Das erfolgreiche Test-Team von links: Wim Drozak (Metrify), Tina Hadler (Metrify), Lukas Dörr (Metrify), Maik Schröder (Advalju), David Tetz (Ovag), Tobias Linnenberg (Horizonte Group) und Kai Hermann (Robotron).

Das erfolgreiche Test-Team von links: Wim Drozak (Metrify), Tina Hadler (Metrify), Lukas Dörr (Metrify), Maik Schröder (Advalju), David Tetz (Ovag), Tobias Linnenberg (Horizonte Group) und Kai Hermann (Robotron).

Bild: Metrify

Von Stephanie Gust

Der steuerungstechnische Durchbruch im intelligenten Energienetz ist gelungen: Erstmals hat ein Steuerbefehl über die Web-API des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) den kompletten Weg vom Netzbetreiber bis zum Energiemanagementsystem eines Haushalts durchlaufen – und dort tatsächlich die Ladeleistung eines Elektroautos verändert.

Gemeinsam mit der Ovag Netz GmbH hat der wettbewerbliche Messstellenbetreiber Metrify Smart Metering nach eigenen Angaben damit den Nachweis erbracht, dass die Steuerung in der Praxis funktioniert.

Steuerung als neuer Systemauftrag

Mit § 14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) hat der Gesetzgeber festgelegt, dass steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur oder Heimspeicher aktiv in das Netzmanagement eingebunden werden müssen. Die klassische Marktkommunikation über EDIFACT reicht für diese Echtzeitprozesse nicht mehr aus. Dafür hat der BDEW die Web-API eingeführt – eine standardisierte, sichere Datenschnittstelle, über die Netzbetreiber, Lieferanten und Messstellenbetreiber ad hoc Steuerbefehle austauschen können.

Im jüngsten Test wurde diese Schnittstelle erstmals im Realbetrieb genutzt. Der Steuerbefehl der Ovag durchlief die Systeme mehrerer Marktrollen – von der Netzleitwarte über den wettbewerblichen Messstellenbetreiber bis zum Home Energy Management System (HEMS) eines Enpal-Kunden. Dort reduzierte er automatisch die Ladeleistung der angeschlossenen Wallbox.

"Das Besondere an diesem Test ist, dass erstmals ein Steuerungsbefehl über die BDEW-API den kompletten Weg vom Netzbetreiber bis zu einem Energiemanagementsystem durchlaufen hat", sagt Wim Drozak, Geschäftsführer von Metrify. "Damit konnten wir zeigen: Die technische Zusammenarbeit zwischen Netzbetreiber und wettbewerblichen Messstellenbetreiber funktioniert reibungslos und die Steuerung ist heute möglich."

Arbeiten in der Wirk-PKI

Die größte Herausforderung bestand ihm zufolge darin, den kompletten Prozess erstmals über alle Marktrollen hinweg technisch zu schließen – und das unter produktiven Sicherheitsbedingungen. Die Kommunikation erfolgte vollständig innerhalb der sogenannten Wirk-PKI, also der produktiven Smart-Meter-Public-Key-Infrastruktur. Jede Nachricht musste verschlüsselt, signiert und über verschiedene Systeme hinweg korrekt verarbeitet werden.

"Bislang fanden solche Tests meist isoliert im Labor statt. Dieses Mal haben wir unter realen Bedingungen gearbeitet – jede Nachricht, jeder Befehl und jede Rückmeldung musste in Echtzeit korrekt umgesetzt werden", so Drozak.

Die technische Umsetzung erforderte eine enge Abstimmung zwischen mehreren Organisationen und Systemen. Beteiligt waren unter anderem die IT-Systeme von Lackmann und Advalju, die das Gateway- und Energiemanagement-Backend betreiben, sowie Robotron für die technische Unterstützung. Der Steuerbefehl wurde von der Ovag mit Unterstützung von Arvato Systems ausgelöst und schließlich über das Smart Meter Gateway von Metrify an die Steuerungseinheit übertragen. Von dort gelangte er über EEBus-Kommunikation ins HEMS und bewirkte die tatsächliche Leistungsreduktion der Wallbox.

Ein Jahr Vorbereitung bis zum Feldtest

Das Projekt war sorgfältig vorbereitet. "Insgesamt haben wir über ein Jahr an dem Projekt gearbeitet", berichtet Drozak. Mitte 2024 definierten Metrify und Partner die technischen Anforderungen und entwickelten die Kompatibilität der Enpal-Hardware. Ende 2024 folgte die Integration und Testphase unter Laborbedingungen. Ab August 2025 wurde die produktive Installation umgesetzt und in der vergangenen Woche der abschließende Test unter Realbedingungen durchgeführt.

Für Metrify bestand die zentrale Aufgabe darin, als technischer Vermittler zwischen Netzbetreiber und Endgerät zu fungieren. Das Unternehmen stellte sicher, dass der Steuerbefehl über das intelligente Messsystem (iMSys) tatsächlich beim Kunden ankommt und umgesetzt wird. "Metrify hat in operativer Zusammenarbeit mit seinem CLS-Dienstleister Advalju die technische Klammer gebildet", erläutert Drozak.

Schritt in Richtung Serienbetrieb

Mit dem erfolgreichen Test sei nun der Weg in den Serienbetrieb geebnet. Metrify plant, künftig standardisiert CLS-Gateways bei allen ausstattungspflichtigen Messstellen einzusetzen. Auch die Ovag will den Aufbau schrittweise in den Markt tragen.
Geplant ist, die Nachweisführung künftig auch über den Tarifanwendungsfall TAF 10 zu erweitern, um Netzzustandsdaten einzubeziehen. Damit soll der Steuerungsnachweis noch präziser und die Grundlage für die Automatisierung im Netzbetrieb gelegt werden.

Bedeutung für Stadtwerke und Netzbetreiber

Der Test zeigt Drozak zufolge , dass wettbewerbliche Messstellenbetreiber eine ergänzende Rolle im Steuerungsrollout übernehmen können. "Wir schaffen die technischen Voraussetzungen, damit Systeme unterschiedlicher Akteure miteinander kommunizieren – also echte Interoperabilität", sagt Drozak.

Diese Fähigkeit sei entscheidend, um die zunehmende Zahl steuerbarer Geräte – etwa PV-Anlagen, Wärmepumpen und Wallboxen – sicher ins Netz zu integrieren. Netzbetreiber können dadurch flexibler auf Engpässe reagieren und Haushalte profitieren, weil Steuerbarkeit bereits vor dem Pflichteinbau durch den grundzuständigen Messstellenbetreiber möglich wird.

Zudem setzt der technische Durchbruch politisch ein wichtiges Signal. "Denn die Forderungen des BDEW, den Steuerrollout hintenanzustellen hieße, den netzkritischen Situationen nicht engagiert genug zu begegnen. Die Kooperation zwischen Ovag und Metrify, also einem wettbewerblichen Messstellenbetreiber, zeigt aber, dass bereits heute die Mittel bestehen, in kritischen Situationen netzstabilisierend eingreifen zu können", so Drozak.

Der Metrify-Geschäftsführer betont: "Die Energiewende braucht Steuerbarkeit, und sie ist technisch möglich. Die Infrastruktur ist bereit – jetzt muss der Rollout folgen."

So funktioniert die Steuerung über die BDEW-API

  • Auslöser: Netzleitwarte der OVAG sendet Steuerbefehl zur Leistungsreduktion.
  • Schnittstelle: Übertragung über die BDEW-Web-API.
  • Datenfluss: Verarbeitung über Systeme von Lackmann, advalju und Robotron.
  • Sicherheit: Vollständige Kommunikation in der produktiven Smart-Meter-PKI.
  • Gerät: Smart Meter Gateway von metrify mit CLS-Modul von Theben Smart Energy.
  • Ergebnis: Steuerbefehl gelangt ins HEMS und reduziert Ladeleistung der Wallbox.
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