Die Horizonte-Group hat zahlreiche Parameter in Bezug auf das intelligente Messwesen abgefragt.

Die Horizonte-Group hat zahlreiche Parameter in Bezug auf das intelligente Messwesen abgefragt.

Bild: © Horizonte-Group

Zwischen Juni und August 2023 haben 43 Fachleute aus dem Messstellenbetrieb an der Umfrage zum HG-Marktblick Metering der Horizonte-Group teilgenommen. Knapp zwei Drittel der Teilnehmenden tat dies aus der Rolle grundzuständigen MSB heraus. Das restliche gute Drittel setzte sich verschiedenen Marktteilnehmern zusammen. Sowohl Systemanbieter (Dienstleister) als auch Systembetreiber / Gateway-Administratoren und Verbände haben ihre Sichtweise eingebracht.

Besonders diese Themen brennen den Befragten bei der Umsetzung des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende (GNDEW) unter den Nägeln: Wirtschaftlichkeit grundzuständiger Messstellenbetreib (29 Prozent), Prozessoptimierung (26 Prozent), Aufstellung IT-Systeme (23 Prozent), wettbewerbliche Aufstellung (14 Prozent), Lieferant (acht Prozent).

Messstellenbetreiber

Im Fokus

Die Mehrheit der grundzuständigen Messtellenbetreiber (8 Nennungen) hat mehr als 10.000 §14a-Anlagen in ihrem Netz, sieben gaben dazu keine Angaben, jeweils fünf erklärten 1000-5000 bzw. 1-100 solcher Anlagen und zwei gaben an, keine davon im Netz zu haben.

Die meisten grundzuständigen Messstellenbetreiber gehen zudem davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie 20 Prozent der Pflichteinbauten von intelligenten Messsystemen bis Ende 2025 erfüllen, als hoch (39,29) und sehr hoch (28,57 Prozent ein). Allerdings gehen auch 25 Prozent davon aus, dass die Chancen hier niedrig sind.

Neun der gMSB haben bereits fünf bis 10 Prozent des gesamten Pflichtrollouts an intelligenten Messsystemen ausgerollt.  Zwei haben sogar mehr als 10 Prozent im Feld, allerdings haben auch 6 gMSB weniger als 1 Prozent bisher ausgerollt.

Zu beachten ist dabei, dass durch GNDEW, EEG sowie der grundsätzlich stärker forcierten Elektrifizierung im Mobilitäts- und Wärmebereich auch die Anzahl der iMSys-Einbaufälle deutlich steigen wird. Viele Expert*innen und MSBs gehen von einer Verdoppelung ihrer Pflichteinbaufälle aus. Einige Fachleute gehen auch davon aus, dass das Thema Voll-Rollout attraktiver werden könnte, insb. da die meisten der künftig möglichen Einbauten auf Kundenwunsch logistisch ungünstig sein dürften.

Diese Unklarheiten verunsichern die Branche:

Über 60 Prozent der Teilnehmenden bewerten das GNDEW als nicht ausreichend klar definiert. Vor allem die unklare Definition der verpflichtenden Zusatzleistungen wird als meist genannte Unklarheit genannt (12 Nennungen). Ebenfalls unzureichend geklärt finden viele die Kostenübernahme für Verteilnetzbetreiber, die Abrechnung zwischen MSB und VNB sowie die Sichere Lieferkette (SiLKE) – mit jeweils fünf Nennungen. Bei letzterem ist etwa die Hersteller-übergreifende SiLke-Standardisierung mit einheitlichen Prozessen noch nicht in Sicht. Auch der Auffang-MSB, das Splitting der Preisobergrenzen bereiten jeweils vier Unternehmen Kopfzerbrechen.

Laut den Erfahrungen der Horizonte-Group zeigen die Erfahrungen aus laufenden Projekten, dass hier vor allem die Umsetzung der Aufteilung der POG-Abrechnung nach Netzbetreiber und Endkund*in bei vielen Akteuren noch unklar ist. Auch der Aspekt, dass das GNDEW (sowie die weiteren regulatorischen Vorgaben) den Messstellenbetreiber eine extrem hohe IT-Verfügbarkeit für die Prozesse zum Schalten und Steuern abverlangt, wird unter den Messstellenbetreibern negativ wahrgenommen. Denn auch diese dementsprechend hohen Prozesskosten sind nicht durch die POG abgedeckt.

Wenig überraschend gaben über 60 Prozent der Messstellenbetreiber an, innerhalb der festgelegten POG für Standard- und Zusatzleistungen nicht wirtschaftlich arbeiten zu können. Lediglich 16 Prozent gaben hier ein klares „Ja“, während 2 Prozent unsicher sind, und 7 Prozent zumindest davon ausgehen es zumindest teilweise zu schaffen.

Mehr Wirtschaftlichkeit durch folgende Hebel:

Stärkere Prozessdigitalisierung, die Etablierung medienbruchfreier Prozesse sowie ein hoher Automatisierungsgrad in den IT-Systemen werden für MSB zentral sein, um die Kosten pro Zählpunkt auf wettbewerbsfähige Niveaus zu senken. Denn bei einem Massen-Rollout sind manuelle Arbeitsschritte und Klärfälle durch Mitarbeiterinnen dramatische Kosten- und Zeittreiber.

Prozess-Outsourcing könne daher einen Hebel darstellen, um die Wirtschaftlichkeit zu Verbessern. Hoffnungen ruhen auf der neuen Kosten-Nutzen-Analyse (KNA) und der Aussicht, dass 2024 auf Grundlage einer Verordnung die POGs angehoben werden.

Zukunftsthema CLS-Management

Obwohl die Rollout-Prozesse in vielen Häusern noch stärker automatisiert und optimiert werden müssen, beschäftigen sich ein Großteil der Befragten auch bereits mit dem Zukunftsthema CLS-Management. Getrieben durch die gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben haben laut dem HG-Marktüberblick bereits fast die Hälfte  (44,19 Prozent der Teilnehmenden eine CLS-Strategie aufgestellt oder in Arbeit. Diese MSB sehen ihre Meter-to-Cash(M2C)-Prozesse auch etwas positiver in Bezug auf den aktuellen Digitalisierungsgrad. Jedoch sagen auch 35 Prozent, dass Sie noch keine CLS-Strategie verfolgen.

Als Größte Hürden bei einer solchen Strategie sieht die Mehrheit (12 Nennungen) den Aufbau einer IT-Architektur, dicht gefolgt mit acht Nennungen von der Prozessimplementierung.

Die schiere Komplexität perspektivisch hunderttausende oder Millionen Anlagen in einen intelligenten Mechanismus, der die Zusammenarbeit von MSB, Netzbetreibern und Betreibern technischer Ressourcen bedingt, einzubringen, wird auch auf Basis der Erfahrungen mit Redispatch 2.0 kritisch beäugt. Zum Schluss ist auch die Verfügbarkeit der Hardware sowie die Frage nach standardisierten Protokollen noch eine große Herausforderung.
 
Daneben wurden auch die unklare Anbindungspflicht nach §40 MsbG (besonders bei Mehrparteienhäusern) sowie Abrechnungsmodalitäten in Bezug auf MSB und VNB im Zuge der Kostenübernahme sowie die „angemessenen“ Preisobergrenzen (POG) moniert.

GWA-System

Das am meisten genutzte GWA-System, das die Unternehmen aktuell oder perspektivisch Nutzen ist Robotron mit 15 Nennungen. Neun Teilnehmer wollten dazu keine Angabe machen, sechs setzen auf BTC und jeweils zwei auf Gwadriga, Tremondi, Voltaris/Robotron. Jeweils ein Unternehmen nannte noch Sagemcom/Fröschl und Thüga SmartService.

Bei den eingesetzten Backendsystemen dominieren bei den Befragten SAP (12 Nennungen) und mit jeweils drei Nennungen Eigenentwicklungen, SIV kVasy, Wilken und meherere Systeme. Schleupen wurde von den Befragten zweimal genannt.

Zufriedenheit mit den Geräten

Während ein Großteil der Branche die Funktionsfähigkeit von Smart-Meter-Gateways als mindestens ausreichend (19 Stimmen) oder sogar hoch (15) bis sehr hoch (1) einschätzt, vergeben 6 Expert*innen das Prädikat ‚mangelhaft‘. 32 Stimmen geben zu bedenken, dass die Preise für die Herzstücke der Digitalisierung der Energiewende teuer (24), bzw., zu teuer (8) sind.

Bei Steuerboxen ergibt sich in Bezug auf die Kosten ein ähnliches Bild – die Geräte schätzen 28 Stimmen als mindestens teuer ein. In Bezug auf die Funktionalität ist zu verzeichnen, dass die Geräte größtenteils als lediglich ausreichend (14 Stimmen) oder gar als mangelhaft (12) eingeschätzt werden, obwohl andere Stimmen eine Bewertung hoch (4) oder sogar sehr hoch (1) propagieren.

So fordern die Befragten im Hardware-Kontext auch Verbesserungen oder Erweiterungen in Bezug auf grundsätzliche Funktionen wie einem stabilen Betrieb, Mehrwerten wie Gridmonitoring sowie RLM-Anbindung oder Interoperabilität zw. iMSys, Steuerboxen und Home-Energy-Management-Systemen.

Dynamische Tarife

Interessant war außerdem, dass bei der Umsetzung dynamischer Tarife mit 44 Prozent (19 Stimmen) der Großteil der Befragten noch nicht mit der Umsetzung begonnen hat, während knapp ein Viertel sich bereits in der Umsetzung befindet. Das verbleibende Drittel hat keine Angabe gemacht, bzw. ist auf Grund der eigenen Marktrolle selbst nicht zur Umsetzung verpflichtet.

Als größte Umsetzungshürde sehen die teilnehmenden Fachleute bei den dynamischen Tarifen die Ausgestaltung der für die Umsetzung zu Grunde liegenden Prozesse. Allen voran werden hier die Kommunikationsanbindung sowie die Bereitstellung hochauflösender Messwerte genannt, wodurch eine Verbindung der „prozessualen Hürden“ zum ausstehenden iMSys-Rollout hergestellt werden kann. Gefolgt werden die prozessualen Herausforderungen von Hürden auf Seiten des Vertriebs und der Nachfrage durch EndverbraucherInnen.

Zugleich zeigt die Umfrage, dass die vertriebliche Ausgestaltung dynamischer Tarife bei vielen Akteuren derzeit hintenangestellt ist.

Erwartungen

Die Erwartungen zu den Entwicklungen im Messstellenbetrieb in den kommen Jahren fallen der Umfrage zufolge sehr vielseitig aus. Dennoch gibt es neben der Vielzahl an Einzelnennungen fünf Themen, die besonders häufig genannt werden:

Erwartet wird ein:

  • zunehmend dynamischen Wettbewerbsumfeld, etwa durch den Markteinstieg verschiedener Start-ups im Bereich Mehrwertdienste und Cleantech (sieben Nennungen)
  • eine steigende steigende Automatisierung und Datenmenge bei MSB-Prozessen (sieben Nennunegn).
  • eine steigende Standardisierung bei Schnittstellen und Protokollen (fünf Nennungen). Dafür gilt es die zuerst die eigenen M2C-Prozesse zu stabilisieren.
  • ein deutlicher Hochlauf beim iMSys-Rollout (vier Nennungen)
  • eine POG-Anhebung sowie die Zunahme an Dienstleistungs-Angeboten im Messstellenbetrieb. (jeweils zwei Nennungen)

Die Horizonte-Group verweist darauf, dass allein auf eine gegebenfalls stattfindende POG-Anhebung zu setzen, eine riskante Strategie sei, den Business Case positiv zu gestalten. Insbesondere für viele kleinere EVUs mit Personalengpässen könne Outsourcing im Metering in Verbindung mit Konzentration auf die Kernkompetenzen eine sinnvolle Strategie darstellen.

Fazit

„Die Ergebnisse der Befragung zeigen auf, dass der Smart-Meter-Rollout nun wirklich an Fahrt gewinnt, aber Messstellenbetreiber insbesondere skeptisch bzgl. der wirtschaftlichen Umsetzung des Rollouts sind. Ein großer Kostendruck bei steigenden Anforderungen an die Prozesse bereitet vielen Häusern Kopfschmerzen", sagt Frank Hirschi, Manager bei der Horizonte-Group. Er rät daher dazu, dass sich Messstellenbetreiber  im Zuge der durch Universalbestellprozess sowie § 14a EnWG und dem Schalten und Steuern via CLS-Management weiter steigenden Komplexität und dem damit entstehenden Handlungsdruck eine Strategie erarbeiten sollten, wie die anstehenden Arbeiten umgesetzt werden können.

"Vor dem nun nahenden Hochlauf von intelligenten Messsysteme ist jetzt eine gute Gelegenheit, die Meter-To-Cash-Prozesse und die IT-Architektur zu beleuchten und historisch gewachsene Ineffizienzen durch zukunftsfähige Lösungen zu ersetzen", ergänzt Nikola Lißner, Consultant bei der Horizonte-Group. Denn der iMSys-Rollout und -Betrieb sei  nur dann handhabbar, wenn hochautomatisierte und medienbruchfreie Prozesse in den IT-Systemen ausgeprägt werden können. "Hier empfiehlt es sich mit Hilfe eines  klar strukturierten Projektmanagements SOLL-Prozesse zu definieren und gegebenenfalls existierende Delta zur IST-Welt zu identifizieren. Darauf aufsetzen können dann Handlungsfelder zur Optimierung abgeleitet und in Umsetzungskonzepte überführt werden. Für kleinere Häuser können auch Kooperationen oder Outsourcing mögliche Wege sein, um den Smart-Meter-Rollout erträglich umzusetzen.“ (sg)

Die komplette Übersicht finden Sie hier.

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