Stephan Rode, Head of Sales and Business Development Specialist

Stephan Rode, Head of Sales and Business Development Specialist

Bild: © Solandeo

Solandeo zählt zu den aktiven wettbewerblichen Messstellenbetreibern in Deutschland. Das Unternehmen bringt intelligente Messsysteme dort ins Feld, wo neue Anlagen entstehen oder steuerbare Verbraucher ans Netz gehen. Im Gespräch mit der ZfK erklären Stephan Rode, Head of Sales and Business Development Specialist, und Tizian Werner, Manager für PR & Kommunikation, welche Rolle sie im Messwesen einnehmen, welche Herausforderungen im Steuer-Rollout bestehen und warum klare Regeln für alle Marktteilnehmer nötig sind.

Herr Rode, Eon hat kürzlich anklingen lassen, dass man wettbewerbliche Messstellenbetreiber nicht brauche, wenn alle grundzuständigen Anbieter ihre Arbeit richtig machten. Wie stehen Sie dazu?

Stephan Rode: In der Tat, wenn es den perfekten Markt geben würde, bräuchte man viele der neuen Player nicht. Aber wir sehen auch, dass eine Monopolisierung von Geschäftsbereichen selten dazu führt, dass die Märkte dann vorankommen. Solandeo und andere wettbewerbliche Messstellenbetreiber bringen Innovationen in den Metering-Markt, Solandeo bereits seit 2014. Würde der Markt im Sinne neuer Geschäftsmodelle und Endkunden funktionieren, würden nicht immer weitere Wettbewerbliche am Markt entstehen. Ganz offenbar funktioniert der Markt so aber nicht. Viele Netzbetreiber konzentrieren sich nachvollziehbar auf ihre Pflichtquoten im eigenen Netzgebiet. Der Kunde steht dabei nicht immer im Mittelpunkt. Unser Modell basiert auf Nachfrage. Wir bringen Messsysteme genau dort aus, wo neue steuerbare Verbraucher installiert oder neue PV-Anlagen ans Netz gebracht werden. Der Markt fragt nach uns.

Wir sehen keinen Gegensatz zwischen grundzuständigen und wettbewerblichen Messstellenbetreibern. Aus unserer Sicht ist es ein Zusammenspiel unterschiedlicher Marktrollen, das unser Energiesystem insgesamt voranbringt. Beide Seiten können und sollten sich dabei gegenseitig unterstützen.

Welche strukturellen Hürden sehen Sie aktuell im Messwesen?

Rode: Wir benötigen klare und faire Rahmenbedingungen für beide Seiten. Nehmen Sie etwa den Messstellenbetreiberrahmenvertrag. In der Konsultationsfassung aus dem November 2024 benachteiligt er eindeutig die wettbewerblichen Anbieter. Wenn wir Messstellen anmelden, erhalten wir teils wochenlang keine Rückmeldung, obwohl es klare Prozessvorgaben gibt. Gleichzeitig sind Strafen und Verpflichtungen im Vertrag einseitig zugunsten der Verteilnetzbetreiber formuliert. Das behindert unsere Arbeit und verzögert Projekte unnötig.

Was fordern Sie konkret?

Rode: Eine eindeutige Zuordnung von Aufgaben und Fristen, verbindliche Prozessdefinitionen und eine ausgewogene Lastenverteilung. Strafen, wenn überhaupt notwendig, sollten immer für beide Seiten gelten. Unser Ziel ist keine Bürokratie, sondern ein funktionierendes Zusammenspiel. Dafür braucht es Prozesse, die nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch in der Praxis funktionieren.

Wettbewerblichen Messstellenbetreibern wird häufig nachgesagt, sie hätten kein ausreichendes Verständnis für das Stromnetz oder die Anforderungen der Netzbetreiber. Wie begegnen Sie diesem Vorwurf?

Rode: Dieses Vorurteil können wir klar entkräften. Im Rahmen des Redispatch 2.0 haben wir beispielsweise eine eigene Softwarelösung entwickelt, mit der wir zwischenzeitlich rund 40 Netzbetreiber bei der Umsetzung der regulatorischen Anforderungen unterstützen. Dabei ging es um Prognosen, Steuerungsprozesse und die Kommunikation mit dezentralen Erzeugungsanlagen.

Wir kennen die Schnittstellen zu den Netzbetreibern, wir integrieren uns in bestehende IT-Systeme und liefern belastbare Daten. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir über den klassischen Messstellenbetrieb hinaus technische Verantwortung übernehmen. Wir sehen uns daher nicht nur als Dienstleister für unsere Kunden, sondern auch als verlässlicher Partner im Gesamtsystem.


Ein weiteres großes Thema ist der §-14a-Rollout. Wo steht Solandeo aktuell?

Rode: Wir bereiten uns intensiv auf die Umsetzung vor. Unsere Partner – Anbieter von PV-Anlagen, Wärmepumpen und Batteriespeichern – haben alle den Bedarf nach Herstellung der Steuerbarkeit durch den Netzbetreiber. Allerdings gibt es auf technischer Ebene noch viele offene Punkte. Lange Zeit war zertifizierte Hardware nicht verfügbar. Jetzt fehlen funktionierende End-to-End-Prozesse. Die Steuerbefehle müssen vom Verteilnetzbetreiber über das aEMT bis hin zur Steuerbox sicher ankommen. Das ist aktuell noch nicht durchgängig gewährleistet.

Halten Sie den Start zum 1. Januar 2026 für realistisch?

Rode: Ja, unter bestimmten Bedingungen. Neue Messstellen können bereits mit den notwendigen Geräten ausgestattet werden. Entscheidend ist, dass wir uns zunächst auf Neuinbetriebnahmen konzentrieren. Die Nachrüstung bestehender intelligenter Messsysteme, wie sie im Gesetz derzeit vorgesehen ist, bindet enorme Ressourcen. Installateure, die dann an Bestandsanlagen Steuerboxen anbringen müssten, fehlen für die eigentliche Rollout-Dynamik. Deshalb plädieren wir dafür, den Fokus auf neue Anlagen zu legen und nur dort nachzurüsten, wo der Netzbetreiber einen tatsächlichen Bedarf sieht.

Innovation und Forschung spielen bei Ihnen ebenfalls eine Rolle. Können Sie ein Beispiel nennen?

Werner: Wir sind derzeit an einem Forschungsprojekt mit Rheinenergie beteiligt, das unter dem Namen "Klimaveedel" in Köln bekannt ist. Im Rahmen dieses Projekts entwickeln wir auf Basis intelligenter Wärmezähler innovative, datengestützte Werkzeuge und Methoden, die eine dynamische und prädiktive Steuerung von Wärmenetzen ermöglichen. Dabei kommen maschinelle Lernverfahren und KI-basierte Steuerungsalgorithmen zum Einsatz, um eine bedarfs- und nachfrageorientierte Bereitstellung und Versorgung zu optimieren. Ziel ist es, hohe Transparenz für die Verbraucher zu schaffen und gleichzeitig die Effizienz der Wärmenetze zu steigern. Auf diese Weise leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Einsparung von Primärenergie und CO2-Emissionen. 

Im Forschungsprojekt Dabesi haben wir mit unserem Analytics-Knowhow im Rahmen unseres Teilvorhabens kombiniert Angebote aus Messstellenbetrieb, Messwert-Analysen und Empfehlungssystemen entwickelt und getestet, insbesondere für den Einsatz intelligenter Messsysteme. Dazu gehörte die Weiterentwicklung bestehender Softwarelösungen zur Echtzeitdatenerfassung aus digitalen Stromzählern, die Entwicklung von Algorithmen zur Bestimmung von Flexibilitätspotenzialen aus Batteriespeichern sowie Lösungen für das Flexibilitätsmanagement. Außerdem haben wir an der mehrdimensionalen Optimierung und an Mehrwertdiensten im Messstellenbetrieb gearbeitet.

In welcher Rolle sehen Sie Solandeo künftig?

Rode: Wir verstehen uns als Partner für die Energiewende, nicht als Konkurrenz zum grundzuständigen Messwesen. Unsere Aufgabe ist es, flexibel, technologieoffen und effizient dort einzuspringen, wo Geschwindigkeit, Innovation und neue Marktmodelle gefragt sind. Die Energiewende braucht alle Kräfte – und sie braucht funktionierende Prozesse.

Das Interview führte Stephanie Gust

Solandeo

Hintergrund

Das Berliner Unternehmen Solandeo ist seit 2014 als wettbewerblicher Messstellenbetreiber aktiv. Der Fokus liegt auf Prosumer-Anwendungen, PV-Anlagen, Wärmepumpen und dynamischen Tarifen. Neben dem Messstellenbetrieb bietet Solandeo auch KI-basierte Prognosen und Analyseprodukte an. Ein eigenes Forschungsengagement besteht unter anderem im Projekt „Klimaveedel“ mit RheinEnergie. Solandeo gehört zur Ancala-Gruppe, zu der auch der Hausheld zählt. Ancala ist ein unabhängiger Infrastrukturmanager. 

Solandeo ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv:
1. Metering – Rollout und Betrieb intelligenter Messsysteme inklusive Gateway-Administration, insbesondere für Prosumer, Aggregatoren und Versorger.
2. Analytics – Entwicklung von Prognosemodellen und Analysewerkzeugen auf Basis von Messdaten, etwa für Direktvermarkter, Netzbetreiber oder Forschungsprojekte.

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