Thüga Smart Service (TSG) unterstützt den 1:n-Rollout. Da es hier unterschiedliche Vorgehensweisen gibt: Wie geht hier TSG vor und welche Vorteile ergeben sich dadurch?
Matthias Stoller, Geschäftsführer bei der Thüga SmartService: Das ist vor allem eine Frage der Effizienz. Eine Anbindung mehrerer Zähler an ein Gateway (SMGW) ist aus wirtschaftlichen Gründen und auch mit Blick auf die Prozesseffizienz sinnvoll. Der Versorger erspart sich damit nicht nur Mehrkosten für die Gateway-Administration, sondern hat auch deutlich weniger Aufwand bei der Installation, Wartung oder beim Austausch des intelligenten Messsystems. Damit kann auch die genannte Preisobergrenze gemäß MsbG, durchaus wieder eine attraktive und auskömmliche Basis sein. Wesentlich ist hierbei die Anzahl der anbindbaren Zähler. Über die drahtgebundene LMN-Schnittstelle ist diese auf ca. acht Stück begrenzt – mehr kann nur mit externer Stromversorgung und spezieller Installation erreicht werden.

Matthias Stoller, Geschäftsführer Thüga SmartService
TSG
TSG arbeitet eng mit Gateway-Herstellern wie EMH Metering zusammen. Dort wurde ein Zähler der neuen Generation zugelassen. Was ist das Besondere an der Technologie?
Dr. Alexander Haßdenteufel, Director Energy Solutions: Die Limitierung der drahtgebundenen LMN-Schnittstelle ist gerade in Mehrfamilienhäusern eine Herausforderung. Sowohl hinsichtlich der Anzahl, aber insbesondere auch auf Grund der Mehrkosten für die Installation und Wartung zusätzlicher Kabel. Somit können etwaige Einsparungen der Bündelung wieder verpuffen. Hier schlägt nun die Stunde der drahtlosen Anbindung über wireless M-Bus mit Kompaktprofil. Drahtlose Zähler-Verbindungen an sich sind nichts Neues. Es ist jedoch die Fähigkeit, viertelstündige Werte (TAF7) eichrechtskonform über wireless M-Bus zu übertragen, die das Kompaktprofil so besonders macht. So können (je nach eingesetztem Smart-Meter-Gateway) bis zu 30 Stromzähler vollwertig und kompromisslos angebunden werden. Das entspricht quasi einer Verdreißigfachung der Rollout-Geschwindigkeit. Daher sprechen wir in diesem Zusammenhang auch gerne von der Stufe 1 des Rollout-Turbos. Zudem erhält der Messstellenbetreiber durch den Einsatz der neuartigen Zähler mit Kompaktprofil die Möglichkeit kostengünstig die Anforderung aus dem § 40 (1) MsbG zu erfüllen. Denn sobald ein Smart-Meter-Gateway hinter dem Netzanschluss existiert, können alle modernen Messeinrichtungen angebunden werden.
Ist die Technologie schon massenfähig oder noch ein Prototyp?
Haßdenteufel: Es handelt sich hierbei um die ersten wireless M-Bus Zähler, die eine PTB-Zulassung haben und somit für einen massenfähigen Einsatz konzipiert sind.

Dr. Alexander Haßdenteufel, Director Energy Solutions
© TSG
Sie testen die Hardware gerade in ihrem Testlabor. Welche Erfahrungen konnten Sie hier sammeln?
Haßdenteufel: Als Partner der Stadtwerke bei der Digitalisierung der Energiewende ist uns Verlässlichkeit sehr wichtig – auch und gerade in Bezug auf die von uns freigegebene Hardware. Daher haben wir in ein neues Testlabor investiert. Jeden Fehler, den wir im Labor bereits identifizieren und lösen können, erspart unseren Kund:innen im Rollout unzählige zusätzliche Monteuranfahrten und Klärungsaufwand. Rein statistisch ermöglichen wir damit eine weitere Effizienzsteigerung im Roll-Out, Stufe 2 des Rollout-Turbos, sozusagen.
Sind Sie schon auf das nächste Thema Steuern und Regeln vorbereitet (§14 a EnWG) ? Welche Herausforderungen erwarten Sie hier?
Stoller: Die Steuerung von Anlagen und Netzanschlüssen über den CLS-Kanal ist fester Bestandteil unseres Programms Smart-Energy-Core – der Plattformlösung für die Energiewirtschaft. Im Rahmen von internen Testszenarien und Pilotprojekten mit unseren Kunden haben wir bereits wichtige Erkenntnisse gesammelt, die in die weitere Produktentwicklung unserer CLS-orientierten Services, wie dem webbasierten CLS-Management-Tool, einfließen. Weiterhin arbeiten wir aktuell mit Hochdruck an der Anbindung an die Leitsysteme der Verteilnetzbetreiber. Spannend werden die ersten größeren Feldtests sein, in denen sich die gesamte System- und Prozesskette unter Realbedingungen beweisen darf. Eine der wesentlichsten Herausforderungen im Markt sehen wir darin, dass die Grundvoraussetzung für die Steuerung über CLS geschaffen sein muss: der Fortschritt im Smart-Meter-Rollout.
Hat sich das Rollout-Tempo bei Ihren Kunden mit der Verabschiedung des MsbG verändert?
Stoller: Um ehrlich zu sein, haben wir hier allenfalls eine leichte Tendenz feststellen können. Gerade kleinere und mittelgroße Stadtwerke sind beim Rollout noch recht vorsichtig unterwegs. Die gesetzliche Kostenverteilung schafft für den Endverbraucher Sicherheit und Planbarkeit, für den Netzbetreiber in der jetzigen Regulierungsperiode allerdings noch eine gewisse Unsicherheit. Die Mammutaufgabe Rollout und Ausbauverpflichtung wird allerdings durch reines Abwarten keinesfalls einfacher. Wir appellieren daher konsequent für einen zügigen Rollout-Start. Stufe 3 des Turbos ist die veränderte Haltung der Stadtwerke vom Einbauen-Müssen hin zum Einbauen-Wollen im Sinne der Digitalisierung der Energiewende.
Die Fragen stellte Stephanie Gust



