Von Stephanie Gust
Nahezu flächendeckende Konnektivität ist eine der zentralen Voraussetzungen für den Erfolg des Smart-Meter-Rollouts. Doch genau daran hakt es vielerorts. Besonders in Kellerräumen oder ländlichen Gebieten scheitert die Datenübertragung nicht selten an schwankender Netzqualität. Das Unternehmen Melita.io verspricht nun eine Lösung, die auf mehreren Ebenen ansetzt: mit Multinetz-SIM-Karten.
Sie nutzen automatisch das stärkste verfügbare Mobilfunknetz, weisen eine gesicherte VPN-Kommunikation auf und haben eine klare Spezialisierung auf das Internet der Dinge (IoT). "Unsere Karten suchen sich automatisch das beste verfügbare Netz. Genau das macht sie so stabil und ausfallsicher", sagt Frank Thelen, Head of IoT SIM Solutions bei Melita.io. Auch Kellerstandorte oder schwer zugängliche Liegenschaften lassen sich damit zuverlässig anbinden.
Fokus auf IoT
Melita.io ist er der IoT-Geschäftsbereich von Melita Limited, einem lizenzierten Mobilfunkanbieter aus Malta und bringt aus dieser Konstellation eine Besonderheit mit: Er verfügt über mehr als 300 internationale Roaming-Abkommen, darunter mit allen drei deutschen Netzbetreibern. Die SIM-Karten von Melita.io können sich je nach Signalqualität automatisch in die Netze einwählen. Zusätzlich werden alle wichtigen Mobilfunktechnologien unterstützt, darunter LTE, LTE-M, NB-IoT und 5G.
Die Übertragung sensibler Daten erfolgt grundsätzlich über VPN-Tunnel, nicht über das offene Internet. "Wir sind kein klassischer Netzbetreiber, sondern ein IoT-Spezialist. Unsere Plattformen, Prozesse und Tarife sind ausschließlich auf Machine-to-Machine-Kommunikation ausgelegt", so Thelen. Sprachdienste bietet Melita.io bewusst nicht an.
Countrol startet Großausbau mit Melita.io
Diese Kombination macht Melita.io für viele Energieversorger und Infrastrukturanbieter interessant. Derzeit begleitet das Unternehmen mehrere Projekte im Bereich Smart Metering und LoRaWAN. Besonders im Fokus steht aktuell der Rollout intelligenter Messsysteme. Hier gibt es eine Kooperation mit dem aufs Messen und Steuern spezialisierten Unternehmen Countrol, das in sechs- bis siebenstelliger Stückzahl intelligente Messsysteme in Deutschland ausrollen will. Dabei setzt Countrol vollständig auf die Konnektivitätslösung von Melita.io.
"Die Multinetzfähigkeit sei ein klarer Vorteil für Anwendungen, die eine hohe Verfügbarkeit verlangen", erklärt Nikolaus Starzacher, Chief Technology Officer bei Countrol. Die Geräte seien damit auch dann betriebsbereit, wenn ein Netzbetreiber ausfalle, etwa infolge eines Stromausfalls oder extremer Wetterlagen. Genau in solchen Fällen könne das automatische Failover in eines der verbleibenden Netze die nötige Kommunikationssicherheit gewährleisten. "Wir verstehen uns als technischer Möglichmacher. Unser Anspruch ist es, kritische Infrastrukturen verlässlich zu vernetzen – auch in Ausnahmefällen", betont Thelen.
Netzstabilität ist ein Beitrag zur Versorgungssicherheit
Dass es diese Sicherheit braucht, zeigen Ereignisse wie die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal oder zuletzt großflächige Stromausfälle in Spanien und Portugal. In beiden Fällen war die durchgängige Datenverfügbarkeit nicht gewährleistet. Melita.io verweist auf die Systemrelevanz robuster Kommunikationsinfrastruktur. Je schneller Energieversorger über aktuelle Netzzustände informiert sind, desto besser lassen sich Gegenmaßnahmen einleiten, um etwa Blackout-Kaskaden zu verhindern. "Digitale Transparenz ist eine Voraussetzung dafür, schnell und gezielt eingreifen zu können. Unsere Lösungen leisten hier einen konkreten Beitrag zur Resilienz der Energienetze", betont Thelen.
Flexible Tarife für datenintensive Anwendungen
Neben der technischen Ausstattung hebt das Unternehmen auch die Flexibilität seiner Geschäftsmodelle hervor. Für Countrol wurde ein eigenes Tarifmodell entwickelt, das sich am tatsächlichen Datenverbrauch orientiert und Raum für zusätzliche Anwendungen lässt. Gerade in der Phase nach dem Rollout, wenn neue digitale Services auf Basis der Messdaten entstehen sollen, ist dies von Bedeutung. Laut Starzacher gehören dazu unter anderem Steuerbefehle für Wallboxen und Wärmepumpen, detailliertes Verbrauchsmonitoring oder auch komplexe Messkonzepte wie etwa Mieterstrom und die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung.
"Unsere Kundinnen und Kunden müssen nicht mehr zwischen Stabilität und Wirtschaftlichkeit wählen. Wir bieten beides – und machen damit auch neue Geschäftsmodelle möglich", erklärt Thelen.
Ergänzung zu 450 MHz – kein Ersatz
Melita.io versteht sich nicht als klassischer Netzbetreiber, sondern als Infrastrukturspezialist für das Internet der Dinge. Alle Systeme, Prozesse und Verwaltungstools sind auf den Bereich Machine-to-Machine-Kommunikation ausgelegt. Diese Spezialisierung sei ein weiterer Vorteil, insbesondere für Unternehmen, die große Mengen intelligenter Geräte vernetzen wollen und auf reibungslose Abläufe angewiesen sind.
Die Frage nach Alternativen zur Mobilfunkkommunikation stellt sich mit Blick auf das 450-MHz-Netz, das in Deutschland für die besonders kritische Infrastruktur aufgebaut wird. Melita.io sieht sich dabei nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. Technisch sei es möglich, Multinetz- und 450-MHz-Kommunikation in einer Lösung zu vereinen, so das Unternehmen.
LoRaWAN als Ergänzung für kommunale Netze
Parallel zum Mobilfunkgeschäft treibt Melita.io auch den Aufbau von LoRaWAN-Netzen voran. In verschiedenen Landkreisen hat das Unternehmen gemeinsam mit Partnern wie Riwa, Pipersberg, M2M Germany und lokalen Netzbetreibern ein solches Netz realisiert, das nun für weitere Anwendungen zur Verfügung steht. Auch hier deckt Melita.io sämtliche Projektphasen ab – von der Netzplanung über die technische Umsetzung bis zum Betrieb.
Mit skalierbaren Tarifen, automatischer Netzwahl, hoher Ausfallsicherheit und ergänzenden LoRaWAN-Angeboten positioniert sich das Unternehmen als Technologiepartner für Versorger, Netzbetreiber und Messstellenbetreiber. Die Kooperation mit Countrol sei dabei nur ein weiterer Schritt im Bereich der Energiewirtschaft.



