Neben der neuen Zertifizierung der "Sicheren Lieferkette" (SiLKe) von Sagemcom Dr. Neuhaus, mit der künftig der Transport von Smart-Meter-Gateways über die MSB-Lieferkette möglich ist, erhielten erstmals zwei Steuerboxen mit digitaler EEBUS-Schnittstelle die Zulassung nach der Technischen Richtlinie BSI TR-03109-5.
Mit der nun erfolgten Zertifizierung der sogenannten MSB-Lieferkette können Messstellenbetreiber (MSB) Smart Meter Gateways eigenverantwortlich ab dem rechtlichen Eigentum – etwa dem Wareneingangslager – übernehmen, transportieren und installieren. Voraussetzung dazu ist, dass der betreffende Messstellenbetreiber über ein Sicherheitskonzept verfügt, das den Anforderungen des BSI-Anforderungskatalogs zur neuen Lieferkette entspricht. Bislang war dies nur über die komplexere "Sichere Lieferkette (SiLKe)" möglich, bei der sämtliche Prozessschritte von spezialisierten Logistikdienstleistern begleitet werden mussten. Ebenfalls zertifiziert für die MSB-Lieferkette ist die Power Plus Communications AG.
Sagemcom Dr. Neuhaus bietet seinen Kunden damit künftig nach eigenen Angaben mehr Flexibilität bei der Abwicklung und Integration der Gateways. "Die Möglichkeit zur Auslieferung durch den Messstellenbetreiber reduziert die Komplexität sowie die Kosten und beschleunigt den Rollout intelligenter Messsysteme erheblich", erklärt Holger Graetz, Vertriebsleiter bei Sagemcom Dr. Neuhaus. Das Unternehmen habe die Vorgaben des BSI sowie des Forums Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN) frühzeitig in seine Prozesse integriert.
Erste zertifizierte Steuerboxen mit EEBUS
Einen weiteren Schritt in Richtung interoperabler Steuerinfrastrukturen stellen die neuen Zertifizierungen für digitale Steuerboxen dar. Die Unternehmen Vivavis und Theben Smart Energy erhielten für ihre Modelle STBF24C beziehungsweise Selexa erstmals die Zulassung nach der BSI-TR-03109-5 inklusive der sogenannten beschleunigten Sicherheitszertifizierung (BSZ). Damit steigt die Zahl der insgesamt zertifizierten Steuerboxlösungen in Deutschland auf acht.
Ziel ist es, eine interoperable, skalierbare und sichere Infrastruktur für die Steuerung dezentraler Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen zu schaffen. Die Steuerboxen fungieren dabei als zentrale Schnittstelle zwischen Smart Meter Gateway und steuerbaren Anlagen – beispielsweise Wallboxen, Wärmepumpen oder Photovoltaiksystemen. Die Kommunikation erfolgt über das CLS-Management (Controllable Local Systems), in dem künftig auch Anforderungen nach § 14a EnWG sowie § 9 EEG umgesetzt werden sollen.
Die zertifizierten Steuerboxen unterstützen sowohl die Anbindung neuer Anlagen über den EEBUS-Kommunikationsstandard als auch die Nachrüstung bestehender Systeme über Relaiskontakte. Damit ermöglichen sie eine netzdienliche Steuerung in einer Vielzahl von Anwendungsszenarien. "Unsere Kunden haben aufgrund der gesetzlichen Vorgaben keine Zeit bei der Herstellung der Steuerbarkeit zu verlieren", so Ruwen Konzelmann, Geschäftsführer der Theben Smart Energy GmbH. Das Unternehmen verweist darauf, dass die SELEXA-Steuerbox bereits erfolgreich Interoperabilitätstests mit CLS-Systemen, Gateways und Home-Energy-Management-Systemen durchlaufen habe.
Joachim Kopp, Leiter der Business Unit Metering bei Vivavis, sieht die Zertifizierung als "wichtigen Meilenstein“. Die neuen Steuerboxen seien nicht nur sicher gegenüber Remote-Angriffen, sondern erfüllten auch die aktuelle Version des FNN-Lastenhefts.
BSI betont Bedeutung resilienter Architekturen
Das BSI bewertet die neuen Zulassungen als Beitrag zur Stärkung der Sicherheit in der Energieversorgung. Mit den nun acht zertifizierten Steuerboxlösungen sei ein wichtiger Schritt hin zu einem interoperablen, flexiblen und gleichzeitig sicheren Energiesystem vollzogen worden, so die Behörde. BSI-Präsidentin Claudia Plattner betont die sicherheitspolitische Relevanz: "Energiewendeanlagen haben erheblichen Einfluss auf die Stabilität des europäischen Verbundnetzes und damit auf die Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa.“
Vor dem Hintergrund wachsender Cyberbedrohungen sei es notwendig, zentrale Infrastrukturen im Smart Grid gezielt zu härten. Dazu zählen neben Steuerboxen vor allem Smart Meter Gateways. Zeitgleich zur Zulassung der Steuerboxen veröffentlichte das BSI daher eine aktualisierte Testspezifikation (TS 03109-1) für Smart Meter Gateways. Diese schafft laut Behörde die Grundlage für einen standardisierten, automatisierten und transparenten Zertifizierungsprozess. Die bereits in der Steuerbox-Zertifizierung eingesetzte Smart-Metering-Testplattform soll künftig auch für die Prüfung von Smart Meter Gateways genutzt werden. (sg)



