Smart-Metering-Anbieter hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Smart-Metering-Anbieter hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Bild: © Discovergy

Angedeutet hat es sich seit mehreren Monaten, jetzt ist es offiziell: Smart-Metering-Anbieter Discovergy geht in die Insolvenz. Die Geschäftsführung habe samt ihrer Tochter Discovergy Service einen Antrag auf Eröffnung eines Eigenverwaltungsverfahrens gestellt, heißt es in einer Mitteilung, die der ZfK vorliegt.

Das Management werde zusammen mit den Sanierungsexperten Franz Abel und Matthias Bayer von der Kanzlei Abel und Kollegen Restrukturierungsmaßnahmen umsetzen, schreibt das Aachener Unternehmen. Hierbei würden Mitarbeiter, Kunden, Gläubiger und Gesellschafter umfassend einbezogen.

2009 in Aachen gegründet

Discovergy wurde 2009 in Aachen gegründet und machte sich als Anbieter intelligenter Messlösungen einen Namen. Das Leistungsangebot umfasst den Betrieb intelligenter Messsysteme, sogenannter Smart Meters, zur Verbrauchserfassung und die Visualisierung von Energieverbräuchen in Webportalen und Apps.

Zu den Kunden des Unternehmens zählen nach eigenen Angaben neben Endanwendern auch Energieversorger, Netzbetreiber und die Immobilienwirtschaft. Große Beachtung fand unter anderem die Kooperation mit dem österreichischen Start-up Awattar, das dynamische Tarife anbietet. (Die ZfK berichtete.)

Steigende Verluste

Anders als vier Mitbewerbern gelang es Discovergy bislang nicht, vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ein Zertifikat für seinen Smart-Meter-Gateway zu erhalten. Das Produkt befindet sich laut BSI-Website weiter in der Evaluierung.

Gerüchte über eine mögliche wirtschaftliche Schieflage bei Discovergy hatte es schon länger gegeben. So hatte das Unternehmen allein im Geschäftsjahr 2019 einen Fehlbetrag von 5,9 Mio. Euro ausgewiesen – nach einem Defizit von 3,1 Mio. Euro im Vorjahr. Im entsprechenden Geschäftsbericht wies der Abschlussprüfer darauf hin, dass er lediglich ein eingeschränktes Prüfungsurteil vornehmen hätte können.

Wert von Smart-Meter-Gateway unklar

So habe Discovergy für selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände in Höhe von 2 Mio. Euro im Zusammenhang mit Entwicklungskosten für das selbst entwickelte Smart-Meter-Gateway bilanziert. Deren Werthaltigkeit hänge jedoch maßgeblich von einer erfolgreichen Zertifizierung des Gateways durch das BSI ab, hieß es weiter. "Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass der Jahresabschluss insoweit fehlerhaft ist."

Jüngere Geschäftsberichte lagen bei Redaktionsschluss nicht vor. Nachfragen zu Zahlen und Einschätzungen zu den Jahren 2020 und 2021 ließ das Unternehmen unbeantwortet.

"Management-Fehler der vergangenen Jahre"

In der Pressemitteilung nennen die aktuellen Geschäftsführer David Zimmer und Achim Bolanz nur indirekt Gründe für die Insolvenz. Sie seien vom Wachstumspotential des Smart Metering weiterhin "zutiefst überzeugt", heißt es dort. "Mit dem nun eingeleiteten Eigenverantwortungsverfahren sehen sie die Chance, Management-Fehler der vergangenen Jahre zu korrigieren und das Unternehmen neu und erfolgreich aufzustellen."

Das Geschäftsmodell sei im Wesentlichen nachhaltig, sei in der Vergangenheit aber nicht durchfinanziert gewesen, da die Zähler, die installiert worden seien, aufgrund hoher Anfangsaufwendungen und oft fehlender Weitergabe von Einmalkosten, zumindest zu Beginn ihrer Laufzeit von durchschnittlich sechs bis acht Jahren nicht kostendeckend gewesen seien, heißt es an anderer Stelle.

15 Mio. noch im November

Zuvor hatte eine Reihe von Führungskräften das Unternehmen verlassen. Darunter befanden sich die früheren Geschäftsführer Ralf Esser und Bernhard Seidl, aber auch beispielsweise Joachim Lang, der bis Ende 2020 Chef des Vertriebs- und Marketingbereichs war und in der Folge mit zwei Partnern ein eigenes Unternehmen namens Mako 365 gründete. Anfang Februar ging schließlich auch Nikolaus Starzacher, der zusammen mit Esser Discovergy gegründet und das Unternehmen bis dahin geleitet hatte.

Noch im November hatte Discovergy eine Finanzierungsrunde in Höhe von 15 Mio. Euro abgeschlossen. Hauptkapitalgeber war die Berliner Comgy, ein Spezialist für digitale Messdienstleistungen für die Immobilienwirtschaft.

In diesem Zusammenhang waren auch die Investoren Zimmer und Bolanz bei Discovergy eingestiegen. Beide wurden zudem neben Starzacher als Geschäftsführer bestellt. Mit der Übernahme der neuen Funktion hätten beide erkannt, dass die Sanierung des Unternehmens nur auf dem nun gewählten Weg möglich sei, heißt es nun.

"Löhne bis August 2022 gesichert"

Wie es langfristig mit den laut Firmenwebsite mehr als 170 Discovergy-Mitarbeitern an den Standorten Aachen, Stolberg, Heidelberg und Berlin weitergeht, geht aus der Presseaussendung nicht hervor. Dort heißt es lediglich: "Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind zunächst über das Insolvenzgeld bis Ende August 2022 gesichert." (aba)

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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