Wim Drozak ist Geschäftsführer Smart Metering bei Enpal.

Wim Drozak ist Geschäftsführer Smart Metering bei Enpal.

Bild: © Enpal

Enpal hat bereits 50.000 intelligente Messsysteme verbaut – und warnt nun vor den Folgen der aktuellen Debatte um den "Smart Meter Light". Statt Planungssicherheit drohe eine erneute Verzögerung des Rollouts. Warum das Unternehmen die bestehende Architektur rund ums Smart-Meter-Gateway für richtig hält, wo im Betrieb noch Baustellen bestehen – und was sich ändern müsste, damit der Rollout endlich skalierbar wird, erläutert Wim Drozak, Geschäftsführer Smart Metering bei Enpal

Herr Drozak, Enpal hat 50.000 Smart Meter installiert: Ihre Lehren aus dem Einbau bisher? Was könnte besser laufen, was läuft schon ganz gut?

Die Installation ist nur die halbe Miete. Die Folgeprozesse und ein verlässlicher, stabiler Betrieb der Smart Meter ist in Deutschland mit den komplexen Prozessen, der wechselseitigen Abhängigkeit der Marktrollen und über 850 Verteilnetzbetreibern eine deutlich größere Herausforderung als initial angenommen.

Die Wechsel- und Installationsprozesse laufen mittlerweile gut, sodass wir sie automatisiert abbilden können. Beim effizienten Betrieb der Smart Meter sehen wir hingegen noch Potenzial nach oben. Wir beobachten eine hohe Fehleranfälligkeit aufgrund fehlender Systemautomatisierungen und -standards aller Marktpartner sowie viele manuelle Prozesse. Daher investieren wir gezielt in Prozessautomatisierungen, um einen skalierbaren Betrieb bei unserem starken Wachstum gewährleisten zu können.
 
 

Aktuell gibt es ja die Debatte um den Smart Meter Light. Könnte das den Einbau beschleunigen? 

Gerade kommen wir gut mit dem Rollout voran, aber die aktuelle Diskussion erzeugt viel Unsicherheit im Markt und kann dazu führen, dass sich der Rollout erneut verzögert. Es gibt aktuell keine einsatzbereite Smart-Meter-light-Lösung. Diese müsste erst konkret definiert und erprobt werden. Wir haben nun endlich einen regulatorischen Rahmen, der Planungssicherheit schafft. Wir sollten uns also auf die Umsetzung konzentrieren und diese nicht durch neue Grundsatzdebatten in Gefahr bringen.

Außerdem wird immer wieder mit den erhöhten Hardware-Kosten argumentiert, dabei stellen sie nur einen Teil der Kosten dar. Es kommen noch Anfahrt, Installation sowie Aufwände bei Folgeprozessen und Systemkosten hinzu. Ein Großteil der Kosten ist also sowieso geräteunabhängig.
 
Was ist mit dem Thema Sicherheit?

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern haben wir eine technologische Lösung, die nicht nur passiv Werte aufzeichnet, sondern mit der Steuerbarkeit auch aktiv in das Energiesystem eingreift. Steuerung und Flexibilisierung ist systemrelevant für die kritische Infrastruktur. Daher sollte und darf hinsichtlich der Sicherheit nicht gespart werden. Wir halten daher die Architektur rund um das Smart-Meter-Gateway (SMGW) für den richtigen Weg.
 
Wie lange dauert es, bis Enpal die intelligenten Messsysteme installiert hat?

Wir sind mittlerweile der größte wettbewerbliche Messstellenbetreiber in Deutschland und verbauen Smart Meter innerhalb von nur vier bis sechs Wochen. Damit sind wir deutlich schneller als der bundesweite Durchschnitt. Dies gelingt uns vor allem dank des hohen Automatisierungsgrads, den unsere Entwickler täglich vorantreiben, um den Verbau und Betrieb skaliert abbilden zu können.
 
Wie könnte Ihrer Meinung nach der Smart-Meter-Rollout beschleunigt werden?

Die Kernherausforderung des Rollouts liegt darin, dass Deutschland mit über 850 Netzbetreibern einen sehr fragmentierten Markt hat. Für kleine Marktteilnehmer mit nur wenigen Mitarbeitern ist es schlichtweg unmöglich, der wachsenden Komplexität und den Anforderungen an Prozesse und Systeme wirtschaftlich und in einer überschaubaren Zeit gerecht zu werden. Wir brauchen daher eine stärkere Harmonisierung der Prozess- und IT-Landschaften über die Marktteilnehmer hinweg.

Das Interview führte Stephanie Gust
 
 

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