Smartoptimo hat mitten im Rollout den GWA-Anbieter gewechselt. War das nicht riskant und was waren die Gründe dafür?
Markus Strenge, Leiter IT & Metering bei Smartoptimo: Nun, so ganz freiwillig haben wir dieses Projekt nicht gestartet. Der Wechsel des GWA-Anbieters während des schon laufenden Smart-Meter-Rollouts war zweifellos mit Risiken verbunden. Viele haben geglaubt, dass wir dieses Projekt in der Kürze der Zeit nicht so umsetzen können. Es gab jedoch gute Gründe für den Wechsel. Die Komplexität und die Anforderungen in der Energiebranche steigen stetig und wir wollten sicherstellen, dass wir als Partner unserer Stadtwerke und Dienstleister unseren Kunden weiterhin als kompetenter Partner zur Seite stehen.
Darüber hinaus war die Entscheidung für einen neuen Softwareanbieter auch eine strategische Entscheidung. Wir haben den Markt und die Entwicklungen rund um das Thema Schalten und Steuern analysiert. Uns wurde klar, dass wir eine umfassendere und zukunftsorientierte Lösung brauchen, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden zu gewährleisten. Mit der Firma Robotron bieten wir nun eine umfassende Lösung aus einer Hand an. Die Kombination aus dem GWA- und aEMT-System von Robotron schafft eine enge Verknüpfung beider Dienstleistungen und reduziert einerseits deutlich die Komplexität der Schnittstellen. Andererseits ermöglichen wir, den Umfang der Leistungen erheblich zu erweitern.
Hintergrund
Anfang 2023 hat sich Smartoptimo für Robotron als neuen Software-Dienstleister für das Smart-Meter-GWA-System entschieden. In der Branche gab es zu diesem Zeitpunkt sehr wenig Erfahrungswerte und keine standardisierten Prozesse für einen Wechsel des GWA-Systems im laufenden Betrieb. Entscheidend für die Komplexität des Migrationsprojektes war die Anzahl der beteiligten Unternehmen und die Paralleliät. 60 GWA-Kunden mussten parallel mit Ihren Backendsystemen an die neue Plattform angebunden werden. Viele der Stadtwerke hatten bereits Smart-Meter-Gateways ausgerollt, so dass dauerhaft der Messwertversand sichergestellt werden musste.
Am 20. April 2023 startete das Migrationsprojekt. Der zeitliche Druck aufgrund der gekündigten Bestandsverträge und dem voranschreitenden Rollout bei den Kunden war groß. Alle Smart-Meter-Gateways mussten im vorgegebenen Projektzeitplan vom bestehenden System auf das neue GWA-System migriert werden.
Inzwischen haben Sie die Migration gewuppt. Was waren die Hauptherausforderungen?
Markus Strenge: Richtig, wir schauen zurück und freuen uns über den erfolgreichen Projektabschluss. Aber es hat auch viel Kraft gekostet: in unserer eigenen, hierfür gegründeten Projektorganisation, bei unseren Dienstleistern, aber auch bei unseren Kunden. Wir bedanken uns für das entgegengebrachte Vertrauen, für die Flexibilität, das Engagement aller Beteiligten sowie das Verständnis auf der Seite unserer Kunden.
Edgar Herrscher Projektleiter bei Smartoptimo: Eine der Hauptherausforderungen war der zeitliche Druck aufgrund der gekündigten Bestandsverträge und dem voranschreitenden Smart Meter Rollout bei den beteiligten Stadtwerken. Die gesamte Umstellung musste reibungslos und innerhalb des vorgegebenen Projektzeitplans erfolgen. Hierbei hatten wir stets vor Augen: Wenn wir nicht zum Stichtag fertig sind, werden tausende Smart-Meter-Gateways (SMGWs) zu Elektroschrott. Diese SMGWs waren zum Großteil im Live-Betrieb bei Endkunden. Das wäre sicherlich ein Desaster gewesen. Zum Glück konnten wir dieses durch unser lösungsorientiertes Vorgehen abwenden. Wir hatten 60 parallele Migrationsprojekte und haben es geschafft, erfolgreich die SMGWs zu überführen. In einem ersten Schritt mussten die SMGWs, die noch im Beschaffungsprozess oder bereits im Lager waren, im Altsystem in Betrieb genommen werden. In einem zweiten Schritt wurden alle Bestandsgeräte auf das neue GWA-System überführt. Das hört sich in diesen zwei Sätzen einfacher an, als es tatsächlich war. Der Teufel steckte wie immer im Detail, oder besser gesagt, in der Hardware, der Software und in den Prozessen. Denn es gab zu diesem Zeitpunkt kaum Erfahrungswerte in der Energiebranche und keine standardisierten Prozesse für einen solchen GWA-Wechsel im laufenden Betrieb.
Nicht immer hat alles so funktioniert, wie wir uns das gedacht hatten. Wir mussten des Öfteren neue Lösungen finden und das ging letztendlich nur in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Diese klare Kommunikation zwischen Smartoptimo, Robotron und den Kunden war daher entscheidend, um die wichtigen Meilensteine des Migrationsprojektes zu erreichen. Wir haben großes Vertrauen von unseren Kunden geschenkt bekommen und waren durchgehend im intensiven Austausch. Das war für uns alle schon sehr zeitintensiv. Aber der Erfolg spricht für sich. Zwar gibt es noch ein paar kleinere Aufgaben, aber diese können im Rahmen des laufenden Betriebs geklärt werden.
Sie sagen, neue Kunden fragen bereits bei Ihnen an. Was sind hier die drängendsten Fragen? Und das klingt fast so, als hätten noch andere vor, ihr GWA-System zu wechseln?
Markus Strenge: Derzeit gibt es eine neue Welle mit einiger Bewegung im Markt. Vielleicht ist es auch eine Art der Konsolidierung. Wir haben das Gefühl, dass sich der ein oder andere Energieversorger nochmal umschaut.
Zumindest bekommen wir von Energieversorgern außerhalb unseres Smartoptimo-Netzwerkes Fragen zu unseren Erfahrungen zum GWA-Migrationsprojekt. Es wird nach Meilensteinen und Umstellungszeiträumen gefragt. Wir können aber heute schon sagen, dass wir direkt nach Abschluss des Migrationsprojektes bereits neue GWA-Kunden aufgenommen haben und in kurzer Zeit in den produktiven Bereich überführen konnten. Dies bestätigt uns, dass wir erfolgreich Vertrauen aufgebaut haben und als zuverlässiger und vor allem wettbewerbsfähiger Dienstleister in der Branche wahrgenommen werden. Das zeigt sich auch insbesondere bei den zukunftsorientierten Themen in Verbindung mit § 14a EnWG und aEMT.
Die Fragen stellte Stephanie Gust
Weitere Einblicke zum Thema geben Markus Strenge und Edgar Herrscher am 17. und 18. September 2024 beim Forum Netz & Vertrieb in Osnabrück.



