Die diesjährigen Metering Days in Fulda sprengte die bisherigen Rekorde: Rund 800 Besucher nahmen an der Veranstaltung in Fulda teil, das Event war ausverkauft.
Schon in der ersten Podiumsdiskussio ging es dann gleich zur Sache. Zwar lobte Adrian Loets vom Bundeswirtschaftsministerium die Aufbruchstimmung, die zu spüren sei und dass aus Sicht seines Hauses das Positive überwiege. Allerdings gab es hier schnell Kontra.
Unklare Kostenübernehm, Kostensteigerungen, verpflichtende Wunschlieferung
Schon zuvor hatte Malte Sunderkötter, Sprecher der Geschäftsführung von Eon Grid Solutions, in seinem Vortrag angeprangert, dass mit dem Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende zahlreiche komplizierte Anforderungen für den Smart Meter Rollout neu entstanden sind. Besondere Risiken sieht Sunderkötter darin, dass immer noch unklar ist, wie die Kosten für die Netzbetreiber im Rahmen des intelligenten Messwesens geltend gemacht werden können.
Ebenfalls herausfordernd seien die enormen Kostensteigerungen seit 2012, die nicht mehr in den damals von E&Y berechneten Preisobergrenzen dargestellt werden könnten. Auch die künftige Einbaupflicht bei Kunden von Smart Metern bereite den Messstellenbetreibern Probleme. Schließlich müssen sie diesem Wunsch nachkommen und zwar auch bei einem Jahresverbrauch unter 6000 kWh. Bei massenhaften solcher Wunsch-Bestellungen werde hier eine wirtschaftlicher Rollout fraglich, so Sunderkötter. Erschwert werde dies auch durch die Regelung, dass dies innerhalb von vier Monaten geschehen muss, was die Messstellenbetreiber ebenfalls vor große Probleme bei der Planung und damit der Wirtschaftlichkeit stelle.
"POG nicht wirtschaftlich darstellbar"
Christoph Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung von Netze BW, monierte ebenfalls die niedrigen Preisobergrenzen, die ihm zufolge jeden Wettbewerb ersticken würden, weil kein wettbewerblicher Messstellenbetreiber zu solchen Preisen wirtschaftlich ausrollen könne.
Bei einem Preis von 20 Euro pro Jahr für die intelligenten Messsysteme hätten die Verbraucher zudem keinen Anreiz mehr, den Messstellenbetreiber zu wechseln, so Müller. Sunderkötter erklärte in der anschließenden Podiumsdiskussion nochmals eindringlich: "Ich wünsche mir mehr Ehrlichkeit, 20 Prozent bis 2025, das wird mit dem jetztigen Preis und Kostenmodell nicht kompatibel sein. So wird es nicht funktionieren". Gemeint ist, dass bis dahin 20 Prozent des Pflichtrollouts des jeweiligen Messtellenbetreibers ausgerollt sein müssen.
Und weiter: "Wir sollten uns nicht täuschen lassen, dass der aktuelle Höhenlauf bedeutet, dass Messstellenbetreiber ein höchst rentables Geschäftsmodell haben und dass hier Goldgräberstimmung herrscht, das geschieht nur aus dem regulatorischen Druck heraus."
Anhebung der POG vielleicht in einem Jahr - vielleicht aber auch nicht
Loets vom BMWK zeigte sich davon wenig beieindruckt und erklärte, es gehe bei den Preisobergrenzen darum einen gerechten Kostenausgleich für alle Parteien zu finden, sprich einen fairen Preis für Messstellenbetreiber, Vertreilnetzbetreiber und Kunden. Zudem betonte er, dass sein Haus nichts vorschreibe, sondern nur ermöglichen, was wirtschaftlich sinnvoll sei. Zugleich brachte er die Zusatzdienstleistungen ins Spiel, die zusätzliche Gewinne erlauben würden. "Man kann mit dem Thema proaktiv umgehen, man kann sich eine Strategie überlegen, wie man das gegenüber dem Kunden nutzt".
Man werde aber die Preisgrenzen im Juni nächsten Jahres prüfen, so Loets und anhand der Ergebnisse eine Anpassung nachdenken – nach oben oder auch nach unten.
Endlich ins Machen kommen
Anke Hüneberg, Bereichsleiterin Energie beim ZVEI, mahnte indes, vom Diskutieren weg ins Machen zu kommen: "Wir sind Schlusslicht in Europa, wir diskutieren ständig. Wir sollten uns darauf konzentrieren, was kann man im Rollout an Skalierungseffekten gewonnen werden. Wie bekommen wir das am besten hin, wie können wir von den Großen lernen."
Und weiter: "Die Hersteller sind bereit. Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, Hersteller haben schon Lösungen parat, die wollen am liebsten heute schon loslegen. Die Technologien sind bereit, wir müssen noch den Zertifizierungsprozess auf den Weg bekommen.
Sichere Lieferkette und TR-5
Bei der TR-5 gab es positive Nachrichten vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Man sei hier gerade dabei die Feinheiten abzustimmen, erklärte Dennis Laupichler, Referatsleiter beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).
Neuigkeiten gab es auch zur sicheren Lieferkette: Künftig soll die sichere Lieferkette für die Hersteller der Gateways bei der Aushändigung der Geräte beim Messstellenbetreiber enden. Für die sichere Lieferkette, die dann beim Messstellenbetreiber greift, sei man gerade dran, diese auf dem Weg zu bringen. Vorraussichtlich im zweiten Quartal dürfte dieser Prozess stehen, zeigte sich Laupichler zuversichtlich.
Zusammenarbeit mit BSI hat sich wesentlich verbessert
Mehr Begeisterung für das Bundeswirtschaftsministerium und das BSI gab es dann in der abschließenden Diskussion der Gateway-Herstellerl PPC-Chef Ingo Schönberg lobte die inzwischen hervorragende Zusammenarbeit mit dem BSI, das BMWK habe geliefert, die Prozesse gehen viel schneller und bei der Sektorenkopplung spreche man nicht mehr von Dingen, die kommen sollen, sondern die schon da sind.
BMWK hat geliefert, BSI haben wir inzwischen eine hervorragende Zusammenarbeit, Prozesse gehen viel schneller, Sektorkoplung, wir reden nicht mehr über irgendwelche Dinge, die kommen, sondern, was schon da ist.
Ruwen Konzelmann, Geschäftsführer von Theben Smart Energy, Konzelmann fragte sich jedoch, warum die Branche immer noch nicht so richtig motiviert das Infrastrukturprojekt angehe: "Wr haben die richtige Architektur, intelligente Messsyteme, jetzt müssen wir beweisen beweisen, dass wir es können." Und er schiebt hinterher: "Wir werden es schaffen, wer hält uns denn auf?"
Andere Herausforderungen als vor einigen Jahren
Für eine Reduzierung unnötiger Anforderungen sprach sich Holger Graetz von Sagemcom aus: "Das gilt nicht nur für die SiLKe, jeder Zopf, der abgeschnitten wird, kostet uns weniger Geld bei der Zertifizierung."
Peter Heuell verwies auf einen weiteren Punkt: "Wir hatten vor ein paar Jahren ganz andere Probleme, es geht nicht mehr um fehlende Funktionalitäten, wenn ich die heutigen Diskussionen betrachte." Vielmehr gebe es "nur" noch zwei Herausforderungen mit der POG und der sicheren Lieferkette. (sg)



