
Von Stephanie Gust
Wie lassen sich Verkehrsflüsse optimieren, Emissionen senken und Datenbarrieren überwinden? Das KI-Forschungsprojekt Aiamo ("Artificial Intelligence And MObility") geht genau diese Herausforderungen an. Unter der Leitung von ITS Germany entwickeln 13 Projektpartner eine datenbasierte Infrastruktur für ein effizientes und klimafreundliches Mobilitätsmanagement – mit ersten Pilotanwendungen in Leipzig und Landau in der Pfalz. "Aiamo ist kein weiteres Tool, sondern das Fundament für innovative Mobilitätslösungen", sagt Markus Wartha, Präsident von ITS Germany.
Der "AIAMOnexus": Datenintelligenz statt Insellösungen
Technisches Herzstück ist der "AIAMOnexus" – bestehend aus der Integrationszone zur intelligenten, standardisierten Anbindung unterschiedlichster Datenquellen und KI-Foundation-Models. Sie ermöglichen komplexe Analysen, präzise Prognosen und adaptive Steuerungsmechanismen – etwa für digitale Zwillinge, umweltsensitives Mobilitätsmanagement oder dynamische Lichtsignalanlagensteuerung. Damit schafft der "AIAMOnexus" die Grundlage für datengetriebene, sichere und zukunftsfähige Mobilitätslösungen. Gleichzeitig erfüllt die Architektur die Anforderungen aus Datenschutz und Regulierung, etwa Datenschutzgrundverordnung, AI Act und Data Act. Rechtssichere Prozesse wie dynamisches Smart Contracting sind bereits vorgesehen.
Mobilität neu gedacht – Beispiele aus Leipzig und Landau
In Leipzig entsteht zurzeit ein modernes, sensorbasiertes Umweltdatenmessnetz mit rund 50 Messstationen. Diese Echtzeitdaten tragen dazu bei, ein intelligentes Verkehrsmanagement mit Hilfe KI-gestützter digitaler Zwillinge für Verkehr und Umwelt aufzubauen, das gezielt in den Verkehr eingreifen kann – sei es durch Echtzeitanalysen der Emissionen, eine optimierte Steuerung des Verkehrsflusses oder durch gezielte Maßnahmen zur Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs. Die KI simuliert Szenarien, entwickelt Maßnahmen und liefert Vorschläge zur optimierten Verkehrssteuerung oder Luftreinhaltung. Künftig könnten auch individuelle Routenvorschläge über Mobilitäts-Apps dazukommen.
Landau in der Pfalz verfolgt einen anderen Ansatz: Dort optimiert Aiamo mithilfe von KI die Ampelschaltungen auf Hauptverkehrsachsen. Ziel ist eine an die Verkehrssituation angepasste "grüne Welle", die weniger Fahrzeugstopps erfordert und damit Emissionen verringert. Auch ein Bahnübergang wird integriert: Linienbusse sollen künftig so gesteuert werden, dass sie vor Schrankenschließung passieren können.
"Die in Leipzig entwickelten KI-Modelle lassen sich direkt auf kleinere Städte wie Landau übertragen. Das beschleunigt die Lernkurve und spart Ressourcen", verdeutlicht Wartha.
Für Kommunen, Verkehrsbetriebe und Bürger:innen
Aiamo ist skalierbar – und europaweit anwendbar. Der Mehrwert richtet sich an unterschiedliche Zielgruppen: So erhalten Kommunen ein dynamisches Werkzeug zur Verkehrssteuerung und Luftqualitätsverbesserung. Verkehrsbetriebe können ihre Angebote besser planen und vernetzen. Unternehmen und Innovatoren erhalten über Aiamo Zugang zu qualitätsgesicherten Daten, modularen KI-Modellen und einer leistungsfähigen Entwicklungsumgebung für eigene Applikationen, Analysen und neue Geschäftsmodelle. Und last but not least, erleben Bürger:innen spürbare Verbesserungen. Sie profitieren von weniger Staus, besserer Luft und sicherer Mobilität.



