, dass Netzbetreiber die gewonnenen Daten auch für den Aufbau intelligenter Stromnetze nutzten, heißt es aus dem Ministerium.
Mehr Verantwortung für Netzbetreiber
Mit dem Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende seien die Netzbetreiber zwar bereits stärker in die Finanzierungsverantwortung genommen worden. Die bisherigen Fortschritte reichten jedoch nicht aus, um das volle Potenzial der Digitalisierung zu heben. Deshalb prüfe das Ministerium Ansätze, die durch mehr Verantwortung und ein stärkeres Eigeninteresse die Verteilnetzbetreiber zu Treibern einer zügigen und resilienten Digitalisierung der Energiewende machen könnten.
Offen bleibt jedoch weiterhin, welche Folgen diese Überlegungen für den wettbewerblichen Messstellenbetrieb haben. In seiner Antwort geht das BMWE nicht darauf ein, wie es die Rolle wettbewerblicher Messstellenbetreiber im aktuellen Smart-Meter-Rollout bewertet. Auch die Frage, ob deren Marktrolle künftig eingeschränkt werden könnte, bleibt unbeantwortet.
Kritik daran kommt aus der Branche. Lea Heck, Pressesprecherin von Enpal, betont die Bedeutung des Wettbewerbs für den Rollout. "Bereits heute betreiben wettbewerbliche Messstellenbetreiber rund 15 Prozent aller intelligenten Messsysteme in Deutschland. Das zeigt, wie entscheidend Wettbewerb für den Smart-Meter-Rollout ist", sagt Heck. Ein klares Bekenntnis zum wettbewerblichen Messstellenbetrieb bleibe das Ministerium jedoch weiterhin schuldig und schaffe damit erhebliche Verunsicherung. "Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen sind jetzt entscheidend – sowohl für unsere Branche als auch den weiteren Fortgang des Smart-Meter-Rollouts. Das BMWE muss daher zügig Klarheit schaffen, sich ausdrücklich zum wettbewerblichen Messstellenbetrieb bekennen und ein Level-Playing-Field auf regulatorischer Ebene sicherstellen."
Smart Grid rückt in den Fokus
Aktuell liegt der Fokus des Ministeriums derzeit nach eigenen Aussagen damit weniger auf der Marktordnung im Messwesen als auf dem Aufbau intelligenter Stromnetze. Ziel sei es, ein Smart Grid zu etablieren, das sowohl den Anforderungen der Energiewende als auch europäischen Vorgaben gerecht werde. Digitalisierung werde dabei deutlich weiter gefasst als der Einsatz intelligenter Messsysteme und umfasse unter anderem Backendstrukturen, Ortsnetzstationen, Leitwarten in der Niederspannung sowie die intelligente Einbindung von Großspeichern, so die Einschätzung aus Branchenkreisen.
Vor diesem Hintergrund werde die Rolle des wettbewerblichen Messstellenbetriebs im Ministerium derzeit nicht als zentraler Stellhebel betrachtet. Stattdessen stünden Fragen der Finanzierung, der regulatorischen Anerkennung von Betriebs- und Investitionskosten sowie die effiziente Ausgestaltung flächendeckender Rollout-Strukturen im Vordergrund. Auch die wirtschaftlich und organisatorisch schwierige Situation vieler kleiner, grundzuständiger Messstellenbetreiber gilt in diesem Zusammenhang weiterhin als ungelöst. Beobachter rechnen daher weniger mit kurzfristigen Aussagen zur Marktrolle wettbewerblicher Anbieter als mit einem stärker netz- und systemorientierten Ansatz.



