„Über 650 Anmeldungen zeigen, wie groß der Gesprächsbedarf nach der Pandemie ist“, freute sich Jamila Bogdanoff zur Eröffnung der Metering Days am 11. Oktober in Fulda. Eine Reihe von Botschaften des von der Expertin für smarte Energiesysteme beim ZVEI moderierten Podiums kamen zum Start gleich gut an. Schneller müsse es mit dem Rollout gehen, um die Ziele der Energiewende erreichen zu können, waren sich alle Diskutanten einig. Wobei zu den Details der Umsetzung auch Gesprächsbedarf deutlich wurde.
Zur Einstimmung hatte Sarah Bäumchen für die Geschäftsleitung eindringlich auf die Herausforderung für die Netze hingewiesen: „Wir tragen die Dekarbonisierung voll mit.“ Aber zur Integration der bis 2030vorgesehenen 15 Millionen E-Fahrzeuge oder sechs Millionen Wärmepumpen müssten alle Möglichkeiten zum Umbau und Ausbau der Stromnetze genutzt werden. Dazu müsse dringend die Transparenz in den Verteilnetzen kommen, für die dena-Geschäftsführer Andreas Kuhlmann ohne flächendeckenden Einsatz intelligenter Messsysteme keine Grundlage sieht. Die bisherige Datenlage hält er für eine „Katastrophe“.
EWE Netz: Immer mehr Eingriffe nötig
Hautnah aus der Praxis konnte Torsten Maus als Vorsitzender der Geschäftsführung der EWE Netz die Herausforderungen schildern: Aufgrund der rasanten Zuwächse bei dezentralen Erzeugungsanlagen habe man allein im Jahr 2021 bereits 6.000 Mal regelnd eingreifen müssen. Und der Hochlauf an Wallboxen und Wärmepumpen nehme gerade erst Fahrt auf, gab Maus zu bedenken.
Um das Problem zu lösen, kündigte Christoph Scholten, Referatsleiter im BMWK, auf dem Podium eine Art „Neustart“ in Form einer gesetzlichen Regelung an. Dass dieser „auf deutlich höherem Niveau“ hinsichtlich der technischen und prozessualen Voraussetzungen erfolge, erfülle ihn mit Zuversicht.
BSI hofft auf mehr Tempo durch Rechtssicherheit
Nach den leidigen Erfahrungen mit der notgedrungen zurückgezogenen Allgemeinverfügung erhofft sich auch Dennis Laupichler aus dem Bereich Cyber-Sicherheit des BSI mehr Tempo durch mehr Rechtssicherheit. Inzwischen stehe ausgereifte Technik zum Steuern zur Verfügung, am erwarteten Stufenplan werde gearbeitet. Zudem bereite sein Haus mit Hochdruck das Thema Konformitätsprüfungen vor. Als kleines Schmankerl für die Messebesucher lud er zur Demonstration einer Testmaschine ein.
Noch etwas skeptisch zeigte sich Clemens von Dinter, der als CEO von VIVAVIS mehr Anreize statt Pflichten zugunsten des flächendeckenden Einbaus von Gateways und Steuerboxen forderte. Er forderte ein „iteratives Vorgehen“ anstatt immer gleich einen Gesamtrahmenplan realisieren zu wollen. Auch sollten bei der Regulierung die Investitionen in Innovationen gegenüber dem Netzausbau honoriert werden.
BDEW: Druck auf den Mitarbeitern ist hoch
Etwas andere Prioritäten wünschte sich auch Geertje Stolzenburg aus dem Bereich Energiewirtschaftsrecht des BDEW. So sei steuern zwar schon erlaubt, aber „bisher müssen die Unternehmen jedem einzelnen Kunden extra nachlaufen“. Spontanen Beifall erhielt sie für die Mahnung, dass die zusätzlichen Aufgaben von den gleichen Leuten zu erledigen seien, die letztlich auch immer kürzere Fristen für Lieferantenwechsel umzusetzen hätten.
Christoph Scholten musste schließlich eine ganze Reihe von Fragen aus dem Publikum zum neuen MsbG oder auch der Preiseobergrenze mit Hinweis auf laufende Prozesse „umschiffen“. Vor der für die nächste Woche geplanten Abstimmung mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck versicherte er aber, dass er vieles mitgenommen habe. Und Jamila Bogdanoff resümierte zufrieden: „Sie haben sich zumindest einen riesigen Notizzettel gemacht.“ (Ulrich Stark)



