Andrew Mack ist CEO von Octopus Energy Germany. Der gebürtige Brite gründete 2016 ein Energie-Startup, das seit 2019 Teil des globalen EnertTech-Players Octopus Energy ist. Als Energieexperte setzt er sich für eine klima- und verbraucherfreundliche Energiepolitik ein. Zudem ist er begeisterter Tesla-Fahrer der ersten Stunde.

Andrew Mack ist CEO von Octopus Energy Germany. Der gebürtige Brite gründete 2016 ein Energie-Startup, das seit 2019 Teil des globalen EnertTech-Players Octopus Energy ist. Als Energieexperte setzt er sich für eine klima- und verbraucherfreundliche Energiepolitik ein. Zudem ist er begeisterter Tesla-Fahrer der ersten Stunde.

Bild: © Octopus Energy Germany

Von: Andrew Mac, CEO von Octopus Energy Germany

Smart Meter, also intelligente Stromzähler, sind ein grundlegender Baustein der Energiewende. In einem auf erneuerbaren Strom basierenden Energiesystem sind sie Voraussetzung, um den flexiblen Verbrauch von Wärmepumpen und Elektroautos an die volatile Stromerzeugung aus Sonne und Wind anzugleichen.

Beim Einbau der im Behördendeutsch intelligente Messsysteme genannten Geräte ist Deutschland bislang das Schlusslicht Europas: Obwohl die Diskussion seit mehr als 15 Jahren andauert und bis 2032 15 Mio. Smart Meter verbaut sein müssen, waren Mitte 2022 Schätzungen zufolge nur rund 300.000 Geräte installiert – was einer Quote von weniger als einem Prozent aller Haushalte entspricht.

Vielversprechende Ansätze

Mit dem Entwurf eines Gesetzes zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende (GNDEW) hat die Bundesregierung jetzt vielversprechende Ansätze vorgelegt, wie der Smart Meter Rollout beschleunigt und bestehende Hürden abgebaut werden können. So sollen z.B. erstmals verbindliche Einbauziele für die Messstellenbetreiber im Gesetz verankert und die Kosten auf Kundenseite abgesenkt werden. Zudem sollen Verbraucher und Anlagenbetreiber den Einbau eines Smart Meters innerhalb von vier Monaten verlangen können und die Einführung zeitvariabler Stromtarife beschleunigt werden. Auch beim Abbau von Bürokratie und Behördenwirrwarr gibt es Fortschritte: Die umstrittene BSI-Markterklärung, die bisher für den Rollout notwendig war, soll abgeschafft und alle Kompetenzen für den Rollout im BMWK gebündelt werden.

Der Gesetzentwurf legt den Grundstein für eine digitale Infrastruktur, die 100 Prozent erneuerbare Energien ermöglicht und Verbraucherinnen und Verbraucher zu einem aktiven Teil der Energiewende macht. Dies kommt einem Paradigmenwechsel gleich: Während im bisherigen Modell erfolglos versucht wurde, die Kosten des Smart Meter Rollouts auf die Endkunden abzuwälzen, werden jetzt endlich auch die Netzbetreiber in die Pflicht genommen und die Kosten für Endkunden begrenzt. Damit wird eine der großen Hürden des Smart Meter-Rollouts – die mangelnde Wirtschaftlichkeit für Endverbraucher – beseitigt.

Deutschland kann von Europa lernen

Mit einem Neustart des Smart Meter Rollouts kann Deutschland nun endlich das umsetzen, was in vielen europäischen Ländern bereits Realität ist. Zeitvariable Stromtarife, die dann günstig sind, wenn gerade viel Wind weht oder die Sonne scheint. Verbraucher erhalten darüber ökonomische Anreize, ein Elektroauto genau dann aufzuladen oder eine Wärmepumpe genau dann einzuschalten, wenn dies auch das Stromnetz entlastet - oder im Umkehrschluss Strom zu sparen, wenn es teuer ist.

Mit dem flächendeckenden Einsatz von zeitvariablen Tarifen wird das Energiesystem dabei nicht nur grüner, stabiler und flexibler, sondern Strom auch billiger für alle. Eine direkte Steuerung von flexiblen Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen über das Smart Meter – wie in Deutschland durch den Netzbetreiber vorgesehen – ist gar nicht zwingend notwendig und sollte nicht länger  Voraussetzung für den Einbau seinn. Die zeitvariablen Tarife von Octopus Energy in Großbritannien und unsere sogenannten „Saving Sessions“ zeigen, dass finanzielle Anreize Kunden bereits dazu anregen, in Zeiten mit hoher Stromnachfrage ihren Verbrauch zu reduzieren und diesen in Zeiten mit geringer Nachfrage zu verschieben. Daher ist es richtig, dass laut GNDEW-Entwurf ab 2025 alle Energieversorger variable Stromtarife anbieten müssen.

Um neue Lösungen wie  variable Tarife intelligent abbilden zu können, haben wir unsere Energiemanagement-Plattform Kraken entwickelt. Basierend auf ausgefeilten Machine-Learning-Fähigkeiten kann Kraken Prozesse effizienter machen erlaubt eine weitgehende Automatisierung von Abläufen und eine nie dagewesene Flexibilität für Kundinnen und Kunden. Kraken wird bereits heute für das Management von 25 Millionen Energiekunden verwendet, unter anderem von E.ON und EDF in Großbritannien.

Bundestag muss nachbessern

Auch wenn der GNDEW-Entwurf vielversprechende Ansätze zeigt, bleibt an einigen Stellen Nachbesserungsbedarf. Zwar sind die Zwischenziele mit einer geplanten Rolloutquote von 20 Prozent bis 2025 und 50 Prozent bis 2028 ein guter Einstieg, allerdings ist bisher keine monats- oder quartalsweise Veröffentlichung der Einbauzahlen durch die Messstellen- und Netzbetreiber vorgeschrieben. So bleibt das ganze wenig nachvollziehbar.

Richtig ist, dass  die Kosten auf Kundenseite auf 20 bzw. 50 Euro/Jahr begrenzt werden und Kundinnen und Kunden den Einbau eines Smart Meters innerhalb von vier Monaten verlangen können. Hier liegt vielleicht das größte Potential für eine Beschleunigung des Rollouts, es dürfen den Kundinnen und Kunden deshalb jetzt keine zusätzlichen Kosten durch die Hintertür aufgebürdet werden.

Verpflichtender Einbau bei neuen Solaranlagen, Wärmepumpen und Wallboxen

Zudem sollte der Gesetzgeber einen Einbau von Smart Metern bei der Inbetriebnahme von neuen Solaranlagen, Wärmepumpen und Wallboxen verpflichtend vorschreiben. Außerdem ist die Zertifizierung der Smart Meter nach wie vor zu kompliziert. Die Einrichtung zusätzlicher Zertifizierungsstellen oder eine Selbstzertifizierung durch die Hersteller würde die Geräte hingegen schneller und kostengünstiger auf den Markt bringen.

Leider hat die Bundesregierung es bisher versäumt, Vorgaben hinsichtlich eines bundesweit einheitlichen Antragsverfahrens für Smart Meter zu schaffen - anbieten würde sich eine Lösunge über die ohnehin vorgesehene Netzbetreiber-Internetplattform nach § 14e EnWG Auch hier sollte der Bundestag zügig nachbessern, um es Endkundinnen und Endkunden  so einfach wie möglich zu machen, sich für den Einbau eines Smart Meters zu entscheiden.

Auf keinen Fall dürfen die ab Ende März anstehenden parlamentarischen Beratungen dafür genutzt werden, die positiven Ansätze des Gesetzentwurfs wieder rückgängig zu machen. Wenn wir die Energiewende konsequent vorantreiben wollen, brauchen wir die digitale Energieinfrastruktur mit dem Smart Meter Gateway als zentralem Bestandteil.

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