Auf der internationalen Energiewendekonferenz "Berlin Energy Transition Dialogue" des Auswärtigen Amtes in Berlin hat der Geschäftsführer der Stadtwerke Emden, Manfred Ackermann, dargestellt, wie auch mittelgroße Städte erfolgreich die Energiewende vorantreiben können. Emden gilt mit seinem Gesamtkonzept für Digitalisierung, Wasserstoffgewinnung und Windstrom als Leuchtturm. Auf der Konferenz diskutieren Vertreter aus 50 Staaten, in diesem Jahr virtuell, zum siebten Mal über den Fortgang der weltweiten Energiewende.
Stromnetz auf E-Mobilität vorbereiten
Der niedersächsische Kommunalversorger plant, bis 2030 möglichst alle Lebensbereiche der Stadt ans digitale Netz zu bringen. Stichworte sind Glasfaserausbau, Modellregion Elektromobilität, digitalisierte Gebäudebewirtschaftung und Wasserstofftechnologie. Ackermann machte keinen Hehl daraus, dass Volkswagens Ankündigung Ende 2019, das Emder Werk komplett auf E-Mobilität umzustellen, den Plänen der Seehafen-Stadt, zum Verkehrswende-Labor zu werden, zusätzlichen Schub verliehen habe.
In Emden sei man um so erleichterter, dass die Stadt bereits 2016 mit der Umsetzung seiner Roadmap begonnen habe. Denn Volkswagens radikale Neuausrichtung auf Elektromobilität habe für die Seehafen-Stadt weitreichende Konsequenzen. So muss Emden nicht nur sein eigenes Stromnetz auf eine möglicherweise sprunghaft steigende Stromnachfrage vorbereiten. Der kommunale Versorger hat ein großzügiges Ladenetz installiert und auch schon mittels eines Stresstests sichergestellt, dass nicht das Netz zusammenbricht, wenn nach Schichtende ein großer Teil der VW-Mitarbeiter gleichzeitig zuhause ihre E-Fahrzeuge aufladen.
Potenzieller Standort für Wasserstofferzeugung
Die kreisfreie Stadt liegt an mehreren Schnittstellen der Energie- und Verkehrswende: Mit einer Windstromproduktion von 120 Megawatt Leistung pro Jahr kann die Stadt bereits heute rein rechnerisch alle Emder Haushalte und Industrieunternehmen mit Ausnahme von Volkswagen mit Grünstrom versorgen. Da in der 51.000-Einwohner-Stadt immer mehr Strom aus Nordsee-Windparks anlandet, ist Emden als Standort für eine Power-to-Gas-Anlage interessant, die per Elektrolyse Wasserstoff erzeugt.
Dieser könnte in Emden in Methan umgewandelt oder ins Gasübertragungsnetz eingespeist werden. „Wasserstoff wird eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Energiewende spielen.“ Davon ist Ackermann überzeugt. Deshalb bewarben sich die Stadtwerke 2019 für ein europäisches Projekt und installierten den Prototypen eines Elektrolyseurs. Mit Hilfe der neuartigen Anlage wurden täglich etwa 80 Kilogramm Wasserstoff erzeugt, die direkt ins Gas- und Stromnetz der Stadtwerke flossen. Am EU- Projekt HPEM2GAS (High Performance PEM Electrolyzer for Cost-effective Grid Balancing Applications) war neben den Emder Stadtwerken und der Hochschule Emden-Leer ein internationales Konsortium beteiligt.
Siemens entwickelt IT-Architektur
Bei allen Projekten zur „Intelligenten Energiestadt“ zählt Ackermann auf Siemens. Der Technologiekonzern will in Ostfriesland im Kleinen erproben, was eines Tages in großen Städten auf der ganzen Welt funktionieren soll. Ziel ist eine IT-Architektur, in der Energieversorgung, Verkehrs- und Parkraumsteuerung, Kommunikation und Gebäude ein großes Ganzes bilden sollen.
Das Emder Vorhaben gilt als eines der ehrgeizigsten Smart- City-Projekte Deutschlands. Im Jahr 2017 erhielt Emden für sein Smart-City-Konzept den „Stadtwerke Award“ der VKU-Akademie. Zudem ist Emden jedes Jahr unter den Top-20-Stadtwerken eines Städterankings der Unternehmensberatung Haselhorst Associates.



