Bild: © Stadtwerke Heidelberg

Wo es bisher klemmte

Der Rollout intelligenter Messsysteme schreitet voran. Doch über eine Fernablesung von Messwerten hinaus gibt es noch kaum einen Nutzen. Dies liegt an mehreren Faktoren, einer davon ist eine bisher fehlende regulatorische Grundlage für die Entwicklung von Hardware zur Umsetzung von Mehrwertdiensten. Diese regulatorisch Lücke wird mit der Technische Richtlinie (TR)-03109-5, die im Entwurf im März 2022 veröffentlicht wurde, geschlossen.

Vor dem Hintergrund der Operationalisierung dieser TR und aus der Erfahrung aus laufenden Beratungsprojekten im Bereich CLS-Management hat die Business- und IT-Beratung Q-Perior die Vorgaben genauer analysiert: „Der Entwurf der TR ist gut gemacht und schafft Sicherheit im unruhigen Smart-Meter-Markt“, ordnet Johannes Roth, Senior Consultant bei Q-Perior, die TR ein.
 

SE, SME und HKE – was steckt dahinter?

Die TR sei ein wesentlicher Baustein zur Etablierung eines CLS-Managements, auf den viele Akteure am Energiemarkt gewartet haben. Hersteller und Anwender begrüßen eine Definition von Mindestanforderungen, welche Komponenten mit welchen Eigenschaften und IT-Sicherheitsanforderungen im lokalen Netz des Smart-Meter-Gatways arbeiten dürfen.

Es gibt laut den beiden Experten drei definierte Produktklassen, die über die Home Area Network (HAN)- bzw. CLS-Schnittstelle am SMGW angebunden werden dürfen:

  1. Steuerungseinrichtungen (SE) zum Schalten, für beispielsweise: Batteriespeicher, Wärmepumpen, PV- und Windkraftanlagen – auch für Direktvermarkter. Dies ist auch in Verbindung mit dem Tarifanwendungsfall (TAF) 2 für zeitvariable Tarife relevant.  
  2. Submeter-Einheiten (SME), über die weitere Medien/Geräte ausgelesen werden, wie: Heizkostenverteiler, Wärme- und Wasserzähler, Rauchmelder oder andere Sensoren.
  3. Kommunikationseinrichtungen (HKE) zur Anbindung von Mehrwertdiensten, wie: Füllstandssensoren, E-Ladesäulen mit Belegungszustand oder Parksensoren.

Interoperabilität im Fokus

In der TR wird der Standard zur Anbindung von Controlable Local System (CLS)-Komponenten an ein Smart-Meter-Gateway (SMGW) über eine CLS-Schnittstelle definiert. Dies umfasst wesentliche funktionale Anforderungen zum sicheren Kanalaufbau des TLS-Proxy, zur Anbindung an das SMGW und zur Verwendung der Zertifikatsstrukur.

Die Interoperabilität zwischen den Komponenten steht dabei im Fokus. Mit der TR wird die Sicherheit geschaffen, dass die zu verbauende Hardware aus den Produktklassen auch BSI-seitig zugelassen ist.  Hersteller bieten bereits heute Hardware für diverse Anwendungsfälle an, die laut eigenen Angaben die Anforderungen der TR erfüllen.

Nachstehende Tabelle zeigt die Verknüpfung zwischen Standardisierungs-Roadmap von BSI und BMWi mit den drei spezifizierten Produktklassen.

Einsatzbereich

Beispielanwendung

Rollen / Akteure

Produktklassen

Smart Metering

Flexible Tarife, Mehrspartenmessung inkl. Submetering

MSB, LF

1, 2

Smart Grid

Einspeise-, Last- und Energiemanagement

MSB, VNB, ÜNB

1

Smart Mobility

Ladesäuleninfrastruktur

MSB, VNB, LF

1, 2

Smart Home/Smart Building

Gebäudeautomatisierung

MSB, LF

(1), (2), 3

Smart Services

eHealth

MSB, VNB, LF, ESA, (ÜNB)

(2), 3

"Eine der wesentlichen Erkenntnisse ist, dass neben dem VNB und MSB insbesondere der LF von Smart Metering bzw. Mehrwertdiensten profitieren kann", so die beiden Q-Perior-Fachleute.

Bewertung und Ausblick

Und weiter: "CLS-Management wird künftig die Schlüsselfunktion für die Umsetzung von Mehrwertdiensten im Zusammenspiel mit den drei erwähnten Produktklassen. Allerdings steckt die Umsetzung der regulatorischen Anforderungen und somit auch die Mehrheit der Projekte zur Etablierung eines CLS-Managements in den Kinderschuhen – ein Großteil der Akteure ist also noch nicht „ready“."

„Das Aufsetzen gezielter CLS-Management-Projekte hilft dabei die regulatorischen Pflichten zu erfüllen und schafft die Möglichkeit die Wirtschaftlichkeit im Smart Metering zu erhöhen“, führt Johannes Roth weiter aus. Für die Umsetzung sei unter anderem die Ertüchtigung der IT inkl. Integration des CLS-Managements in die Systemlandschaft, die Anpassung von Kernprozessen und eine intensive abteilungsübergreifende Zusammenarbeit entscheidend.

Das IT-Beratungsunternehmen unterstützt nach eigenen Angaben mehrere Akteure im Rahmen eines „Readyness Checks“ sowie bei der IT-seitigen und operativen Umsetzung des CLS-Managements. (sg)

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