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Die Energiewirtschaft beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Blockchain: 28 Prozent von rund 300 befragten Energieunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz testen zurzeit aktiv ihren Einsatz. Das ergibt die Studie "Blockchain in der integrierten Energiewende" der Deutschen Energie-Agentur (Dena). Untersucht wurde der Beitrag der Blockchain zur Energiewende anhand elf konkreter Anwendungsfälle aus den energiewirtschaftlichen Kernbereichen Asset Management, Datenmanagement, Marktkommunikation, Stromhandel und Finanzierung.

Realisiert wurde die Studie mit folgenden Partnern: Alliander, BKW, Cronos Unternehmensberatung, DKB, EnBW, EWE Netz, General Electrics, Items, Ista International, Mainova, Netz Lübeck, Pfalzwerke, Rheinische Netzgesellschaft, Siemens, Stadtwerke Leipzig und dem Verbund. Die Fachgutachter kommen von der Hochschule Fresenius und Deloitte.

Einzelfallanalyse für jede Anwendung nötig

"Unsere Studie zeigt, dass die Blockchain besonders dann nützlich werden kann, wenn sie existierende Protokolle zum digitalen Informationsaustausch ergänzt. Sie verdeutlicht aber auch, dass für jede Anwendung eine Einzelfallanalyse erforderlich ist", kommentierte Dena-Chef Andreas Kuhlmann die Ergebnisse. Damit sich die Kerntechnologie weiterentwickeln und ihr Einsatz in der Energiewirtschaft ausweiten könne, müssten Politiker und Wirtschaft dem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken, so Kuhlmann.

Jens Strüker, Professor und Direktor des Instituts für Energiewirtschaft (INEWI) der Hochschule Fresenius ergänzt: "Das Ergebnis spiegelt einen der großen Vorteile der Blockchain in der Energiewirtschaft wider: Sie hat das Potenzial, energiewirtschaftliche Prozesse in nahezu allen Wertschöpfungsstufen zu optimieren und gleichzeitig die steigende Komplexität im dezentralen Energiesystem zu bewältigen", folgert er. Strüker ist einer der Fachgutachter der Studie: "Die Blockchain kann die Technologie sein, die die Vernetzung und Interaktion zwischen den Millionen von intelligenten, autonomen Geräten ermöglicht und kleinste Energieflüsse sowie Steuerungssignale zu sehr geringen Transaktionskosten sicher organisiert und nachhält."

Wo Blockchain derzeit vermehrt eingesetzt wird:

Bei den Anwendungsgebieten ragen Energiedienstleistungen für Gebäude und Industrieprozesse, der Peer-to-Peer-Handel und Mieterstrom hervor. Dahinter folgen der E-Mobility-Bereich sowie Zertifizierung und Asset-Management. Weitere Felder sind Stromgroßhandel, Marktkommunikation und Finance.

Bei der Wirtschaftlichkeit zeigte sich demnach, dass die Technologie über Automatisierungseffekte und Prozessoptimierung die Betriebskosten senken und auf Basis eines gesteuerten Informationsmanagementsystems Zusatznutzen generieren kann. Ein besonders hoher ökonomischer Nutzen wird in den Anwendungsbereichen Zertifizierung von Herkunftsnachweisen, Anmelden von Anlagen im Marktstammregister und Energiedienstleistungen für Gebäude und Industrieprozesse erwartet.

Einsatz rechtlich prinzipiell möglich

Der Einsatz von Blockchain sei im Rahmen des Energierechts prinzipiell möglich, so ein weiteres Ergebnis. Eine Einzelfallbewertung sei aber zwingend erforderlich. Einflussfaktoren sind unter anderem das Datenschutz- und Datensicherheitsrecht sowie das Energierecht. Anwendungsfelder mit vergleichsweise hohen regulatorischen Herausforderungen finde man bei der Zertifizierung von Herkunftsnachweisen und der Anmeldung von Anlagen im Marktstammdatenregister.

Generell befinde sich die Technologie noch in der Entwicklungsphase hin zur technischen Reife. Es werde aber mit Hochdruck an der Verbesserung der Schnittstellen und der Entwicklung erster Standards gearbeitet, was die Skalierungsfähigkeit positiv beeinflussen wird, bilanziert die Dena. Schon heute könne die Blockchain in vielen Bereichen der Energiewirtschaft jedoch Mehrwert für Unternehmen und Verbraucher bieten.

Wer heute schon auf Blockchain setzt

Interessant ist auch das Ergebnis, dass kleinere Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern rund dreimal häufiger auf die dezentrale Transaktionstechnologie setzen: 21 Prozent gegenüber sieben Prozent bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern experimentieren damit oder haben diese bereits implementiert. Die Studie brachte außerdem zutage, dass zwischen der Fähigkeit, sich digitales Wissen anzueignen, und dem Einsatz der Blockchain in der Praxis eine enge Verbindung bestehe.

Eine ausgeprägte Managementkultur mit Technologiekompetenz für innovative digitale Themen und Raum zum kritischen Hinterfragen gehören zu den häufigsten Eigenschaften der befragten Blockchain-Pioniere in der Energiewirtschaft, heißt es. Insgesamt setzen Unternehmen mit ausgeprägtem Wissensmanagement Blockchain viermal häufiger ein als Unternehmen ohne ausgeprägtes Wissensmanagement (20,6 Prozent der Grundgesamtheit gegenüber 5,2 Prozent).

Was noch zu tun ist:

Bis die Blockchain flächendeckend eingesetzt werden könne, müssen noch bestimmte Herausforderungen bewältigt werden, so die Hochschule Fresenius. Dazu gehört es, die technischen Voraussetzungen zu schaffen. Hier würden die Kriterien Geschwindigkeit, Energieverbrauch, Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Systemen, IT-Sicherheit und Zuverlässigkeit eine große Rolle spielen.

Die Dena verweist darauf, dass für Unternehmen der Energiewirtschaft, die erste Erfahrungen mit der Technologie sammeln oder Pilotprojekte starten wollen, jetzt ein guter Zeitpunkt sei. Auch der strategische Nutzen für Unternehmen steige: "Neben dem Initiatorvorteil am Markt können sich in einzelnen Fällen aus der Blockchain-Erprobung Synergieeffekte für die Inhouse-Entwicklung anderer innovativer Digitalprodukte und -dienstleistungen ergeben, so die Dena. Beim Einstieg in die Blockchain helfe eine Checkliste, die in der Studie (externer Link zur Dena-Blockchain-Studie) enthalten sei.

Zukunft: Einsatz weit über bisher bekannte Anwendungsfälle

"Die Blockchain steht am Anfang ihrer Lernkurve", sagt Philipp Richard, Teamleiter für Digitalisierung und Projektleiter der Blockchain-Studie bei der Dena. Technologische Weiterentwicklungen in den nächsten ein bis zwei Jahren werden ihm zufolge die Transaktionsgeschwindigkeit der Blockchain erhöhen, ihre Interoperabilität und Anwendbarkeit verbessern, Energieverbräuche senken und so die Wettbewerbsfähigkeit stärken. "Es ist ihr zuzutrauen, in den kommenden Jahren Aufgaben zu unterstützen, die weit über die bisher bekannten Anwendungsfälle hinausgehen." (sg)

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