Während Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier für eine Reform des Abgaben-, Entgelt und Umlagensystems keine Notwendigkeit sieht, forderten dies am Dienstag in Berlin Vertreter der Sinteg-Projekte. Die fünf „Schaufenster Energie“ werden vom Wirtschaftsministerium gefördert und starteten im Juni vergangenen Jahres mit dem Anspruch „Reallabore für die digitale Energiewende“ zu sein. Die Projektleiter verwiesen bei der zweiten Sinteg-Jahreskonferenz auf entsprechende Hemmnisse. Dies gelte auch für fehlende „Anreize für intelligente Netzausrüstung“, so Lothar Ahle von Westnetz, der das Projekt Designnetz koordiniert.
„Die Erstattung wirtschaftlicher Nachteile aufgrund der Projekttätigkeit entsprechend Paragraf 1 der Sinteg-Verordnung ist wenig attraktiv für vorwärts gerichtete Marktteilnehmer“, sagte Albrecht Reuter von Fichtner IT Consulting, der das Projekt C/Sells in Süddeutschland leitet. Unter anderem wurden in dem Projekt bisher drei unterschiedliche Marktplattformen aufgebaut. Als „Maßnahmen zur Massenfähigkeit“ sieht er die Schaffung von „wirksamen Flexibilitätsanreizen“ und die Einrichtung von „regulatorischen Innovationszonen“ als entscheidend an. Zudem müsse es auch darum gehen, „den Kaskadenprozess weiterzuentwickeln“, unterstrich Reuter. Als technische Voraussetzung für die Erneuerbaren-Wirtschaft sieht er eine Abstimmungskaskade. Der Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW und Netz BW seien dabei, entsprechend zu kooperieren. Tennet arbeite hierzu mit den Stadtwerken München sowie den Städtischen Werken Kassel zusammen.
Kooperation entscheidend
Handlungsbedarf sieht Werner Beba von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg auch bei der verstärkten Bürgeraufklärung über Fragen der Energiewende sowie der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften. Beba koordinert das Sinteg-Projekt NEW 4.0. Die Verzögerung bei Einführung intelligenter Messsysteme beklagte Ulf Brommelmeier von der EWE, der das Projekt Enera koordiniert. Als Herausforderung sieht er es auch an, die Netzführung künftig stärker zu automatisieren und die Mitarbeiter entsprechend zu schulen. „Doch der Schlüssel für den Erfolg der Digitalisierung der Energiewende ist die Kooperation“, unterstrich er. Hierbei gehe es darum, mit Menschen und Unternehmen zu kooperieren und gleichzeitig in der Lage zu sein, mit Daten umzugehen und die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen.
„Wir haben viel mehr Flexibilitäten gefunden, als wir dachten“, sagte Markus Graebig vom Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, der das Projekt Wind Node koordiniert. So habe man allein bei den Berliner Standorten von Siemens ein Flexibilitätspotenzial von 20 MW erfasst. Ähnliches gelte für die Gasag-Tochter, Gasag Solution Plus und für kooperierende Supermärkte wie Lidl und Kaufland. Als wichtige Herausforderung sieht er allerdings „die Flexibilitäten zu aktivieren und deren wirtschaftliches Potenzial zu aktivieren“. (hcn)



