Einen zentralen Bestandteil der Energiewende bildet die Digitalisierung der Energienetze. Smart Grid lautet das Ziel. Wesentlicher Faktor ist hier der Einsatz von intelligenten Messsystemen (iMSys). Diese sind nicht nur die Basis zum kontinuierlichen Erfassen und Versenden von Messwerten an Marktteilnehmer, sondern ermöglichen ebenso die technologische Basis für das sichere Steuern der Niederspannungsnetze.
Konkret hierbei: das Steuern von Flexibilitäten (wie PV-Anlagen und Blockkraftwerke bis 100 kW Leistung und steuerbare Verbraucher, exemplarisch - Wärmepumpen). Diese Steuerung wird mittels sogenannter Steuerboxen in Verbindung mit iMSys und etablierten Netzsteuerungssystemen ermöglicht.
Stufenweises Schalten von PV-Anlagen
In einem Modellprojekt hat die TMZ Thüringer Mess- und Zählerwesen Service GmbH (TMZ) gemeinschaftlich mit der Konzernschwester TWS Thüringer Wärme Service GmbH (TWS) ein solches Konzept erprobt. Dazu wurde eine SwiSBox-DIE Steuerbox nach FNN der Firma Swistec GmbH per Protokoll IEC 61850 mittels iMSys an das CLS-Managementsystem der TMZ angebunden. Das CLS-Managementsystem wiederum ist per standardisierten Fernwirkprotokoll IEC 60870-5-104 an das Leitsystem der TWS – Scala 250 – angebunden. Somit konnte das stufenweise Schalten einer PV-Anlage von der Netzleitstelle simuliert werden.
An der Umsetzung waren neben der TWS außerdem die Unternehmen Robotron Datenbank-Software, Gisa und SwistecTMZ beteiligt.
Zusammenschalten weiterer FNN-Steuerboxen
Dieser durchgeführte Labortest bildet die Ausgangslage, um im nächsten Schritten mehrere FNN-Steuerboxen in Gruppen zusammenzuschalten. Die Gruppen können anhand der Art der Flexibilität oder Zugehörigkeit zu Ortsnetzen kategorisiert werden. Dazu wird es erforderlich sein, entsprechende Schnittstellen zu geografischen Informationssystemen oder anderen stammdatenführenden Systemen zu schaffen, um die Anlagen und deren korrekten IST-Schaltzustände in der Netztopologie zuordnen und abbilden zu können.
Gesetzliche Rahmenbedingungen fehlen noch
In den nächsten Monaten soll der Projektumfang dieses Modellprojektes um die Übertragung von Einspeisedaten gemäß Tarifanwendungsfall (TAF) 9 sowie Grid-Daten gemäß TAF 10 aus den Netzanschlusspunkten in aggregierter Form erweitert werden. Aufgrund dessen, dass der regulatorische Rahmen im Umfeld des Schaltens und Steuerns noch nicht vollumfänglich durch den Gesetzgeber festgelegt wurde, insbesondere hinsichtlich der Ausgestaltung der Koordinierungsfunktion (KOF), werden bis zur produktiven Nutzung des Systems noch weitere Schnittstellen, so unter anderem zu Systemen der Marktkommunikation, notwendig werden.
Ziel des Projekts sei es, den Verantwortlichen der Netzführung ein System bereitzustellen, um Flexibilitäten in Niederspannungsnetzen sicher und effizient steuern zu können, so TMZ. Dies gewinne spätestens bei der Einführung des potentiellen Redispatch 3.0 an Bedeutung.(sg)



