"Für meinen Geschmack haben wir mit nunmehr zwei Jahren schon zu lange diskutiert und zu wenig umgesetzt", sagt PPC-Chef Schönberg.

"Für meinen Geschmack haben wir mit nunmehr zwei Jahren schon zu lange diskutiert und zu wenig umgesetzt", sagt PPC-Chef Schönberg.

Bild: © PPC

Herr Schönberg, wie bewerten Sie als Vorstandsvorsitzender des Smart-Meter-Gateway-Herstellers  PPC die aktuelle Diskussion zur Spitzenglättung und die Förderung der Wallboxen?
Im Grunde sind sich alle einig: ohne Digitalisierung keine effiziente Energiewende und ohne Lastmanagement keine Skalierung der Elektromobilität. Der alte Reflex, einfach mehr Kupfer in den Netzen zu fordern, ist zumindest nicht mehr so stark ausgeprägt. Erst wenn durch höhere Marktdurchdringung der E-Mobilität digitales Lastmanagement per Smart Grid absehbar an seine Grenzen kommt, müssen die verbleibenden lokalen Netzengpässe beseitigt werden. Im aktuellen §14a-Diskurs sind alle Protagonisten der Meinung, dass bei Wallboxen eine nachvollziehbare Steuerung mit Smart-Meter-Gateways vorzusehen ist.

Nur so werden Notfalleingriffe des Verteilnetzbetreibers oder gezieltes Lastmanagement aus dem Markt möglich. Niemand will private Ladevorgänge einfach abschalten. Es geht einzig darum, Leistungen bei drohender Netzüberlastung zu reduzieren und Laden im zumutbaren Rahmen zu verschieben. Auch ist man sich einig, dass der Ladestrombezug zu Zeiten kritischer Netzlasten teurer werden wird und dass das etablierte Konzept transparent und kundenfreundlich sein muss.

Worüber wird noch diskutiert?
Strittig bleibt lediglich die Frage, mit welchem Modell gezieltes Steuern zukünftig initiiert bzw. angereizt wird und wie hierbei die Freiwilligkeit ausgestaltet wird: Eine frühzeitige Wahl der bedingten/unbedingten Leistung im Modell der Spitzenglättung oder die Nutzung von Wahltarifen im Modell der flexiblen Netzentgelte. Also insgesamt viel Einigkeit bei nur wenigen Knackpunkten – diese werden jedoch sehr intensiv diskutiert. Für meinen Geschmack haben wir mit nunmehr zwei Jahren schon zu lange diskutiert und zu wenig umgesetzt.

Wo hakt es denn konkret?
Es besteht ein enormer Handlungsbedarf. Denn derweilen steht für rund 300.000 Wallboxen von der KfW-Förderliste der Einbau an. Weitere Hunderttausend werden durch die Aufstockung des Förderbudgets folgen. Es droht die geradezu paradoxe Situation, dass diese trotz Konsens zum Steuerungsbedarf weiterhin ohne Smart-Meter-Gateways und damit ohne Steuerungsoption installiert werden. Die spätere Nachrüstung dieser Systeme könnte mit Hinweis auf Bestandsschutz ausbleiben oder aber auf jeden Fall deutlich teurer werden.

Dabei ist dringend geboten, dass die notwendige Infrastruktur zur Steuerung von Wallboxen über das intelligente Messsystem von Anfang an mitausgerollt wird. Eine herstellerunabhängige Umsetzung ist durchaus schon realisierbar: Ein Datenkabel als direkte Verbindung zum SMGW kann kostengünstig bei der Installation der Stromkabel zur Wallbox mitverlegt werden. Das Messsystem mit SMGW erfasst am Hausanschluss die relevanten Netzzustandsdaten und stellt für eine Steuerhandlung im Bedarfsfall einen sicheren CLS-Kommunikationskanal für die Steuersignale bereit. Diese werden wiederum über das Datenkabel direkt an die Wallbox übermittelt.

Was wären die Folgen der Verzögerung?
Stand heute droht zum Start der E-Mobilität ein Treppenwitz der Digitalisierung: Trotz der für Wallboxen geforderten Steuerbarkeit könnten aktuell geförderte Wallboxen wegen Verzögerungen in der Gesetzgebung faktisch „unsteuerbar“ in zigtausenden Haushalten verbaut werden. Die ausgelobten 400 Mio. Euro Förderung für steuerbare Wallboxen als wichtiger Meilenstein zur E-Mobilität und zu deren Digitalisierung drohen somit ihre Ziele zu verfehlen. (sg)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper