Trotz der zunehmenden Einspeisung von Erneuerbaren-Anlagen macht sich der intensive Netzausbau von Mitnetz Strom bemerkbar.

Trotz der zunehmenden Einspeisung von Erneuerbaren-Anlagen macht sich der intensive Netzausbau von Mitnetz Strom bemerkbar.

Bild: © your123/AdobeStock

In vier Jahren erreichte die Plattform von Thüga Smartservice eine Größe von 27 beteiligten Unternehmen. Allein im letzten Jahr durch 11 Neukunden. Gleichzeitig wurde die Lösung in eine modular ineinandergreifende System-Architektur ausgebaut. Zu den Neukunden zählen auch die Stadwerke Homburg. Die ZfK hat bei TSG-Geschäftsführer Alexander Haßdenteufel und Stadtwerke-Homburg-Geschäftsführer Frank Barbian nachgefragt.

Die Netzbetreiber-Plattform von Thüga Smartservice hat mit dem Thema "digitalisierter Hausanschluss“ begonnen. Inzwischen haben sich die Anforderungen noch weiter verschärft: Welche Rolle spielt Ihre Lösung im Kontext intelligenter Netze? 

Alexander Haßdenteufel: Ja, damit begann es. Mittlerweile ist das Ganze zu einer volldigitalen Ende-zu-Ende-Plattform geworden mit Modulen für alle Kundenbedarfe. Nachdem wir zunächst den Hausanschluss digitalisiert haben, konzentriert sich unsere Lösung jetzt auf die weiteren wichtigen Prozesse rund um die Anmeldung von Einspeiseanlagen und steuerbaren Verbrauchseinrichtungen nach §14a EnWG. Außerdem haben wir eine Schnittstelle zu einem Energieinfrastruktur-Managementsystem eingebunden.

Was bringt diese Schnittstelle den Netzbetreibern?

Alexander Haßdenteufel: Darin kann unter anderem eine Netzverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden. Wird beispielsweise eine neue Anlage – etwa eine Photovoltaikanlage – auf der Plattform angemeldet, lässt sich die Prüfung direkt dort anstoßen. Die Ergebnisse, die zeigen, ob die Anlage netzverträglich ist, werden ebenfalls unmittelbar in der Plattform angezeigt. Das erleichtert und beschleunigt den Freigabeprozess für die Netzanmeldung erheblich.

Gibt es weitere Neuerungen?

Alexander Haßdenteufel: Es wurde eine separate Standalone-Seite eingerichtet, über die Endkunden intelligente Messsysteme beantragen können. So helfen wir Netzbetreibern, aktuelle gesetzliche Vorgaben einzuhalten und dezentrale Anlagen einfach und sicher in intelligente Netze zu integrieren. Die Energiewende ist eine Gemeinschaftsleistung zwischen Kunde und Netzbetreiber, die beide durch unsere Plattform miteinander verbunden werden. 

Alexander Haßdenteufel, Geschäftsführer TSG

Bild: TSG

Wie wirkt sich die Regulatorik auf ihre Lösung aus, spüren Sie hier Effekte? 

Alexander Haßdenteufel: Die Regulatorik beeinflusst die Weiterentwicklung unserer Lösung maßgeblich. So fordert zum Beispiel das Solarspitzengesetz, dass neu angemeldete Anlagen ihre Leistung bis zur Installation intelligenter Messsysteme und Steuerungseinrichtungen begrenzen müssen – was von uns schnelle Anpassungen verlangt. Ein konkretes Beispiel: Die automatische Prüfung, ob die Anlage unter den neuen Gesetzestext fällt, erfolgt anhand der Art der Vergütung und der Leistung. Das Ergebnis wird dem Installateur direkt transparent dargestellt. Dadurch konnte die Anzahl der Rückfragen an die Netzbetreiber deutlich reduziert werden. Damit stellen wir sicher, dass Netzbetreiber jederzeit rechtskonform agieren und ihre Prozesse effizient gestalten können.

Gleichzeitig eröffnen solche gesetzlichen Vorgaben neue Chancen, den digitalen Netzausbau und das Management dezentraler Anlagen weiter zu verbessern. Durch unser Netzwerk – sei es innerhalb der Thüga-Gruppe oder im Austausch mit den Verbänden – sind wir immer ganz nah an der Regulatorik. Unsere Kunden können sicher sein, dass unsere Lösung immer den aktuellen Anforderungen entspricht.

Sind aktuell neue Rahmenfaktoren abzusehen, die es als Netzbetreiber zu kennen gilt?

Frank Barbian: Ja, es zeichnen sich aktuell gleich mehrere neue Rahmenfaktoren ab, die für uns als Netzbetreiber wichtig sind. Dazu gehören weitere Verschärfungen bei regulatorischen Vorgaben, etwa zur Netzstabilität und zum Einspeisemanagement, sowie verstärkte Anforderungen an die Integration intelligenter Messsysteme. Auch technologische Entwicklungen wie der Ausbau von Ladeinfrastruktur für E-Mobilität und die zunehmende Dezentralisierung der Energieerzeugung werden die Netzbetreiber vor neue Herausforderungen stellen.

Das Thema trifft einen Nerv, im vergangenen Jahr kamen elf neue Kunden dazu. Wie viele Kunden hat die Plattform insgesamt und was sind vor allem die Lösungen, die Ihre Kunden anfragen?

Alexander Haßdenteufel: Aktuell nutzen 27 Kunden unsere Plattform und wir erhalten kontinuierlich neue Anfragen. Wir gehen davon aus, dass wir mit etwa 35 bis 40 Kunden eine stabile und verlässliche Basis erreicht haben werden. Besonders gefragt ist unser zentrales All-in-One-Konzept, das viele der wichtigsten Prozesse für Netzbetreiber in einer einzigen Lösung bündelt. Dazu zählen neben Hausanschlüssen und Netzanmeldungen auch Inbetriebnahmen, Einspeiseverträge sowie die Verwaltung von Installateur-Ausweisen. Damit bieten wir unseren Kunden eine umfassende und effiziente Plattform für ihre tägliche Arbeit.

Frank Barbian, Geschäftsführer Stadtwerke Homburg

Bild: Stadtwerke Homburg

Mit welchen Herausforderungen haben Sie als VNB derzeit besonders zu kämpfen?

Frank Barbian: Die größte Herausforderung liegt aktuell in der wachsenden Anzahl von Anschlussbegehren – insbesondere durch PV-Anlagen, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur, Batteriespeicher bzw. verstärkte Anfrage für die Anbindung aus dem Mittelspannungsnetz. Damit steigen sowohl die Anforderungen an unsere Prozesse als auch an die Datenqualität und Reaktionsgeschwindigkeit. Hinzu kommen neue regulatorische Vorgaben, etwa aus dem Solarspitzengesetz und dem §14a EnWG, die zusätzliche Koordination und technische Umsetzung erfordern. Unser Ziel ist es, trotz dieser Dynamik durchgängig transparente, digitale und effiziente Abläufe sicherzustellen – für interne Teams ebenso wie für Installateure und Endkunden.

Welche Entwicklungsschritte sehen Sie für die Zukunft? 

Frank Barbian: Für uns steht die vollständige Digitalisierung aller relevanten Prozesse im Mittelpunkt – inklusive nahtloser Zusammenarbeit mit Marktpartnern und Installateuren. Auf diese Weise können wir den steigenden Anforderungen effizient begegnen und gleichzeitig die Servicequalität für alle Beteiligten weiter erhöhen. Wir schätzen es sehr, dass wir als Kunde in die Weiterentwicklung der Plattform einbezogen sind und nicht nur aktiv mitgestalten können, sondern auch vom Wissenstransfer im Austausch mit den anderen Kunden profitieren. Auf diese Weise sind unsere Anforderungen, ein maximaler Praxisnutzen und ein hoher Innovationsgrad jederzeit gewährleistet.

Alexander Haßdenteufel: Wir entwickeln die Plattform kontinuierlich weiter. Der Fokus liegt auf den Themen Automatisierung, der Umsetzung regulatorischer Anforderungen sowie neuen Schnittstellen, z. B. zum Marktstammdatenregister (MaStR), CRM- und Workforce-Management-Systemen. Darüber hinaus steht auf unserer Roadmap, unseren Kunden künftig noch mehr Customizing-Optionen zur Verfügung zu stellen. Dabei steht immer der Kerngedanke im Vordergrund unsere Lösungen nicht nur für, sondern gemeinsam mit unseren Kunden voranzutreiben. 

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