Die digitale Transformation in Kommunen ist vielschichtig – und sie kommt sehr unterschiedlich schnell voran. An einer aktuelle Studie der Strategieberatung Moduldrei, haben über 700 Mitarbeitende aus Wirtschaftsförderung, Stadtverwaltung und Stadtwerken sowie Lokalpolitiker:innen teilgenommen.
65 Prozent sind der Meinung, dass die digitale Transformation die wichtigste Frage unserer Zeit ist. Dabei tun sich besonders die kommunalen Verwaltungen meist schwer mit der eigenen Transformation. Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl von Smart City-Projekten und Einzelinitiativen, etwa zur Digitalisierung der Ausstattung von Schulen.
Hohes Potenzial für stärkere und schnellere Umsetzung
Die Studie widmet sich Fortschritten, Hindernissen und Schnittstellen bei der Digitalen Transformation vor Ort: Wer kann die Digitalisierung vorantreiben? Wie können lokale Akteur:innen gemeinsam an der Digitalen Transformation arbeiten? Und wie gehen wir alle persönlich mit diesem fordernden Thema um, erst recht: Mit Künstlicher Intelligenz (KI)?
Die Mehrheit der Befragten betrachtet die Digitale Transformation als stetige Aufgabe und Herausforderung. Es besteht ein hohes Potenzial, das Thema Digitalisierung stärker und schneller voranzutreiben. Besonders in der eigenen Verwaltung kann Digitalisierung laut der Befragten ihre Arbeitsprozesse weiter unterstützen, um sowohl den Arbeitsalltag zu erleichtern als auch die Innovationskraft zu steigern.
Hemmnisse
Um die Digitale Transformation in den Kommunen jedoch umzusetzen, fehlt es an personellen und finanziellen Ressourcen. Über 80 Prozent der Befragten geben an, dass es an Fachkräften mit digitalen Fähigkeiten mangelt. Und nicht nur das: Neben der digitalen Kompetenzen fehlt es meist an Unterstützung und Förderung durch die Politik. Auch durch datenschutzrechtliche Vorgaben werden digitale Fortschritte ausgebremst.
Eines der wichtigen Digital-Projekte: Smart-City. Eine smarte Kommune bedeutet, Prozesse zu optimieren, Angebote auszubauen und die Lebensqualität zu verbessern. 56 Prozent der Befragten geben an, bereits Smart City-Projekte umzusetzen. Doch der Weg zur Smart City ist noch beschwerlich, denn über 60 Prozent bewerten den eigenen Fortschritt unterhalb des Mittelwerts.
So relevant das Thema Smart City ist, so viele Unsicherheiten bringt es mit sich. 71 Prozent der Befragten sind aufgrund möglicher Cyberangriffe beunruhigt, auch die Technikkompetenz der Verwaltung hemmt die Bestrebungen zum digitalen Standort. Gerade Smart City-Projekte vereinen verschiedene Schnittstellen und bedürfen somit einer engen Netzwerkarbeit.
Enge Zusammenarbeit zwischen Stadtwerken und Verwaltung entscheidend für den Erfolg
Felix Schulz von Thun, Leiter Innovations- und Kooperationsmanagement bei den Stadtwerken Lübeck, betont im Interview, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen den Stadtwerken und der Stadtverwaltung ist, um das Thema Smart City voranzutreiben: «Mein Eindruck ist, dass das nicht in jeder Kommune der Fall ist. Bei uns gibt es da eine sehr enge Zusammenarbeit mit regelmäßigen Jour Fixes und anderen Formaten auf Arbeitsebene.»
Großes Potenzial: KI
Künstliche Intelligenz ist nicht nur ein aktuelles „Buzzword“, sondern ein entscheidendes Feld der Transformation. Ob sogenannte Chatbots als automatisierte Service-Berater oder automatisierte Bilderkennungsverfahren zur Detektion von Straßenschäden – KI bietet zahlreiche Chancen und Möglichkeiten, um langweilige und repetitive Routineaufgaben zu erleichtern.
In der Befragung wird deutlich, dass die Mehrheit großes Potenzial in der Nutzung von KI sieht, um mit ihrer Organisation einen besseren Service anbieten zu können (74 Prozent) und ihre Prozesse zu beschleunigen (68 Prozent). Auch wenn Bedenken hinsichtlich Datenschutz, Transparenz und potenzieller Arbeitsverlust auftreten, überwiegt die Zustimmung, KI als nützliches Tool im Zeitalter der Digitalisierung einzusetzen.
Gutes Schnittstellenmanagement erforderlich
Um die Digitale Transformation voranzutreiben, bedarf es relevanter Akteur:innen, die gut und ergebnisorientiert zusammenarbeiten. In der Befragung als wichtigste genannt, sind die Verwaltungsspitze, die Politik und die Verwaltung. Ohne, dass diese Top-Akteur:innen an einen Strang ziehen und sich gemeinsam für die Digitale Transformation einsetzen, geht es nicht. Ein gutes Schnittstellenmanagement spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle.
Fazit
Stefan Lennardt, Leiter der Studie, folgert aus den Ergebnissen: „Erstens hängt der Erfolg der digitalen Transformation in der Kommune maßgeblich davon ab, wie stark die Politik sie einfordert. Zweitens erwarten wir, dass Standorte, die bei der Transformation einen Geschwindigkeitsvorteil haben, in Zukunft ein höheres lokales Wirtschaftswachstum haben werden als andere. Und drittens geht alles besser und schneller, wenn man die Transformation den geborenen Netzwerkern anvertraut. Das sind aus unserer Sicht Stadtwerke und Wirtschaftsförderungen.“ (sg)



