Smart City / Energy

Studie: Fünf wesentliche Herausforderungen des Smart-Meter-Rollouts

Sorge um das Scheitern der Energiewende äußerte die Horizonte-Group anlässlich der Präsenation ihrer Studie zu den Herausforderungen des Messstellenbetriebs.
12.06.2024

"Die gMSB stehen nach Veröffentlichung des Gesetzes zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende, GNDEW, vor fünf zentralen Herausforderungen," präzisiert Tobias Linnenberg, Manager bei der Horizonte-Group und Leiter der Studie.

„Die komplexe und unübersichtliche Gesetzgebung war für uns ein Auslöser, um die `Technische Studie Metering gMSB` zu erstellen“, berichtet Jochen Buchloh, Senior Partner der Horizonte-Group.

Ziel der Studie sei es, das Anforderungsprofil für Messstellenbetreiber ganzheitlich zu skizzieren und auf dieser Basis im Dialog mit den Beteiligten zu neuen Lösungen und Handlungsstrategien zu kommen.
 

Hintergrund

Basis der Studie sind zum einen die Beratungserfahrungen der Horizonte-Group – das Unternehmen begleitete in den letzten Jahren eine größere Zahl von gMSB beim Start in den Smart Meter Rollout.

Zum anderen führten die Horizonte-Berater in der Zeit von Dezember 2023 bis März 2024 eine Vielzahl von Experteninterviews durch und brachten überdies ihren unabhängigen Blick auf das Marktgeschehen in die Studie mit ein.

Ergebnisse

In einer Abschlussveranstaltung in Berlin wurden jetzt die Ergebnisse vor Fachpublikum präsentiert und diskutiert. „Die gMSB stehen nach Veröffentlichung des Gesetzes zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende, GNDEW, vor fünf zentralen Herausforderungen,“ präzisiert Tobias Linnenberg, Manager bei der Horizonte-Group und Leiter der Studie. „Diese sind vor allem durch die wachsende Komplexität aufgrund der Überregulierung kritisch."

Und weiter: „Wir haben die Sorge, dass die Energiewende scheitern kann, wenn diese Herausforderungen des Messstellenbetriebs nicht bald gelöst werden.“

Zustimmung gibt es von Malte Sunderkötter, Geschäftsführer von Eon Grid Solutions: „Die Studie bestätigt ganz deutlich die Erfahrungen, die wir als Eon beim Smart Meter Rollout machen: Die extrem komplizierten Anforderungen an die zugelassene Technik sowie die überzogenen regulatorischen Vorgaben für die Messstellenbetreiber bremsen den Rollout aus. Wir brauchen dringend einen radikalen Bürokratieabbau, damit Smart Meter bald flächendeckend in Deutschland ihren so wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten können.“

Als wesentliche Herausforderungen identifiziert die Horizonte-Studie folgende Aspekte:

Gesetzgebung und Regulierung: Die hohe Änderungsgeschwindigkeit von Gesetzen und Vorschriften belastet die Branche und erschwert eine ressourceneffiziente Planung und Umsetzung. Die Komplexität und Vielfalt der gesetzlichen Anforderungen führen zu unterschiedlichen Interpretationen und verzögern notwendige Investitionen.

Ressourcenverfügbarkeit: Der Mangel an qualifiziertem Personal und Material beeinträchtigt die Umsetzung von Rollout-Projekten. Insbesondere bei der Montage und der operativen Prozessumsetzung im Back-Office bestehen erhebliche Engpässe. Lieferkettenstörungen und Materialknappheit verschärfen die Situation zusätzlich.

Technische Rahmenbedingungen: Die Vielzahl an Technologien und Softwaresystemen erhöht den Pflege- und Betriebsaufwand. Fehlende Interoperabilität der Systeme und unzureichende Mobilfunk-Netzabdeckung behindern den Massenprozess des Smart-Meter-Rollouts. Technische Herausforderungen wie die Anbindung mehrerer Zähler an ein Smart Meter Gateway (SMGw) sind noch nicht vollständig gelöst.

Teilwettbewerblicher Markt: gMSB müssen alle Messstellen im Rahmen der Preisobergrenzen diskriminierungsfrei ausstatten, während wettbewerbliche Messstellenbetreiber (wMSB) selektiv agieren können. Dies führt zu unfairen Wettbewerbsbedingungen und verhindert einen sich frei entfaltenden Markt.

Komplexität: Die hohe Komplexität des Geschäftsmodells der gMSB erfordert umfangreiche Prozess- und Technikkenntnisse. Ab 2025 müssen gMSB auf Kundenwunsch intelligente Messsysteme installieren, was die Effizienz des Rollouts erheblich beeinträchtigen könnte. Der Umbau der IT- Landschaft aufgrund neuer gesetzlicher Anforderungen erhöht die technische Komplexität weiter.

Blick in die Zukunft: Lösungen sind möglich

Um in diesen Spannungsfeldern die Energiewende erfolgreich mitzugestalten, sei eine abgestimmte Zusammenarbeit aller Akteure sowie eine flexible Anpassung an die gesetzlichen und technischen Anforderungen notwendig.

„Nur durch gemeinsame Anstrengungen können die identifizierten Herausforderungen überwunden und der Smart-Meter-Rollout zügig und effizient umgesetzt werden“, fasst Jochen Buchloh zusammen. Die Horizonte-Group will dazu in Kürze Lösungsvorschläge für politische Entscheidungsträger und Marktteilnehmer präsentieren.