Herr Gilbrich, Google gilt ja eher als Datenkrake und hat in Deutschland nicht den besten Ruf. Wie kam es trotzdem zu dieser Zusammenarbeit?
Karsten Gilbrich, CIO Badenova AG: Diese Annahme gilt nicht nur für Google, sondern für alle Hyperscaler (AWS, MS Asure). Gelöst haben wir diesen „Datenkraken-Mythos“, indem wir faktenbasiert in den Dialog getreten sind, u.a. mit dem Datenschutz. Google ist es deshalb geworden, da deren Lösungsportfolio, das Netzwerk sowie das gegenseitige Interesse, voneinander lernen zu können, im Fokus standen.
Sie arbeiten vor allem in den Bereichen Advanced Analytics, künstliche Intelligenz und Datenvisualisierung zusammen. Können Sie uns hier ein paar Beispiele nennen, wie das in der konkreten Umsetzung aussieht?
In ersten Innovationsworkshops identifizierten wir gemeinsam mit Google Cloud bereits mehrere konkrete Anwendungsfälle, wie zum Beispiel die Ausstattung von Trafostationen mit digitalen Sensoren zur Analyse und Optimierung der Verteilnetze. Für die Energiebeschaffung könnte zudem der auf künstlicher Intelligenz basierende Kurzfristhandel ein mögliches Handlungsfeld sein. Mithilfe der KI können wir hier Algorithmen selbständig erkennen, die uns dabei helfen, den besten Handelszeitpunkt zu treffen. Weiter ins Detail gehen kann ich allerdings leider noch nicht, da wir uns gerade mit allen Aktivitäten in der PoC-Phase befinden und sich die konkrete Umsetzung aus den jeweiligen Ergebnissen ableiten wird.
Als Projekt umgesetzt haben Sie etwa schon die Ausstattung von Trafostationen mit digitalen Sensoren zur Analyse und Optimierung der Verteilnetze. Inwiefern haben Sie hier Verbesserungen erzielt und was war hier der Beitrag von Google-Cloud?
Wir haben in 49 Trafostationen Sensoren verbaut, welche uns in Echtzeit mit vielen Sensordaten versorgen. Aktuell befinden wir uns noch in der „Sammelphase“. In den weiteren Schritten werden wir diese Daten „veredeln“, indem wir Analytics daraufsetzen und dann auch Ergebnisse für das Business wie beispielsweise die Netzsteuerung ableiten.
So kann z. B. eine KI erkennen, welche Sensordaten im Zusammenhang mit Wetterereignissen oder gesellschaftlichen Ereignissen wie einer Fußballweltmeisterschaft in Verbindung stehen. Daraus können konkrete Schritte wie eine gezielte Abschaltung oder proaktive Wartung eines Trafos abgeleitet werden, bevor ein Schaden entsteht. Zusammengefasst: KI kann uns dabei helfen, Zusammenhänge zu erkennen und Schlüsse zu ziehen, die uns verborgen bleiben würden.
Als nächstes angedacht ist der auf KI basierende Kurzfristhandel. Das klingt sehr ehrgeizig, könnten Sie erklären, was hier angedacht ist?
Ein konkretes Beispiel wäre, dass KI auf Änderungen von Wetterprognosen viel schneller und besser reagieren kann als ein Mensch. Algorithmischer Kurzfristhandel ist damit eine Grundfähigkeit eines modernen Energiehändlers wie Badenova, der die Energiewende ernsthaft und aktiv vorantreiben will.
Sie nennen Google Ihren Sparringspartner, wie kann man sich hier die Zusammenarbeit vorstellen?
In unseren regelmäßigen Austauschterminen bringen beide Unternehmen gleichermaßen Vorschläge ein. Manchmal präsentiert Google Cloud ein Thema oder eine technische Idee, die sie zum Beispiel bereits in anderen Branchen anwenden. Ins Sparring gehen wir dann bezüglich der Fragestellung, ob sich dieser Ansatz auch auf die Energiewirtschaft übertragen ließe und für ein Unternehmen wie Badenova denkbar und sinnvoll sein könnte. Im nächsten Schritt gehen wir mit unseren Fachabteilungen und Business-Kollegen ins Detail und erörtern eine mögliche Anwendung und deren Nutzen.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch Themen oder Optimierungsbedürfnisse, die aus unserem Alltag heraus bei uns entstehen. In einem gemeinsamen Sparring gibt uns Google Cloud wiederrum eine Einschätzung zu möglichen, technischen Lösungen und deren Implementierung.
Google hat eine gute Technologiesicht und ist sehr breit vernetzt. Wir kennen die Herausforderungen der Energie- und Wärmewände. Diese beiden Expertisen legen wir zusammen und finden passende Lösungen. Gerne dann zusammen mit Implementierungspartnern wie Adesso, TeamViewer und Brightfield. Der Dialog findet auf Augenhöhe statt.
Sie sind CIO bei Badenova, was sind hier Ihre Aufgabengebiete und welche digitalen Themenfelder strebt Ihr Unternehmen als nächstes an?
Unser Fokus ist, mit mehr Cloudservices eine Steigerung der Standardisierung zu erreichen. Auch technologische Innovationen wollen wir weiter ausbauen, indem wir das Scouting von Technologien mit Business Anforderungen zusammenbringen. Dass wir uns unternehmensseitig weiter klar vom Kunden aus aufstellen und unser Tun darauf ausrichten, ist dabei absolut maßgebend. Zudem stärken wir unsere Technologie- und Geschäftsbereiche, indem wir die Business Capabilities in den Vordergrund stellen.
Konkret heißt das:
- Mit Customer Experience nachhaltige, digitale Kundenerlebnisse schaffen
- Neue Geschäftsmodelle als Chance für Innovation
- Ausbau von Cloud Computing und Plattform-Service
(Die Fragen stellte Stephanie Gust)



