Der Smart-Meter-Rollout tritt 2026 in eine neue Phase ein. Nach Einschätzung von Stefan Baasner, Geschäftsführer bei M2G-Consult, wird sich erstmals eine spürbare Skalierung einstellen – allerdings nicht flächendeckend. Entscheidend ist, wie standardisiert und prozesssicher die jeweiligen Ausbaufälle sind.
Skalierung bleibt auf einfache Fälle begrenzt
"2026 wird aus meiner Sicht ein Jahr, in dem wir eine spürbare Skalierung vor allem in den einfachen und prozesssicheren Ausbaufällen erleben werden", sagt Baasner. Dort, wo IT-Systeme stabil laufen, Prozesse eingespielt sind und die technischen Voraussetzungen stimmen, würden die Stückzahlen deutlich wachsen. "Diese Fälle sind heute schon beherrschbar, weshalb der Hochlauf hier schnell erkennbar sein wird."
Komplexer bleibe dagegen alles, was über den Standard-Einbau hinausgeht. "PV-Anlagen, Batteriespeicher oder die Einbindung von Steuerboxen nach § 14a werden auch 2026 weitgehend individuell gelöst", so Baasner. Ursache seien fehlende durchgängige Standards bei Abläufen, Marktrollen und Systeminteraktionen. "Hier stehen wir noch in einer Phase des Erfahrungsaufbaus." Eine echte Massenskalierung dieser Fälle erwartet er erst ab 2027 oder 2028.
MsbG-Novelle bringt keinen Kurswechsel
Auch von der aktuellen Novelle des Messstellenbetriebsgesetzes erwartet Baasner keinen grundlegenden Richtungswechsel. "Die MsbG-Novelle selbst wird aus meiner Sicht keinen grundlegenden Kurswechsel auslösen. Viele Änderungen sind eher feinjustierter oder kosmetischer Natur", sagt er. Sichtbar sei lediglich eine leichte Stärkung dezentraler Erzeugungsmodelle wie Mieterstrom oder gemeinschaftliche Gebäudeversorgung.
Deutlich relevanter seien dagegen die neuen Standardverträge. "Hier entsteht durch mögliche Pönalen ein spürbarer wirtschaftlicher Druck, Datenprozesse sauberer zu gestalten und Marktkommunikation zuverlässiger zu machen", so Baasner. Der Rollout könne nur dann skalieren, "wenn das Zusammenspiel aller beteiligten Akteure professioneller läuft als bisher". Zwar stünden grundzuständige Messstellenbetreiber aktuell besonders in der Kritik, "allerdings haben alle Akteure hier aktuell ganz viel Luft nach oben".
§ 14a: 2026 bleibt ein Lernjahr
Für die Steuerungslogik nach § 14a EnWG rechnet Baasner 2026 vor allem mit Pilotprojekten und ersten Feldmengen. "Das wird eine Phase des Testens und Lernens", sagt er. Die Parallelen zum Smart-Meter-Rollout seien offensichtlich: erst Erfahrungen sammeln, dann Strukturen stabilisieren. "Die eigentliche Massentauglichkeit wird eher 2027 oder besser 2028 erreicht werden."
Konnektivität bleibt der zentrale Engpass
Unabhängig vom regulatorischen Rahmen bleibt die Konnektivität ein kritischer Erfolgsfaktor. "Konnektivität wird auch 2026 weiterhin einer der kritischsten Erfolgsfaktoren sein", betont Baasner. Entscheidend sei weniger der Einbau als der stabile Betrieb im Alltag. "Die Frage ist, ob die Geräte zuverlässig erreichbar sind und dauerhaft online bleiben."
Viele Probleme zeigten sich erst nach der Installation. "Wenn Konnektivität nicht verlässlich funktioniert, steigen Kosten und Aufwand erheblich, und die Wirtschaftlichkeit leidet", sagt Baasner. Für einen skalierbaren Rollout sei Konnektivität deshalb "kein Detailthema, sondern ein zentraler wirtschaftlicher Hebel".
Geschäftsmodelle entstehen jenseits des reinen Messstellenbetriebs
Auch wirtschaftlich bleibt der Messstellenbetrieb 2026 herausfordernd. "Der reine Messstellenbetrieb wird 2026 aus meiner Sicht noch kein ertragreiches Geschäftsmodell sein", sagt Baasner. Perspektiven entstünden vor allem dort, wo der Messstellenbetrieb mit weiteren Dienstleistungen kombiniert werde – etwa mit Steuerungslogiken, der Einbindung in virtuelle Kraftwerke oder datenbasierten Analyseangeboten.
"Die eigentlichen Mehrwerte entstehen also nicht im Messstellenbetrieb selbst, sondern in den darauf aufbauenden Use Cases", so Baasner. Langfristig biete insbesondere die Verarbeitung von Massendaten Potenzial, perspektivisch auch mit KI. Für 2026 sei dieser Markt jedoch noch klar in der Entwicklung. "Überzogene Erwartungen entstehen vor allem dort, wo man zu früh hohe Margen im reinen Messstellenbetrieb erwartet."
Prozesse entscheiden über Zukunftsfähigkeit
Um Steuerung, CLS und neue Tarifmodelle massentauglich umzusetzen, sieht Baasner vor allem organisatorischen Handlungsbedarf. Grundzuständige Messstellenbetreiber müssten ihre Prozesse so aufstellen, "dass sie stabil, skalierbar und betriebsfest funktionieren". Dazu gehörten End-to-End-Prozesse, eine verlässliche Datenkette sowie robuste Betriebs- und Entstörstrukturen.
Wettbewerbliche Messstellenbetreiber stünden stärker vor der Aufgabe, zusätzliche Services über Einzelfälle hinaus skalierbar zu machen. "Hardware, Software und Betriebsprozesse müssen sauber ineinandergreifen", so Baasner. Bei neuen Tarifmodellen liege der Impuls jedoch meist bei Netzbetreibern und Lieferanten. Der Messstellenbetreiber werde dann "zum operativen Enabler, sobald diese Produkte im Markt sind".
Konsolidierung nach 2026 wahrscheinlich
Baasner weist zudem auf wachsende Unterschiede innerhalb des Marktes hin. "Für alle meine Antworten gilt, dass die aktiven und dynamischen Akteure gemeint sind", sagt er. Es gebe weiterhin viele Player ohne Bewegung. "Für die wird es jedes Jahr schwerer, den Rückstand aufzuholen und Anforderungen zu erfüllen."
Das Risiko, den Messstellenbetrieb abzugeben, werde daher steigen. "Wir werden eine Konsolidierung im Markt erleben. Noch nicht 2026, aber danach", so Baasner.



