Klaus Kreutzer ist geschäftsführender Gesellschafter des auf Energiethemen spezialisierten Beratungsunternehmens Kreutzer Consulting.

Klaus Kreutzer ist geschäftsführender Gesellschafter des auf Energiethemen spezialisierten Beratungsunternehmens Kreutzer Consulting.

Bild: © Kreutzer Consulting

Dynamische Tarife werden 2026 vielfältiger, aber nicht radikaler. Nach Einschätzung von Klaus Kreutzer, Geschäftsführer von Kreutzer Consulting, wächst vor allem die Zahl der Varianten, mit denen Energieversorger Preisrisiken für Kundinnen und Kunden abfedern. "Im Bereich dynamischer Tarife wird es vermutlich mehr Variantenvielfalt geben, um Kunden die Risiken teilweise oder komplett abzunehmen", so Kreutzer. Besonders interessant seien Festpreistarife mit pauschaler Bonifizierung, wenn Haushalte dem Versorger erlauben, vorhandene Anlagen zu steuern. Solche Modelle seien für Kunden gut nachvollziehbar und böten verlässliche Vorteile.

Komplexe Tarifkonstruktionen sieht Kreutzer dagegen kritisch. "Hybridmodelle mit Preis-Caps oder komplexeren Vertragsbedingungen werden hingegen eher eine Nische bleiben, weil die Kunden diese nur schwer nachvollziehen können", sagt er.

Dynamische Tarife bleiben ein Prosumer-Thema

Der Hochlauf dynamischer Tarife wird aus Sicht von Kreutzer vor allem aus dem Prosumer- und Flexumer-Segment kommen. Haushalte mit Wärmepumpe, Elektroauto oder Batteriespeicher hätten die größten Potenziale, ihren Stromverbrauch zeitlich zu verlagern und von Preisschwankungen zu profitieren. "Entsprechend wird das Segment der Prosumer und Flexumer das stärkste Wachstum zeigen", so Kreutzer.

Zusätzliche Impulse könnten Angebote neuer, digital ausgerichteter Energieversorger bringen, die den Smart Meter kostenlos bereitstellen und dynamische Tarife mit Apps und transparenten Konditionen kombinieren. Bei Gewerbekunden hängt die Attraktivität dynamischer Tarife dagegen stark vom Lastgang ab. Wer tagsüber viel Strom verbraucht, könne profitieren. Unternehmen mit wenig Flexibilität blieben eher beim Festpreis.

Bündelprodukte sichern die Kundenschnittstelle

Für Stadtwerke wird 2026 vor allem eine Kundengruppe strategisch entscheidend: Einfamilienhausbesitzer mit wachsendem Strombedarf. Wärmepumpen, E-Autos und PV-Anlagen mit Speicher verändern die Verbrauchsstrukturen spürbar. "Für Stadtwerke geht es darum, diese Kundengruppe am Abwandern zu anderen Anbietern zu hindern", sagt Kreutzer.

Der Schlüssel liege weniger im reinen Anlagenverkauf als in der dauerhaften Besetzung der Kundenschnittstelle. "Im Fokus muss dabei aber nicht zwangsläufig die Wertschöpfung aus dem Anlagenverkauf oder der Installationsleistung stehen, sondern vielmehr die dauerhafte Besetzung der Kundenschnittstelle", so Kreutzer. Attraktive Produktbündel sollten deshalb neben der Hardware auch ein Energiemanagement-System, einen dynamischen Tarif sowie ergänzende Services enthalten.

Wachstum jenseits des Commodity-Geschäfts

Im klassischen Commodity-Markt erwartet Kreutzer weiterhin hohen Wettbewerbsdruck und starke Wechselbewegungen. Wachstum entstehe hier vor allem durch Kunden mit E-Auto oder Wärmepumpe. "Grundsätzlich ist aber der Commodity-Markt eher ein Umverteilungsmarkt", sagt er. Entsprechend gewinne Kundenbindung gegenüber reiner Neukundenakquise an Bedeutung.

Stärkeres Wachstum sieht Kreutzer im Service-Bereich, der durch Sektorenkopplung an Bedeutung gewinnt. Plattformmodelle werden ebenfalls wichtiger, da kaum ein Stadtwerk alle Leistungen selbst erbringen könne. White-Label-Angebote von Dienstleistern ermöglichten es, Leistungen anzubieten, ohne eigene Ressourcen zu überdehnen. Entscheidend sei die Auswahl geeigneter Partner für langfristige Kooperationen.

IT und Organisation als Bremsklotz oder Beschleuniger

Damit neue Produkte 2026 skalierbar werden, müssen Stadtwerke ihre Organisation und IT deutlich flexibler aufstellen. "Wenn jeder neue Tarif, jedes Update von Bestellstrecken oder jede neue Preiskalkulation ein Projekt darstellt, das Wochen oder Monate dauert, können Vertriebschancen nicht genutzt werden", sagt Kreutzer. ERP-Systeme seien dabei oft ein Engpass. Abhilfe könnten Plattformen schaffen, die ein flexibles IT-Ökosystem ermöglichen. Gleichzeitig plädiert Kreutzer für mehr Experimentierfreude – und dafür, Projekte konsequent zu beenden, wenn sich der erwartete Erfolg nicht einstellt.

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