BloombergNEF und die Deutschen Energie-Agentur (Dena) haben das Whitepaper “Harnessing Artificial Intelligence to Accelerate the Energy Transition“ in Zusammenarbeit mit dem Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum, WEF) veröffentlicht, das einen einen Überblick über den aktuellen Stand der Akzeptanz von KI im Energiesektor gibt, die wichtigsten Anwendungsfälle von KI im Zuge der Energiewende zeigt und neben einer Roadmap auch praktische Tipps enthält, wie die Energie- und KI-Branche das Potenzial von KI voll ausschöpfen kann.
Das Fazit des Berichts lautet, dass KI einen beträchtlichen Beitrag zur globalen Energiewende leisten kann. Gemäß der von BNEF durchgeführten Modellierung des Netto-Null-Szenarios wird zwischen 2020 und 2050 aufgrund des geringeren Investitionsbedarfs jedes einzelne Prozent an zusätzlicher Effizienz in der Nachfrage einen Wert von 1,3 Billionen Dollar schaffen. KI könnte dies ermöglichen, indem sie zu einer höheren Energieeffizienz und einer flexibleren Nachfrage beiträgt.
Wendepunkt durch KI
„KI prägt bereits viele Bereiche der Gesellschaft und Wirtschaft. Im Energiesektor erhalten wir aktuell nur einen Vorgeschmack darauf, wie KI den Übergang zu den emissionsarmen, hocheffizienten und vernetzten Energiesystemen von morgen beschleunigen kann", erklärte dazu so Roberto Bocca, Head of Energy, World Economic Forum.
Der Bericht zeigt Bocca zufolge, welch großes Potenzial bestehe und wie es voll ausgeschöpft werden könne – geleitet von Grundsätzen, die den verantwortungsvollen Einsatz von KI im Energiebereich regeln. Sein Appell: "Politik und Wirtschaft können gemeinsam einen echten Wendepunkt herbeiführen, indem sie KI für eine schnellere Energiewende nutzen.“
Die wichtigsten Anwendungsfälle:
Muster erkennen in Daten und daraus Erkenntnissen für höhere Effizienz und Einsparungen ableiten: Laut den Netto-Null-Szenarien von BNEF werden für die vollständige Dekarbonisierung des globalen Energiesystems zwischen 2020 und 2050 Energieinfrastrukturinvestitionen in Höhe von 92 bis 173 Billionen Dollar erforderlich sein. Deshalb kann bereits eine Flexibilitäts-, Effizienz- oder Kapazitätsverbesserung im einstelligen Prozentbereich bei sauberen Energie- und kohlenstoffarmen Infrastruktursystemen Wertsteigerungen und Einsparungen in Billionenhöhe bewirken.
Stromsystemen mit wachsendem Anteil an erneuerbaren Energien koordinieren: Da Strom in zunehmend mehr Sektoren und Anwendungsbereichen benötigt wird, entwickelt sich der Stromsektor zur tragenden Säule der weltweiten Energieversorgung. Im Zuge des verstärkten Einsatzes Erneuerbarer bedarf es besserer Prognosen, einer besseren Koordinierung und eines flexibleren Verbrauchs, um einen sicheren und zuverlässigen Betrieb der Stromnetze sicherstellen zu können.
Verwaltung komplexer, dezentraler Energiesysteme in großem Maßstab: Der Übergang zu kohlenstoffarmen Energiesystemen führt zu einer raschen Zunahme der dezentralen Stromerzeugung, der dezentralen Speicherung und fortschrittlichen Möglichkeiten für das Lastmanagement, die in hochgradig vernetzte, transaktionale Stromnetze integriert werden müssen.
Wie Künstliche Intelligenz die Probleme lösen kann
Energieintensive Branchen und die Energiesysteme selbst stehen damit vor enorme strategische und operative Herausforderungen, da sie sich in einem einmaligen digitalen Wandel befinden, so die Dena. KI könne in zahlreichen Anwendungen als intelligente Schicht dienen und sei in der Lage, Muster in Daten zu erkennen und Erkenntnisse daraus abzuleiten, aus Erfahrung zu „lernen“ und die Systemleistung im Laufe der Zeit zu verbessern sowie mögliche Ergebnisse für komplexe, multivariate Situationen vorherzusagen und zu modellieren.
Die jüngsten Bemühungen um den Einsatz von KI im Energiesektor zeigen sich laut der Energieagentur vielversprechend, doch Innovation und Akzeptanz seien nach wie vor begrenzt. KI berge ein enormes Potenzial als Treiber der globalen Energiewende, das sich jedoch erst dann entfalten wird, wenn Innovation, Akzeptanz und Zusammenarbeit in Bezug auf KI branchenweit zunehmen. Diesbezüglich zeige das Whitepaper eine Reihe von Grundsätzen auf, die der Industrie helfen sollen, KI-Technologie schnell, sicher und gerecht zu steuern und zu skalieren.
Gemeinsame Leitprinzipien gefragt
„Wir haben aus unseren Workshops unter anderem die wichtige Erkenntnis gewonnen, dass wir zwar viele konkrete Möglichkeiten für KI in der Energiewende sehen konnten, es aber dringend gemeinsame Leitprinzipien brauchte, um diese Möglichkeiten skalierbar zu machen", erklärt Jon Moore, Chief Executive Officer, BloombergNEF.
Diese Grundsätze sollten idealerweise den Rahmen schaffen, damit verschiedene Interessengruppen effektiv zusammenarbeiten können, und zwar durch vorgegebene Aktivitäten in Bezug auf Governance, Planung und Infrastrukturaufbau. Dadurch könne man die vielen ‚Proof-of-Concept‘-Projekte hinter sich zu lassen und Lösungen in großem Maßstab erfolgreich zu implementieren. (sg)



