Von Stephanie Gust
Ursprünglich ist die Plattform Enpal.pro, die Mitte 2023 gegründet wurde, als 360-Grad-Plattform für unabhängige Handwerksbetriebe vorgesehen gewesen. Inzwischen stellt die Enpal-Gruppe auch Stadtwerken ihre Infrastruktur zur Verfügung.
Denn das Geschäft habe sich inzwischen sehr gut entwickelt, es hätten sich nun knapp über 1000 Partnerbetriebe auf der Plattform registriert. "Unsere Partner sind sehr divers aufgestellt, das geht vom lokalen Handwerksbetrieb um die Ecke über mittelgroße oder auch überregionale Anbieter bis hin zu großen Stadtwerken, die auch im Bereich Photovoltaik unterwegs sind. Das ist das Spektrum, das wir heute abdecken", sagt Lukas Pauly, Gründer von Enpal.pro.
Dreistufiges Angebot
"Unser Angebot auf Enpal.pro erstreckt sich über drei Säulen", führt Pauly aus. Die erste Säule ist dem Bereich Materialverkauf und Logistik zugeordnet, über die die Partner, zum Großteil unabhängige PV- und SHK-Betriebe (Betriebe im Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk), Hardwarekomponenten beziehen können. "Wir können innerhalb von 24 Stunden jede Endkundenbaustelle in Deutschland beliefern und dort unsere Logistik und Infrastruktur unseren Partnern zur Verfügung stellen".
Zweite Säule der Produktpalette ist das Thema Services und Dienstleistungen. Hier stellt Enpal seine Infrastruktur zur Verfügung. "Wir geben unseren Partnern die gleichen Tools an die Hand, die Enpal so erfolgreich gemacht haben." Das beginnt ganz am Anfang mit der Zurverfügungstellung von Endkundenkontakten und Leads – soweit die Kunden der Weitergabe zugestimmt haben – bis hin zur Planung von PV-Projekten und der Durchführung von Netzanschlüssen.
Weitergabe von Endkundenkontakten an Partner
Dass man Kontakte an seine Partner weitergebe, sei nicht ungewöhnlich: "Als überregionaler Anbieter haben wir als Enpal-Gruppe sehr viele Anfragen. Diese können wir gar nicht alle selbst bedienen", sagt Pauly. Diese Anfragen gebe man proaktiv an Partner in der passenden Region weiter, die diese einwandfrei bedienen können. "Deswegen sehen wir uns eigentlich mehr als holistische Infrastrukturplattform für Photovoltaik und Wärme."
Bei der dritten Säule geht es um das Thema Absatzfinanzierung: Über das Tochterunternehmen EFS können unabhängige Handwerksbetriebe die Finanzierungslösung von Enpal ihren Kunden zur Verfügung stellen. So können Haushalte ihre neue Solaranlage oder Wärmepumpe ohne hohe Anschaffungskosten bei ihrem lokalen PV-Betrieb finanzieren. "Über unser Finanzierungsprodukt lassen sich teure Anlagen auch über zehn bis 25 Jahre finanzieren."
Messstellenbetrieb wird in Plattform integriert
Nun kommt der Messstellenbetrieb mit Smart Metering hinzu, einige Pilotprojekte laufen bereits. "Auf der Plattform bieten wir zwei Lösungen an", erläutert Wim Drozak, verantwortlich für den Messstellenbetrieb bei Enpal. "Zum einen das Thema Zählertausch, indem unsere Elektriker zur Verfügung gestellt werden, zum anderen bieten wir auch die Übernahme des Messstellenbetriebs mit Smart Metern an."
"Wir öffnen unseren Messstellenbetrieb jetzt über die Enpal-Welt hinaus. Ob Stadtwerke, Energieanbieter oder Handwerksbetriebe – wir haben einfach festgestellt, dass die Nachfrage hoch ist", ergänzt Pauly. Vor allem, wenn es in Richtung Wärmepumpe und Solaranlagen gehe. Denn viele wollen dann dynamische Tarife nutzen, für die ein intelligentes Messsystem benötigt wird. "Wir finden es daher sinnvoll, diese beiden Ansätze zu verknüpfen." Die ersten Piloten seien sehr erfolgreich angelaufen, weshalb man das Angebot jetzt auf Enpal.pro integriere und die Dienstleistung dann bequem über die Plattform buchen könne.
Zwei Modelle für Stadtwerke beim Messstellenbetrieb
Für Stadtwerke gibt es beim Messstellenbetrieb zwei Modelle: Enpal übernimmt die Messstelle komplett als wettbewerblicher Messstellenbetreiber oder das Unternehmen unterstützt Stadtwerke als grundzuständiger im Hintergrund. Damit kann das Stadtwerk weiterhin grundzuständiger Messstellenbetreiber bleiben und die Messstelle bleibt beim Stadtwerk.
Denn, das ist Drozaks Erfahrung: Vor allem kleine Stadtwerke müssen sich auf das bereits existierende Tagesgeschäft konzentrieren und haben daher nicht die nötigen Ressourcen für den komplexen Messstellenbetrieb im Bereich Smart Metering. "Wir haben selbst gesehen, dass es eine kritische Größe benötigt, um die komplexen Prozesse und Systeme aufzusetzen und anschließend rentabel zu betreiben." Und die Zeit drängt: Bis Ende 2025 müssen die Quoten von 20 Prozent installierter Messsysteme erfüllt sein.
Vorteile für beide Seiten
Zusätzlich werde der Messstellenbetrieb durch den Fachkräftemangel erschwert und die Komplexität erhöht sich mit dem Steuern nach § 14a EnWG nochmals deutlich. "Die Implementierung einer skalierbaren Lösung hat Investitionen und den Einsatz von zusätzlichen Ressourcen gefordert, was nicht von jedem Marktteilnehmer eigenständig geleistet werden kann", sagt Drozak.
Der wettbewerbliche Messstellenbetrieb ist nicht unser Kerngeschäft, aber wir wollen die Kosten für unsere Investitionen decken – und dafür braucht man ein entsprechendes Volumen. Das neue Modell über die Plattform Enpal.pro sei also eine Win-win-Situation sowohl für Enpal.pro als auch für die Stadtwerke.
"Wir sehen uns als Infrastrukturdienstleister", so Pauly. Deswegen wolle man sich besonders auf die Kernkompetenzen, sprich die vorher genannten drei Säulen, konzentrieren. "Wir arbeiten bei Enpal.pro lieber partnerschaftlich auf Augenhöhe zusammen als wettbewerblich. Das ist unser Konzept entlang aller Produktbausteine, die wir auf Enpal.pro integrieren", ergänzt Pauly. Ohnehin sei bei den anstehenden Aufgaben im Moment klar: "Die Energiewende schaffen wir nur als Partner."



