Sieger des diesjährigen Innovation Benchmark mit der höchsten Anzahl innovativer Angebote ist wie im vergangenen Jahr EWE, die sich den ersten Platz mit den Stadtwerken Bielefeld teilen.

Sieger des diesjährigen Innovation Benchmark mit der höchsten Anzahl innovativer Angebote ist wie im vergangenen Jahr EWE, die sich den ersten Platz mit den Stadtwerken Bielefeld teilen.

Bild: © Anjali/AdobeStock

Für den Innovation Benchmark 2025 für die Energiewirtschaft der Management-Beratung Axxcon wurde die Innovationstätigkeit von 42 deutschen Energieversorgungsunternehmen (EVU) untersucht. So zählen zu den wenigen Bereichen mit positiver Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr intelligente beziehungsweise dynamische Stromtarife sowie das Bündeln von Tarifen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Seit dem 1. Januar 2025 müssen alle Stromanbieter ihren Kund:innen mit intelligentem Messsystem einen dynamischen Tarif anbieten. Konkret stieg die Zahl der Anbieter intelligenter Stromtarife im Vergleich zum Vorjahr um rund 22 Prozent, bei der Bündelung von Tarifen um 31 Prozent.

Ohne regulatorischen Druck stehen EVU auf der (Innovations-)Leitung

"Innovationen im Sinne neuer Produkte sind häufig getrieben durch die Umsetzungspflicht der Regulatorik“, erklärt Armin Schelian, Partner und Energie-Experte bei der Management-Beratung Axxcon. Gleichzeitig jedoch seien viele EVU von der Masse und Komplexität der regulatorischen Vorgaben überfordert und könnten aus diesem Grund nicht wirklich innovativ sein – der Gesetzgeber "kille" damit auf der anderen Seite auch Innovation. Schelian: "Dies wird verstärkt von der Unstetigkeit des gesetzlichen Rahmens." So habe beispielsweise das Gebäudeenergiegesetz immense Planungsunsicherheiten mit sich gebracht, ebenso wie die Entwicklung der THG-Quote. Unterm Strich sind die untersuchten innovativen Angebote der EVU im Vergleich zum Vorjahr lediglich um durchschnittlich zwei Leistungen pro Unternehmen angestiegen.

Für die jährliche Studie zur Innovationstätigkeit deutscher EVU wird das nach außen sichtbare und an den Endkunden gerichtete Angebot innovativer Dienstleistungen und Produkte von Beratungs-Apps über Elektromobilität und neue Speichertechnologien bis hin zu Photovoltaik und Energiemanagement verglichen. Grundlage ist das aktuelle Leistungsportfolio auf den jeweiligen Internetseiten. Unter den 42 untersuchten deutschen Energieversorgern befinden sich die großen, landesweit agierenden Player, aber auch mittlere und kleinere Stadtwerke. Letztere wurden exemplarisch ausgewählt, um die verschiedenen Größenordnungen abzubilden. Die in der Studie untersuchten Leistungsangebote wurden in vier Rubriken geclustert: Digitalisierung, effiziente Energienutzung und -erzeugung, Mobilität sowie innovative Services und Vertriebsstrategien.

Innovationen im Bereich Stromspeicher und E-Mobilität

Zu den Bereichen mit insgesamt steigender Anbieterzahl im Jahr 2024 zählen auch E-Mobilität und Stromspeicher – ebenfalls Leistungen, die von der vom Gesetzgeber geforderten Energie-, Wärme- und Mobilitätswende getrieben sind. So macht die bundesweite Notwendigkeit der Netzstabilisierung Speicherlösungen laut Hendrik Prielipp, Manager bei Axxcon, zu einem nahezu zwingenden Wachstumsmarkt für Energieversorger. "Hinzu kommen neue Technologien und sinkende Kosten", so Prielipp. Der Anteil der EVU mit entsprechendem Angebot stieg um 15 Prozent. Auch die Elektromobilitäts-Infrastruktur wird laut Innovation Benchmark stetig ausgebaut – ein klarer Gegentrend zum seit der Einstellung der zugehörigen Förderung kriselnden E-Automarkt. EVU, vor allem in öffentlicher Hand, sehen sich in der Pflicht, die kommunale Forderung nach Ladeangeboten umzusetzen. Allerdings, so Prielipp: "Für den flächendeckenden kommerziellen Ausbau fehlen ihnen stabile profitable Geschäftsmodelle.“

Kleinere EVU vor allem als lokale Partner gefragt

Bei der näheren Analyse der innovativen Angebote fällt zudem auf: Echte Innovationen wie zum Beispiel Anwendungsfälle für Künstliche Intelligenz in der Energiewirtschaft werden überwiegend von größeren EVU getrieben, da nur größere Unternehmen über entsprechende Kapazitäten und das nötige Budget verfügen. Kleinere kämpfen laut den Axxcon-Experten um ihre Daseinsberechtigung. 

Prielipp: "Allerdings sind kleinere EVU bestens platziert, um als lokaler Partner die Energie- und Wärmewende vor Ort umzusetzen. Sie besitzen die nötige Nähe und das Vertrauen zu den Kunden, um präferierter, nachhaltiger Umsetzungspartner zu sein." Um dem Kundenbedarf gerecht zu werden, seien regionale Kooperationsprogramme hilfreich – zwischen Stadtwerken und lokalen Energiedienstleistern (zum Beispiel bei PV-Anlagen und Energieberatung).

Sieger des Jahres 2025

Sieger des diesjährigen Innovation Benchmark mit der höchsten Anzahl innovativer Angebote ist wie im vergangenen Jahr das Unternehmen EWE, das sich den ersten Platz mit den Stadtwerken Bielefeld teilt. Es folgen die Stadtwerke Bochum auf Platz 2. Den dritten Platz belegen Vattenfall, die Stadtwerke Münster, die Stadtwerke Karlsruhe und die EnBW.

Für das "Axxcon Innovation Benchmark Energiewirtschaft 2025" wurde das Leistungsangebot von 42 ausgewählten EVU auf Basis der Daten aus dem Jahr 2024 mit den Ergebnissen aus dem Vorjahr (29 untersuchte EVU) verglichen. Die im Rahmen der Untersuchung betrachteten EVU generieren einen Jahresumsatz von circa 300 Milliarden Euro. Insgesamt werden in Deutschland auf dem Energiemarkt jährlich circa 570 Milliarden Euro erwirtschaftet. (sg)

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