Von Stephanie Gust
"Die Entwicklung im Smart Metering wird in den nächsten fünf Jahren stark durch politische Weichenstellungen geprägt sein", sagt Stefan Baasner, Geschäftsführer von M2G-Consult. Grundsätzlich erwarte er, dass bis 2030 die Basisinfrastruktur für intelligente Messsysteme deutlich ausgebauter sein wird. Dies werde vermutlich bei all jenen Kunden der Fall sein, die mehr als reine Verbraucher sind. Insbesondere E-Mobilität, der Ausbau von Erneuerbaren-Erzeugung aber auch Mieterstrom und gemeinschaftliche Gebäudeversorgung werden hier Treiber sein.
"Gleichzeitig kann ich mir vorstellen, dass der Rahmen nochmal für alternative technische Lösungen geöffnet wird und es neben den intelligenten Messsystem auch andere Lösungen geben wird."
Was die Branche für 2025 erwarten kann:
Datenverfügbarkeit und -nutzung: Die erfassten Energiedaten können für effizientere Netzsteuerung, Lastmanagement und neue Geschäftsmodelle wie dynamische Tarife genutzt werden. Es wird hier zunehmend Anwendungsfälle geben, die dann auch in der Breite das Interesse an solchen Lösungen steigern.
Kundenzentrierte Lösungen: Anbieter werden verstärkt benutzerfreundliche Plattformen entwickeln, die Verbrauchstransparenz und individuelle Optimierungsmöglichkeiten bieten. Generell rechnet er damit, dass die Akzeptanz und Bekanntheit beim „normalen“ Kunden steigen wird.
Mäßige Geschwindigkeit: Insbesondere durch die politischen Rahmenparameter hält es Baasner auch für möglich, dass 2025 die Geschwindigkeit beim Rollout nochmal nachlassen wird. Verunsicherung über neue Vorgaben, fehlende Verlässlichkeit und unvorhersehbare Inhalte in einem neuen Koalitionsvertrag einer noch nicht bekannten Koalition dürften vor allem im ersten Halbjahr als Bremse wirken.
"Zusammenfassend wird das Jahr 2025 vermutlich ein Jahr voller Unsicherheiten. Wohin geht die Reise? Was sind die Schwerpunkte der Politik? Wird der eingeschlagene Pfad gehalten. Für mich die spannendste Leitfrage für das neue Jahr", so Baasner.
Als größte Herausforderungen im Bereich Smart Metering sieht der M2G-Consult-Geschäftsführer:
Interoperabilität und Standards: Noch immer sind viele Systeme nicht vollständig kompatibel, was die Integration neuer Technologien erschwert; aber auch generell die Anwendung von Lösungen verschiedener Anbieter (noch) nicht zum Kinderspiel werden lässt.
Personalengpass: Egal ob intern oder extern, Fachkräfte fehlen fast überall. Und auch 2025 dürfte die Situation nicht besser werden. Schon jetzt sind wir als Beratungshaus quasi für das gesamte Jahr zu 90 Prozent ausgelastet. Gleichzeitig wird überall Wissen und Engagement benötigt. Vor allem bei den neuen Themen. Hier die richtigen Köpfe an Bord zu bekommen (oder zu halten) dürfte anspruchsvoll werden.
Projektkomplexität: Lieferantenwechsel innerhalb von 24 Stunden, der Umstieg auf SAP 4/HANA oder schlicht erste CLS-Erfahrungen – auch in 2025 nimmt die Anzahl gleichzeitiger und komplexer Projekte zu.
"Es gilt erneut, alles auf einmal geht nicht. Es muss also priorisiert werden", so Baasners Empfehlung.
Chancen beim Smart-Meter-Rollout
Chancen sieht er vor allem bei den First Movern: "Natürlich könnte ich mich jetzt erstmal in die Rolle des Beobachters begeben. Aber ich könnte auch versuchen, gerade zu Beginn mit Produkten offensiv an den Markt zu gehen und Kunden für mich zu gewinnen. Dynamische Tarife sind hier ein schönes Beispiel. Da ist so viel Potenzial im Markt, die Frage wird sein, wer sich das zu Nutzen machen möchte. Dies gilt natürlich auch für Energy-Sharing oder Gebäudestrom."
Ebenfalls positiv: Lerneffekte und lokale Nähe. "Gerade bei Themen wie der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung sehe ich auch Potenziale für Stadtwerke als lokale Partner. Hier gilt es dann, auch diesen Vorteil zu nutzen und eine Basis zu schaffen, die auch zukünftige Produkte möglich macht. Hier Dritten den Markt zu überlassen in der Hoffnung, dass schon nichts passieren wird, halte ich eher für kontraproduktiv", so seine Einschätzung.
Positionierung
Bei der Frage nach der Positionierung der Stadtwerke, damit sie in diesem Rahmen Geschäftsmodelle unter Abwägung der Risiken und Chancen sinnvoll umsetzen können, antwortete Baasner, dass Stadtwerke vor allem darin investieren sollten, den Markt und die Konkurrenz zu beobachten. Was klappt, was eher nicht? Wo sind mögliche Hürden? Gleichzeitig sollten sie aber auch daran arbeiten, eigene Ideen zu entwickeln und die natürlichen Vorteile – Kundennähe, Vertrauensbasis, lokale Verbundenheit – zu nutzen.
"Hier kann es auch sinnvoll sein, in Kooperationen mit vermeintlichen Konkurrenten einzusteigen. Gegebenenfalls ist eine kleine Marge immer noch besser als ein verlorener Kunde", sagt Baasner.



