Der Aufbau einer flächendeckenden Kommunikationsinfrastruktur für das Messen und die Steuerung der Netze ermöglicht den Messstellenbetreibern eine Vielzahl von Zusatzdienstleistungen.

Der Aufbau einer flächendeckenden Kommunikationsinfrastruktur für das Messen und die Steuerung der Netze ermöglicht den Messstellenbetreibern eine Vielzahl von Zusatzdienstleistungen.

Bild: © Sergey Nivens/AdobeStock

Mit den jüngsten Energierechtsnovellen hat die Gesetzgeberin die Weichen für eine netzdienliche Steuerung gestellt. Die Regelungen in Messstellenbetriebsgesetz (MsbG), Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) und Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geben vor allem Verteilnetzbetreibern und Messstellenbetreibern Hausaufgaben mit: Sie müssen nun Anlagen nach § 14a EnWG und § 9 EEG mit verbindlichen Rollout-Quoten netzdienlich steuern und in ihre Prozesse integrieren.

In der Praxis zeigt sich allerdings: Der Weg in den Massenrollout ist steinig. IT-Integration, fehlende Standards und enge Zeitpläne stellen die Branche vor erhebliche Herausforderungen. Gleichzeitig wächst der Druck: Ab 2026 greifen ambitionierte Quoten und Prüfpflichten.

Massenrollout noch in weiter Ferne

Die "Smartifizierung" der Niederspannung bedeutet einen tiefen Eingriff in die heutigen Betriebs- und IT-Prozesse der Branche. Verteilnetzbetreiber müssen Transparenz im Niederspannungsnetz herstellen, Prozesse der Netzbetriebsführung anpassen und Steuerbefehle zuverlässig orchestrieren.

Messstellenbetreiber müssen mit den Steuereinheiten eine neue Infrastruktur ausrollen und über ein CLS-Management-System administrieren sowie mit den Backend- und ERP-Systemen verheiraten.

Einige Messstellenbetreiber und Verteilnetzbetreiber sind bereits in der Feldphase und haben erste Steuereinheiten in der Wirkumgebung. So konnten erste Versorger bereits einen Ende-zu-Ende-Steuerbefehl erfolgreich umsetzen – vom Netzbetreiber über intelligentes Messsystem mit Steuereinheit. Die Technik funktioniert also grundsätzlich, Interoperabilität ist möglich.

Aber: Noch handelt es sich um einzelne Projekte mit wenig Automatisierung und zahlreichen manuellen Kniffen und Übergangslösungen. Für die notwendige Skalierung auf zig-tausende Anlagen fehlen standardisierte Prozesse, automatisierte ERP-System-Integrationen und eine robuste IT-Landschaft sowie viel mehr einzubindende Daten über das Niederspannungsnetz in den Systemen der Netzbetreiber.

Warum der Steuerungsrollout Zeit benötigt

Der Steuerungsrollout ist ein Marathon – allerdings einer, der aus vielen aufeinanderfolgenden Sprint-Etappen besteht. Während der Netzbetrieb gesichert bleiben muss, sollen gleichzeitig neue IT-Architekturen, Geräte und Marktprozesse eingeführt werden.

Enge Fristen, noch nicht flächendeckend verfügbare Geräte, fehlende Standards und Datenmodelle, knappe Personalressourcen bei Energieversorgern und IT-Zulieferern sowie die komplexe Abbildung in der IT-Architektur führen zu einem Sprint-und-Marathon-Problem: Kurzfristiger Druck trifft auf langfristige Aufgaben.

Ein erster Querschnitt aus der "Technischen Studie 2.0" der Horizonte-Group zeigt: Zwei Drittel der bereits befragten Expertinnen und Experten (rund 30 Unternehmen) halten einen massentauglichen Rollout bis 2026 für unrealistisch. Der Grund: Die Branche braucht Ausdauer – und muss gleichzeitig Sprint-Etappen absolvieren, in denen zusätzliche Hürden wie Formatwechsel der Marktkommunikation zu meistern sind.

Stufenmodell für den Steuerungsrollout

Als Lösung schlägt die Horizonte-Group ein Stufenmodell zum Steuerungsrollout vor. Dieses Modell wurde bereits beim Smart-Meter-Rollout vor einigen Jahren eingesetzt.

So lasse sich der Kraftakt in handhabbare Etappen zerlegen: Es müssen über Piloten und Feldtests erste Erfahrungen für einfache Anwendungsfälle gesammelt werden, bevor weitere Funktionen und Aufgaben skaliert werden können. Wenn die ersten Prozesse Stabilität erlangt haben, kann der Hochlauf von Massenprozessen für Neuanlagen beginnen. In einem weiteren Schritt können dann die Bestandsanlagen steuerbar gemacht werden.

Ein solches Stufenmodell würde aus Sicht der Horizonte-Group helfen, Transparenz zu schaffen, Prioritäten zu setzen und Investitionsplanung zu erleichtern, während Standardisierung gefördert und Insellösungen vermieden werden.

Beitrag der Technischen Studie 2.0

Vor diesem Hintergrund beleuchtet das Beratungsunternehmen in seiner "Technischen Studie 2.0 – Smart Grid Deutschland" den Steuerungsrollout entlang von acht Handlungsfeldern – von ERP-Systemen über Steuerbox-Administration bis zur WAN-Kommunikation und Anbindung von Anlagen und Energiemanagement-Systemen (EMS).

Neben einer Bestandsaufnahme werden in der Studie für Energieversorger konkrete Handlungsschritte zur Umsetzung herausgearbeitet, wie beispielsweise Leitplanken für die Einführung neuer Systemlandschaften und Betriebsmodelle.

"Damit wollen wir die Brücke schlagen zwischen regulatorischem Rahmen und praktischer Umsetzung – und Orientierung für den Übergang vom Pilotbetrieb in den Massenrollout geben", sagt Projektleiter Frank Hirschi von der Horizonte-Group.

Die Veröffentlichung der Studie soll im November 2025 in Berlin folgen. Bis dahin lädt das Beratungshaus alle Marktpartner ein, ihre Erfahrungen einzubringen – damit Sprints und Ausdauerlauf gelingen. (sg)

Zur Studie

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