“Gerade im Bestand ist die Mieterakquise ein ganz zentraler Baustein”, sagt Dienstleister Einhundert.

“Gerade im Bestand ist die Mieterakquise ein ganz zentraler Baustein”, sagt Dienstleister Einhundert.

Bild: © Einhundert

Bild: © Einhundert Energie

Von:
Frederic Schick
Senior Product Manager Energy Systems
bei Einhundert Energie

Im vergangenen November hatte ich an dieser Stelle eine Vereinheitlichung von Prozessen im Mieterstrom durch den BDEW gefordert. Überraschend stand hierzu zum Jahreswechsel ein Vorschlag zur Konsultation und wurde dann auf unbestimmte Zeit verschoben. In einem gemeinsamen Brief an Robert Habeck und Klaus Müller fordert die Branche eine Wiederaufnahme der Konsultation und die Einführung standardisierter Prozesse.

Regulatorische Verbesserungen und offene Herausforderungen

Im vergangenen Jahr wurden zahlreiche regulatorische Weichen gestellt, um den Mieterstromrollout voranzubringen. Insbesondere sind der virtuelle Summenzähler, das Recht auf Vollausstattung aller Messstellen eines Gebäudes in diesem Fall und die anvisierte Überarbeitung der Anlagenzusammenfassung im Solarpaket.

Die Wechselprozesse im Mieterstrom sind nach wie vor eine Herausforderung: Möchten Mieter:innen in die Mieterstrombelieferung wechseln, ist  hier häufig eine Stilllegung des Zählers notwendig. Die meist bilateralen Stilllegungsprozesse verursachen hohe Aufwände bei uns als Mieterstromanbieter sowie bei den VNBs selbst. Die Kund:innen sind teilweise in komplexen, langwierigen Wechselprozessen gefangen und warten auf den Belieferungsstart.

Pragmatischer Vorschlag des BDEW

Der vom BDEW ausgearbeitete und von der Bundesnetzagentur (BNetzA) zur Konsultation gestellte Vorschlag sollte diese Probleme lösen. Wie im vorherigen Kommentar gefordert, sollten die Wechselprozesse im Mieterstrom durch echte Lieferantenwechsel abgebildet werden. Zähler würden nicht mehr stillgelegt, sondern der Mieterstromanbieter als Lieferant hinterlegt.

Zum ersten Mal wurde ein Vorschlag gemacht, wie sich die Markt- und Messlokationen der einzelnen Zähler im Mieterstrommodell verhalten. Damit hätte der Vorschlag die Grundlage für massengeschäftsfähige, automatisierte Prozesse geschaffen. An dieser Stelle ist hervorzuheben, dass diese Prozesse bereits von einigen größeren Netzbetreibern praktiziert  werden und erprobt sind.

Unerwartete Verzögerung der Standardisierung

Leider lief das Konsultationsverfahren an der Branche vorbei: Die meisten Energiedienstleister, wettbewerblichen Messstellenbetreiber (wMSB) und Softwareanbieter der Mieterstrombranche waren in dem Verfahren nicht eingebunden. Konsultationen von “Da­ten­for­ma­ten zur Ab­wick­lung der Markt­kom­mu­ni­ka­ti­on” betreffen die Branche in der Regel weniger – das ist eher ein Thema für Netzbetreiber.

Deren Konsultationsbeiträge seien, Teilnehmern zufolge, sehr heterogen gewesen, woraufhin der Vorschlag in der Konsultationssitzung zurückgezogen und nicht weiterbesprochen wurde. Auch aus Sicht einiger Mieterstromanbieter gab es offene Fragen ("Welche Marktrolle darf den Wechselprozess anstoßen?"), doch Lösungen hätten im Rahmen der Konsultation zügig erarbeitet werden können. Stattdessen ist die Standardisierung der Prozesse im Mieterstrom jetzt laut BNetzA und BDEW auf unbestimmte Zeit verschoben, da andere Themen zunächst wichtiger seien.

Die Dringlichkeit der Standardisierung

Der Ausgang ist für uns als Energiedienstleister von mehr als 100 Immobilienunternehmen sehr enttäuschend. Eine heterogene Rückmeldung der Netzbetreiber spiegelt auch unsere Erfahrungen in der Praxis wider und unterstreicht, dass eine Standardisierung dringend notwendig ist. Die Netzbetreiber sind aktuell dabei, Prozesse für den virtuellen Summenzähler einzuführen und das Messkonzept in den IT-Systemen abzubilden.

Hier werden gerade teilweise Prozesse eingeführt und gefestigt, die auch nach Rücksprache mit der Bundesnetzagentur nicht sinnvoll sind. Das liegt auch daran, dass die Netzbetreiber hier oft keine Standards oder Handlungsempfehlungen zur Hand haben. Standards später neu einzuführen und die eingeführten Prozesse dann wieder überarbeiten zu müssen, verursacht unnötige Mehrkosten und Aufwände bei allen beteiligten Parteien.

Appell der Mieterstrombranche

Daher fordern wir in einem Brief der Branche an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und an den Präsidenten der Bundesnetzagentur Klaus Müller eine Wiederaufnahme der Konsultation und die Einführung von Standards im Mieterstrom. Gerne bieten wir der  federführenden Projektgruppe edi@energy des BDEW dazu unsere Unterstützung an. (sg)

Breite Unterstützung der Forderung

Neben der Einhundert Energie GmbH beteiligen sich folgende Unternehmen an der Forderung:

  • Officium GmbH,
  • wattline GmbH,
  • metiundo GmbH,
  • inexogy smart metering GmbH & Co. KG,
  • mako365 GmbH,
  • Solarize Energy Solutions GmbH,
  • Naturstrom AG,
  • Green Planet Energy eG,
  • GETEC Energy Management GmbH,
  • empact GmbH,
  • NWG Power GmbH,
  • Stadtmarken New Energy GmbH, BES – Badische Energie-Servicegesellschaft mbH
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