Die Umfrage zeigt, dass es große Wissenslücken bei den Deutschen zum Thema smarte Zähler gibt. Die Smart-Meter-Initiative fordert daher von der Bundesregierung Aufklärung der Bevölkerung.

Die Umfrage zeigt, dass es große Wissenslücken bei den Deutschen zum Thema smarte Zähler gibt. Die Smart-Meter-Initiative fordert daher von der Bundesregierung Aufklärung der Bevölkerung.

Bild: © A Stockphoto/Adobestock

In den meisten europäischen Ländern gehören sie längst zum Standard – in Deutschland hingegen wissen immer noch 60 Prozent der Bevölkerung ab 18 Jahren nicht, was Smart Meter sind. Das ergab eine bevölkerungsrepräsentative Befragung von YouGov im Auftrag der Smart-Meter-Initiative. Die Smart-Meter-Initiative (SMI) wurde von den Ökostromanbietern Ostrom, Tibber, Octopus Energy und Rabot Energy ins Leben gerufen, um die Verbreitung intelligenter Stromzähler – sogenannte Smart Meter oder intelligente Messsysteme – in Deutschland voranzubringen.

Auch darüber hinaus offenbart die Umfrage große Wissenslücken bei den smarten Zählern: So weiß von denjenigen, denen Smart Meter bekannt sind und der Meinung sind, eventuell zu wissen, wo man diese bestellt, nur eine Minderheit von gut einem Fünftel (22 Prozent), dass der Messstellenbetreiber der richtige Ansprechpartner für die Bestellung eines Smart Meters ist. Mehr als ein Drittel (39 Prozent) glauben, in diesem Fall müsse sich ein:e Kund:in an den eigenen Stromanbieter wenden, 17 Prozent an den Vermieter – und 17 Prozent sind sich nicht sicher.

Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov-Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 30. August bis zum 2. September 2024 insgesamt mehr als 2000 Personen befragt.

Smart-Meter-Initiative (SMI): Bundesregierung sollte über intelligente Zähler aufklären

„Die Verbreitung von Smart Metern in Kombination mit dynamischen Stromtarifen ist essenziell für das Gelingen der Energiewende“, sagt Merlin Lauenburg, Deutschland-Chef von Tibber. Denn Smart Meter ermöglichen durch stundengenaue transparente Abrechnung nach dem aktuellen Börsenpreis sogenannte dynamische Stromtarife.

„Nur so erhalten Verbraucher:innen attraktive Anreize, den Strom dann zu verbrauchen, wenn er grün und günstig ist.“ Die Bundesregierung habe das mit dem verpflichtenden Rollout von Smart Metern ab 2025 zwar erkannt. „Es fehlt aber noch an der Aufklärung der Bevölkerung.“ Zudem fordert die Initiative unter anderem, einen einheitlichen und unkomplizierten Bestellprozess für Smart Meter zu ermöglichen, statt die Bestellungen wie bisher über die rund 800 grundzuständigen Messstellenbetreiber abzuwickeln.

Und weiter: „Deutschland hat in den letzten zweieinhalb Jahren große Erfolge beim Ausbau der erneuerbaren Energien erzielt, die entscheidend für eine klimaneutrale Energiewirtschaft sind – es fehlt aber noch ein entscheidender Baustein: Um das enorme Potenzial zu nutzen, benötigen wir Smart Meter in der Breite, damit private Haushalte über dynamische Tarife von günstigem Strom profitieren können. Daher appellieren wir an Robert Habeck, den Smart-Meter-Rollout einfacher und schneller zu gestalten", so Lauenburg.

Dynamische Stromtarife ebenfalls weitgehend unbekannt

Dynamische Stromtarife, die sich am aktuellen Strombörsenpreis orientieren, kennt aktuell nur eine Minderheit der Verbraucher:innen in Deutschland. Nur gut ein Drittel (38 Prozent) geben in der Umfrage an, zu wissen, was dynamische Tarife sind. Fast ebenso viele (36 Prozent) wissen das nicht, ein gutes Viertel (26 Prozent) ist sich nicht sicher.

Allerdings weiß weniger als die Hälfte (40 Prozent) von denen, die angeben, es zu wissen oder sich nicht sicher sind, die richtige Antwort. Ebenfalls wissen 40 Prozent der Befragten nicht, welche Vorteile ein Smart Meter für sie persönlich hätte – während nur 35 Prozent diese Frage bejahen und 25 Prozent sich nicht sicher sind. Nur 18 Prozent wissen, was negative Börsenstrompreise sind, zwei Drittel (66 Prozent) verneinen diese Frage.

Zahl der Stunden mit Negativpreisen an der Strombörse steigt

Mit dem Anteil an erneuerbaren Energien im Strommix steigen auch die Stunden im Jahr, in denen der Strompreis an der Börse wegen besonders viel Strom aus Sonne und Wind und/oder wenig Nachfrage negativ ist. 2023 war der in Deutschland gehandelte Strompreis insgesamt 301 Stunden im negativen Bereich. Dieses Jahr waren es schon fast doppelt so viele.

„Von diesen Preisschwankungen können beispielsweise Besitzer:innen von E-Autos oder Wärmepumpen profitieren, indem sie den Verbrauch dieser Geräte in günstigen Stunden legen“, sagt Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Germany. „Damit können Privathaushalte in der Breite von den günstigen Strompreisen der Energiewende profitieren und gleichzeitig die Netze entlasten, wodurch Strom für alle günstiger wird.“

Netzausbau vermeiden mit Preisanreizen

Wird mehr Strom dann verbraucht, wenn er durch viel Sonne und Wind im Netz günstig ist, wird der Strom für alle günstiger, weil teure Spitzenlasten vermieden werden. Preisanreize sorgen auch dafür, dass wir als Gesellschaft weniger in den Netzausbau investieren müssen. Laut einer Studie von Agora Energiewende kann ein Vier-Personen-Haushalt mit Wärmepumpe mit Smart Meter und einem dynamischen Stromtarif perspektivisch rund 600 Euro im Jahr sparen.

Noch allerdings wissen laut Umfrage davon nur wenige: Lediglich ein gutes Drittel (35 Prozent) der Befragten gibt an zu wissen, dass sie von negativen Börsenstrompreisen auch persönlich profitieren können. 42 Prozent wussten das nicht. (sg)

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