Der Ratgeber „Stadtwerke digital“ gibt konkrete Handlungsempfehlungen für zentrale Herausforderungen, mit denen Stadtwerke heute konfrontiert sind. Es handelt sich dabei um eine Initiative von Enet, Epilot, Intense, Encore, Taktsoft Energy. Herausgeber ist Taktsoft Energy. Bei dessen Geschäftsführer Nils Brettschneider hat die ZfK nachgefragt, was es mit dem Ratgeber auf sich hat.
Herr Brettschneider, Taktsoft hat einen Ratgeber namens „Stadtwerke Digital“ herausgegeben, mit was befasst sich das Papier?
Der Ratgeber bietet Inspiration und Anregungen für aktuelle Herausforderungen, die die Digitalisierung für Stadtwerke in Deutschland mit sich bringt. Das Papier enthält praxisnahe Handlungsempfehlungen, die Stadtwerken helfen können, proaktiv auf Veränderungen zu reagieren. Wichtige Themen umfassen neue Geschäftsfelder wie Energy-Sharing-Plattformen, Trends zur Optimierung durch Cloud-Lösungen und akute Themen, wie die Implementierung dynamischer Stromtarife. Zusätzlich zeigen wir Tipps zum Umgang mit Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz und Integration-as-a-Service.
Wie ist Ihr Eindruck von der Digitalisierung bei Stadtwerken, was läuft hier gut, was weniger?
Mein Eindruck von der Digitalisierung in Stadtwerken ist ambivalent. Einerseits gibt es Fortschritte in Bereichen wie der Einführung neuer Dienstleistungen und der Nutzung von Technologien zur Prozessoptimierung. Viele Stadtwerke haben innovative Projekte initiiert, die auch neue Einnahmemodelle schaffen und die Kundenbindung stärken. Andererseits gibt es Herausforderungen, insbesondere bei der Integration neuer Technologien in bestehende IT-Infrastrukturen und der Anpassung an die allgemeine sehr schnelle technologische Entwicklung. Ein großes Problem sind ständig wechselnde regulatorische Anforderungen die dann zu Engpässen bei innovativen Projekten und der Einführung neuer Plattformen führen und deren Einsatz ständig nach hinten schieben. Da braucht es manchmal mehr Mut.
Welche digitalen Lösungen sind für Stadtwerke geeignet? Was sind die größten Hindernisse bei der Implementierung?
Stadtwerke brauchen Lösungen, die sich in ihre Systemlandschaft integrieren lassen. Standardlösungen anderer Branchen können nicht einfach übertragen werden. Hier helfen branchenspezifische Lösungen und eigene Standards wie zum Beispiel BO4E. Die größten Hindernisse bei der Implementierung sind der Mangel an Fachkräften, die oft grundlegenden Hürden der Integration neuer Technologien in bestehende Systeme und die Einhaltung regulatorischer Anforderungen. Oftmals besteht auch die Herausforderung darin, die Unternehmenskultur zu einem kundenzentrierten Mindset zu ändern, das die Grundlage erfolgreicher Digitalprodukte ist.
An wen richtet sich Ihr Ratgeber?
Unser Ratgeber richtet sich in erster Linie an Entscheidungsträger und Führungskräfte in Stadtwerken, die die Digitalisierungsstrategie ihres Unternehmens gestalten oder optimieren möchten. Darüber hinaus wenden wir uns an Mitarbeiter in technischen Positionen und Stabsstellen, die aktiv zur digitalen Transformation beitragen. Auch für externe Partner und Berater, die mit Stadtwerken zusammenarbeiten, bietet der Ratgeber wertvolle Einblicke und Anregungen. Der Ratgeber ist Teil einer größeren Initiative namens EVU.digital. Diese umfasst verschiedene, nützliche Assets, welche Energieversorger bei Digitalprojekten unterstützen. Der Ratgeber hat innerhalb von EVU.digital das Ziel, sowohl grundlegende Denkanstöße als auch konkrete Umsetzungshilfen für die digitale Zukunft der Stadtwerke zu zeigen.
Das Interview führte Stephanie Gust



