
“Unsere Daten zeigen, dass flexibler Verbrauch signifikant auf Preissignale reagiert”, sagte Simon Schmitz, Gründer und Geschäftsführer des auf stündliche Tarife spezialisierten Stromlieferanten Awattar, vergangene Woche während eines Webinars der Discovergy Metering Akademie, bei dem mehr als 140 Vertreter der Energiewirtschaft großes Interesse am Thema signalisierten.
Als geeignete Verbraucher gelten heute insbesondere Wärmepumpen, die Wallboxen von E-Autos und Heimspeicher: “Ihr Stromverbrauch ist relevant, die Lasten lassen sich automatisiert verlagern - und überdies werden damit fossile Energien ersetzt.”

Warum variable Tarife für Netzstabilität sorgen können
Übersteigt das Energie-Angebot aufgrund wetterbedingter Erzeugung aus Wind oder Solar die Nachfrage deutlich, reagiert der Marktmechanismus mit negativen Strompreisen an der Strombörse EEX. Abhilfe könnten Stromspeicher schaffen, die bislang aber nur selten wirtschaftlich sind. Eine weitere Option sind variable Stromtarife, die die Verschiebung von Lasten durch Weitergabe von Preisschwankungen anreizen
Basis intelligente Messtechnik
Grundlage für die Nutzung variabler Stromtarife ist intelligente Messtechnik, die die Verbräuche zeitnah erfasst. Derzeit erhalten Awattar-Kunden einen Smart Meter von Discovergy, der über das Kommunikationsgateway Meteroit verfügt. Auf Basis dieser Daten in Kombination mit den stündlichen Börsenpreisen errechnet der Energieversorger die tatsächlichen Kosten jedes Kunden der Tarife “Hourly” und “Hourly-Cap”. Der Endkunde erhält über das Webportal von Discovergy die notwendige Transparenz zur Verbrauchskontrolle.
Kosten sparen
“Die allermeisten unserer Kunden senken ihren Energieverbrauch und reduzieren ihre Kosten deutlich”, so Simon Schmitz. Während die Hälfte der Awattar-Kunden im Jahr 40 Euro gegenüber dem Tarif auf Basis des Standardlastprofils spart, schaffen die besten zehn Prozent es, die eigenen Kosten um etwas weniger als 100 Euro pro Jahr zu reduzieren. Dabei sorgt ein niedriges Börsenpreisniveau wie im Jahr 2020 für kurzfristige Spar-Effekte. Bei höherem durchschnittlichen Börsenpreis würden die Potenziale für Einsparungen deutlich steigen.
"Die effiziente Elektrifizierung des Strom- und Wärmesektors ist ein wichtiger Schlüssel, deshalb werden sich variable oder dynamische Stromtarife rasch als Standard durchsetzen", ist sich Nikolaus Starzacher, Geschäftsführer von Discovergy sicher. Jeder Endverbraucher könne damit seine Energiekosten im Blick behalten und reduzieren. Und damit maßgeblich dazu beitragen, die volkswirtschaftlichen Kosten der sektorübergreifenden Energiewende so gering wie möglich zu halten.
Neue Funktionen bei Tarifen geplant
Der in den vergangenen Wochen auf mehr als 50 Euro pro Tonne gestiegene CO2-Preis im Emissionshandel habe das Börsenpreisniveau erhöht und stärke den Nutzen variabler Stromtarife. Schmitz wies aber auch darauf hin, dass die Variabilisierung weiterer Kostenkomponenten wie etwa von Netzentgelten ebenfalls hilfreich wären.
In Kürze will Awattar mit intelligenten Messsystemen, also Smart Metern mit zertifiziertem Smart-Meter-Gateway, neue Funktionen wie reduzierte Arbeitspreise durch Nachtstromtarife (TAF2) oder steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wallboxen oder Wärmepumpen hinzufügen. Abgerechnet wird dann aufgrund der Vorgaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik im Viertelstundentakt. (sg)


