Laut einer Analyse der Verbrauchsdaten von 1600 Haushalten führt der Einbau eines Smart Meter bislang zu keinen nennenswerten Stromeinsparungen. Allerdings wurde bei allen installierten Zählern die Werte im sekündlichen Takt aufgenommen. Die Daten wurden über ein Gateway an den Messstellenbetreiber gesendet und für den persönlichen Zugriff
über ein Onlineportal aufbereitet.
Für die Haushalte war es möglich, den Verbrauch einzelner Geräte zu erkennen. Die Auswertung zeigt laut IÖW, dass sich bei circa einem Drittel der Haushalte der Verbrauch fast nicht ändert. Für die anderen Haushalte ergibt sich demnach eine nahezu gleichmäßige Verteilung zwischen den Mustern einer Stromeinsparung und eines Mehrverbrauchs.
Ungefähr 550 Haushalte konnten durchschnittliche Einsparungen erzielen – minus 22 Prozent im ersten und minus 11 Prozent im zweiten Datensatz. Etwa genauso viele Haushalte verzeichneten einen durchschnittlichen Mehrverbrauch von 20 bzw. 12 Prozent in den beiden Datensätzen.
Das Ergebnis:
Ein Smart Meter mit sekündlicher Erfassung einschließlich Geräteerkennung emittiert in einem Jahr ca.17 kg CO2eq. Zwei Drittel der Treibhausgasemissionen entstehen durch den Stromverbrauch bei der Datenerfassung. An zweiter Stelle steht mit rund 20 Prozent der Lebenszyklus der Messeinrichtung – also dessen Herstellung, Lebensdauer und Entsorgung. Das Smart Meter Gateway macht mit seinem Lebenszyklus nur drei Prozent der Emissionen aus.
In Summe sorgt die technische Ausstattung des Haushalts mit Smart Metern und deren Stromverbrauch für 90 Prozent der Emissionen. Weitere zwei Prozent entstehen durch die vorzeitige Entsorgung des ausgetauschten Ferraris-Zählers. Nur acht Prozent der Emissionen sind auf die Datenübertragung und insbesondere deren Verarbeitung im Rechenzentrum zurückzuführen. Ein relevanter Anteil ist außerdem mit dem Datentransfer verbunden, während Datenspeicherung, -backup und -nutzung im Haushalt nur geringe ökologische Wirkungen haben.
Weil diese ökologischen Wirkungen des Smart Meter nicht oder nur minimal vermieden werden können, kann die Ökobilanz nur durch eine effiziente Rollout-Strategie bzw. -Logistik und durch eine datensparsame Nutzung der Geräte verbessert werden. Damit der Smart Meter in der Bilanz neutral abschneidet, müsste er also Emissionen von mindestens 17 kg CO2eq/a einsparen. Bei einem angenommenen Emissionsfaktor von 0,437 kg CO2eq für eine Kilowattstunde Strom aus dem Netz, entspricht das circa 40 kWh pro Jahr. Diese Strommenge wird für ungefähr 40 Waschgänge in einer älteren Waschmaschine benötigt, rechnet das IÖW vor.
Smart Meter zentral für flexibleres Stromsystem
„Deutschland will möglichst rasch klimaneutral werden. Im Stromsektor heißt das vor allem: Mehr Solar- und Windenergie. Da diese Energiequellen wetterbedingt fluktuieren, muss das Stromsystem flexibler werden. Mit intelligenten Stromzählern können Verbraucher:innen etwa flexible Tarife angeboten werden, in deren Preisgestaltung sich die Höhe des Stromangebots niederschlägt“, erklärt IÖW-Energiewendeforscherin Astrid Aretz.
„Diese intelligente Strominfrastruktur ist für ein erneuerbares Stromsystem essenziell. Lange Zeit war mit dem Einbau von Smart Metern zudem die Hoffnung verbunden, dass Verbraucher:innen Strom sparen, indem ihnen ihr Verbrauch sichtbar gemacht wird und sie so Einsparpotenziale erkennen. Unsere empirischen Untersuchungen zeigen: Diese Hoffnung erfüllt sich bislang nicht.“
Viele Millionen Stromzähler sollen „smart“ werden
Der Rollout bringe logistischen und regulatorischen Aufwand mit sich und eine große Menge an Hardware- sowie Softwarekomponenten. Allein der Pflichteinbau nach dem aktuellen Gesetz beläuft sich auf sieben Millionen Messstellen, also mindestens genauso viele Smart Meter mit den dazugehörigen Gateways, den Übertragungseinheiten. Ein flächendeckender Ausbau beträfe über 40 Millionen Haushalte. Ihr Lebenszyklus, Stromverbrauch und Datenaufwand sowie der Austausch bisheriger Stromzähler haben relevante ökologische Folgen.
Datensparsamkeit beim Betrieb der intelligenten Zähler aus Umweltsicht zentral
„Datensparsamkeit ist zentral dafür, dass Umweltbelastungen, die durch Aufbau und Betrieb der Infrastruktur entstehen, möglichst gering sind“, so IÖW-Forscherin Clara Lenk. Auch ist es wichtig, den Rollout so zu konzipieren, dass Smart Meter flächendeckend eingebaut werden. Nur so wird es möglich, maximale Einsparungen zu erzielen und den immensen logistischen Aufwand des Rollouts effizient zu steuern. „Der flächendeckende Ausbau hätte deutliche Effizienzvorteile: So würde ein großer logistischer Aufwand entfallen, wenn der Umbau nicht punktuell, sondern straßenweise erfolgen würde“, ergänzt Astrid Aretz.
Die Autorinnen raten daher dazu, die Frequenz der Datenerhebung so festzulegen, dass so wenige Daten wie nötig erhoben werden. So könnten die Daten im Normalfall etwa wöchentlich und nur bei Bedarf, wie bei einem flexiblen Tarif, viertelstündlich ausgelesen und versendet werden. Eine höhere Frequenz sollte keinesfalls als „Default“ gewählt werden, sondern nur dann, wenn dies aus technischer Sicht erforderlich ist. Rechenintensive Dienstleistungen, die auf einer hochaufgelösten Datenerhebung basieren, sollten nur auf expliziten Wunsch der Verbraucher:innen und zeitlich befristet angeboten werden können.
Kosten eines Smart Meter für Haushalte nicht durch Stromeinsparung kompensierbar
Da die Kosten, die auf die Haushalte für einen Smart Meter zukommen, in der Regel nicht durch die Stromeinsparung kompensiert werden, die Verbreitung des Smart Meter aber eine notwendige Infrastruktur für die Energiewende ist, sollte diese Belastung nicht komplett den Verbraucher:innen übertragen werden, so das IÖW in seiner Untersuchung. Zumindest ein Teil der Kosten sollte aus öffentlicher Hand durch Steuermittel bezuschusst werden, empfehlen die Forscherinnen. (sg)



