Von Stephanie Gust
Die geplante Novelle des Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG) stößt bei den wettbewerblichen Messstellenbetreibern (wMSB) auf Kritik – und auf konkrete Änderungsvorschläge. In einem gemeinsamen Positionspapier appellieren zwölf führende Anbieter an Gesetzgeber und Fachgremien, die Rahmenbedingungen so auszugestalten, dass Digitalisierung, Steuerbarkeit und Smart-Meter-Rollout nicht gebremst, sondern beschleunigt werden.
"Die Energiewende braucht keine Bremse, sondern einen Rollout-Turbo", heißt es in dem Papier, das an Bundestag, Bundesrat und Bundesnetzagentur gerichtet ist. Die wettbewerblichen Messstellenbetreiber sehen sich als Motor für Tempo, Wettbewerb und Innovation – und als wichtigen Partner für Solaranbieter, Wärmepumpenhersteller und Ladeinfrastrukturbetreiber. Deren Geschäftsmodelle seien auf digitale Zähler angewiesen, um Verbrauchsdaten und Steuerbefehle sicher in den Markt zu integrieren.
Kooperation statt Doppelarbeit
Zentraler Punkt der Forderungen ist die Öffnung für Kooperationen zwischen grundzuständigen (gMSB) und wettbewerblichen Messstellenbetreibern. In der aktuellen Novelle sollen nur grundzuständige Messstellenbetreiber untereinander Ausstattungsquoten übertragen können. Das hemme den Rollout, argumentieren die Wettbewerblichen. Künftig sollten auch ihre Einbauten auf die gesetzlich vorgeschriebenen Quoten angerechnet werden dürfen.
"Für den Fortschritt ist es unerheblich, wer den Zähler einbaut – entscheidend ist das Tempo im Netzgebiet", heißt es im Papier. Gemeinsame Modelle würden Fehlanreize vermeiden, Kosten senken und die Verbraucherakzeptanz erhöhen.
Kritik an Haltefrist
Auf deutlichen Widerspruch stößt bei den Unternehmen die geplante zweijährige Haltefrist für Kunden, die nach dem Einbau eines intelligenten Messsystems durch den grundzuständigen Messstellenbetreiber den Anbieter nicht wechseln dürfen. Diese Regelung behindere den Wettbewerb und bremse Innovation.
Da Smart-Meter-Komponenten inzwischen wiederverwendbar seien, entfalle das ökologische Argument, Wechsel zu verhindern. Zudem müsse ein Kunde reagieren können, wenn gesetzliche Pflichten – etwa zur Steuerbarkeit – nicht erfüllt werden.
Realistische Umsetzung von Live-Daten
Ebenfalls kritisch sehen die wettbewerblichen Messstellenbetreiber die im Entwurf vorgesehene flächendeckende Bereitstellung von standardisierten Live-Viertelstundenwerten. Laut §§ 61/62 MsbG sollen Endkunden künftig innerhalb von 15 Minuten Zugriff auf ihre Daten haben.
Diese Vorgabe komme "zur Unzeit", warnen die Unternehmen. Viele Marktakteure seien noch mit dem Basis-Rollout befasst. Parallel zum geplanten MaBiS-Hub der Bundesnetzagentur eine zusätzliche Infrastruktur bei über 900 Messstellenbetreibern aufzubauen, berge erhebliche IT-Risiken und verursache Mehrkosten. Eine zentrale Lösung sei aus Sicht der wettbewerblichen Messstellenbetreiber effizienter und datensparsamer.
Weitere Punkte im Detail
Neben den drei Hauptforderungen enthält das Positionspapier mehrere Klarstellungen:
- Vergütung für PV-Anlagen über 7 kWp: Die Einbaukosten sollen weiterhin vergütet werden.
- Wartefristen bei Erstinstallationen: Verzögerungen in Mehrfamilienhäusern sollen vermieden werden, um Mieterstromprojekte zu beschleunigen.
- Kostenumlage: Die Umlagefähigkeit der Messkosten über die Betriebskosten müsse eindeutig geregelt werden, um Mieter stärker an der Energiewende zu beteiligen.
Breite Allianz aus der Branche
Zu den Unterzeichnern zählen unter anderem Enpal, Hausheld, Solandeo, Lichtblick, Techem, Metrify, Inexogy, Einhundert Energie und 1Komma5Grad. Damit vertreten sie einen großen Teil der Anbieter, die den wettbewerblichen Messstellenbetrieb in Deutschland vorantreiben und Smart-Meter-Rollouts auch außerhalb der Grundzuständigkeit realisieren.
Die Initiative versteht sich als Beitrag zur parlamentarischen Beratung. Ihr gemeinsames Ziel: mehr Tempo durch Wettbewerb, Kooperation und technische Vernunft.



