"Ich nehme bei den Beteiligten Unternehmen ein hohes Tempo und eine Entschlossenheit war die Netzabdeckung zeitnah zu realisieren", sagt Alexander Sommer, Leiter Innovation/Transformation bei Items, zum flächendeckenden Aufbau eines 450-MHz-Funknetzes.

"Ich nehme bei den Beteiligten Unternehmen ein hohes Tempo und eine Entschlossenheit war die Netzabdeckung zeitnah zu realisieren", sagt Alexander Sommer, Leiter Innovation/Transformation bei Items, zum flächendeckenden Aufbau eines 450-MHz-Funknetzes.

Bild: © Items

Herr Sommer, Sie sagen, LoRaWAN und 450 MHz ergänzen sich und sind für unterschiedliche Einsatzzwecke geeignet, könnten Sie das verdeutlichen?
Alexander Sommer, Leiter Innovation/Transformation bei der Items GmbH: Erst einmal handelt es sich bei LoRa und LTE – über das Frequenzband 450 MHz – um kabellose Übertragungstechnologien, die unterschiedliche Eigenschaften besitzen und daraus für spezifische Einsatzzwecke entwickelt wurden. LoRa ist für die Übertragung kleiner Datenmengen von Sensorik über größere Distanzen und mit batteriebetriebenen Geräten entwickelt worden und das Protokoll LoRaWAN nimmt mir Themen wie Datenverschlüsselung, Geräteverwaltung und Parametrisierung ab. LTE ist eine Übertragungstechnologie analog LoRa, nur entwickelt für eine Punkt-zu-Punkt Verbindung von IT-Geräten und die Realisierung hoher Bandbreiten und geringer Latenzen für Daten- und Sprachübertragung bidirektional. Themen wie Geräteverwaltung, Verschlüsselung, Firmware Updates und Parametrierung der Geräte muss ich gesondert von LTE mit zusätzlicher Software regeln.

Auf den Punkt gebracht, wenn ich Sensordaten mit geringer Kritikalität und hoher Masse übertragen möchte – wie Brunnenpegel, Umweltdaten, Wärmemengenzähler – ist LoRa bzw. LoRaWAN die geeignete Technologie, wenn ich eine Punkt-zu-Punkt Verbindung zwischen Geräten schaffen möchte mit hohen Anforderungen an Bandbreite, Verfügbarkeit und Latenz ist LTE eine sinnvolle Technologie – wie Trafostationen, Blockheizkraftwerke oder Smart-Meter-Gateways. Am Ende reden wir aber immer noch über Funkverbindungen und bei sehr kritischen Anlagen, ist eine kabelgebundene Lösung immer zu empfehlen. LoRa und LTE sind komplementäre Technologien, die uns in der Digitalisierung der Versorgungswirtschaft unterstützen und essenziell sind. Und die Möglichkeit durch das exklusive Frequenzband im 450 MHz Bereich für die Energiewirtschaft sind großartig und eröffnen ganz neue Szenarien.
 
 

Das Joint Venture 450connect stellt Ihnen zufolge „lediglich“ die reine Beschaffung der 450 MHz-Technologie zur Verfügung – sprich, sie bauen die Kommunikationsinfrastruktur auf. Um die Datenaufbereitung und Implementierung muss sich der Versorger jedoch selbst kümmern. Wo lauern hier Herausforderungen und Fallstricke?
Versorger, die bereits aktiv geworden sind im Umfeld von IoT-Szenarien – ob mit LoRaWAN oder anderen Technologien –, wird die operative Realität und die daraus abgeleiteten Anforderungen bekannt sein. Die 450connect wird der Versorgungswirtschaft eine sichere, stabile und exklusive Kommunikationsanbindung bereitstellen, quasi eine eigene Autobahn. Mit welchen Autos ich dort fahre, wie ich diesen Fuhrpark verwalte, unter welchen Regeln und Eigenschaften diese genutzt werden, wie ich den Zutritt in das Auto absichere, ist Sache der Nutzer, der Versorgungsunternehmen. Wie verwalte ich die eingebunden Geräte im Netz, sprich Assetmanagement, Firmware Updates, Monitoring, Remote-Administration? Wie gewährleiste ich die Sicherheit der Datenübertragung Ende-zu-Ende?

Benötige ich eine zentrale Plattform für die Integration der Daten ins Unternehmen? Ist ein übergreifender Datenspeicher für langfristige Analyse sinnvoll, zum Beispiel ein Data-Lake?. All diese Fragestellungen muss ich bedienen, ob ich Anwendungsfälle mit LoRaWAN, 450-MHz-LTE oder Technologien der Provider NB-IoT, 5G oder  LTE Telekom umsetzen möchte und über klassische Punkt-zu-Punkt Anbindung für Fernwirktechnik hinausgehe. Und hier halte ich es für essentiell, dass ein Versorgungsunternehmen die Hoheit über diese Themen besitzt und auch das Know-How dafür aufbaut. Und genau das ist unsere Mission, unser Ansatz. Die Digitalisierung der Versorgungswirtschaft darf nicht zu Monopol Strukturen und zentralen Abhängigkeiten führen, das ist beim Netz gelungen und sollte bei der Nutzung und Integration weitergeführt werden.
 
Wie bewerten Sie die neue Funktechnologie Mioty? Wo liegen hier Vorteile gegenüber anderen Technologien wie LoRa, NB-IoT, Mobilfunk, etc? Wo lohnt sich diese Technologie?

Wir haben in diesem Jahr im Rahmen einer Masterarbeit diese neue Technologie einem intensiven Test unterzogen. Die Technologie verfolgt einige spannende Ansätze um Probleme anderer LPWAN-Technologien zu adressieren. Grundsätzlich ist die Technologie aber in einem sehr frühen Stadium und es fehlt noch ein Standards und einem Soft- und Hardwareökosystem. Solche Technologien müssen weltweit Akzeptanz finden, damit entsprechend der notwendig Markt darum entsteht – dies ist bei LoRaWAN und NB-IoT geglückt, ob eine dritte Technologie mit marginalen Vorteilen hier platzt findet, würde ich nicht zu hoch bewerten und auf eine Zeitachse von drei bis fünf Jahren sehen.

Die 450connect hat zugesagt, bis 2024 eine flächendeckende 450-MHz-Infrastruktur aufzubauen. Wann sollten sich Stadtwerke daher schon mit der neuen Technologie beschäftigen?

Der Ausbau ist bei einigen Konsortialpartnern bereits gestartet. Beteiligte Unternehmen im 450connect Konsortium sind natürlich präfeiert aktiv und hier laufen bereits aktiv Systeme. Bei einigen ist der Übergang von CDMA aus LTE noch zu stemmen, aber da ist ein parallelbetrieb möglich für Ablösung der alten CDMA. Es wird natürlich nicht von heute auf morgen ein flächendeckendes Netz In Deutschland stehen, aber ich nehme bei den Beteiligten Unternehmen ein hohes Tempo und eine Entschlossenheit war die Netzabdeckung zeitnah zu realisieren.

Daher sollte man als EVU sich aktiv mit dem Thema beschäftigen und eine Strategie definieren. Für welche Szenarien ist welche Technologie zu nutzen und wie kann diesen Mix an Technologien verwalten, integrieren und Daten strukturieren. Hier bietet LoRaWAN einen guten Einstieg in diese Denke, aber dabei sollte man nicht aufhören und diese Projekte nicht nur aus dem Blickwinkel der einzelnen Technologie betrachten, sondern von der Architektur einer gesamthaften, sicheren und resilienten IoT-Architektur. Und womit sollte man anfangen? Mitarbeiter einstellen die etwas von diesen Technologien verstehen – klingt als Dienstleister komisch, aber das halte ich für essentiell.

Sie kooperieren auch mit Digimondo im Bereich 450 MHz. Ziel ist es, hier praktische Anwendungsfälle zu entwickeln, könnten Sie uns hier schon mehr dazu verraten?

Prinzipiell sehen wir den Bedarf neben der reinen Netzbereitstellung, Lösungen und Dienstleistungen zur Umsetzung von Anwendungsfällen und insbesondere der sicheren und stabilen Integration der Systeme in die internen Strukturen der EVU. Die Digitalisierung von Infrastrukturkomponenten steht noch am Anfang – der Hype um LoRaWAN war der Beginn, der 450-MHz-Ausbau wird das ganze massiv treiben und skalieren. Hierfür benötigt es sichere und flexible IoT-Plattformen, die Geräte verwalten, stabil in der Netzleitwarte integriert ist und flexibel Daten für Prognose, Planung und Regulierung liefert. Hier sehen wir hohen Bedarf an spezifisch auf die Branche zugeschnitten Lösungen. Handlungsbedarf sehe ich insbesondere in den Anwendungsfällen die nicht über das Smart-Meter-Gateway abgebildet werden können.

Die Fragen stellte Stephanie Gust

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