„Der Kunde soll möglichst vollautomatisch von der Direktvermarktung profitieren“, berichtet Produktmanager Nikolas Rommeiß.

„Der Kunde soll möglichst vollautomatisch von der Direktvermarktung profitieren“, berichtet Produktmanager Nikolas Rommeiß.

Bild: © Halfpoint/AdobeStock

Bislang galt die Direktvermarktung von Strom an der Börse ausschließlich für große Photovoltaikanlagen ab 100 kWp als attraktiv. Mit der Neuregelung des Rollouts intelligenter Messsysteme mit einer Preisobergrenze von 20 Euro für den Endkunden sowie den immer größeren Schwankungen unterliegenden Börsenpreisen ändert sich das nun grundlegend. Der größte Direktvermarkter Deutschlands, das Energie-Unternehmen EnBW, und die 100-prozentige Tochter Senec preschen jetzt mit einem entsprechenden Angebot zur Direktvermarktung vor.

„Um den Strom vom eigenen Dach mit Mehrwert für Endkunden zu vermarkten, braucht es einfache Rahmenbedingungen und intelligente Messsysteme“, erklärt Senec-Geschäftsführerin Aurélie Alemany. „Durch die Verabschiedung der Novelle des Messstellenbetriebsgesetzes und der Senkung der Kosten für intelligente Messsysteme aus Kundensicht, ist die Direktvermarktung von Überschussstrom sowohl für uns als Anbieter als auch für den Kunden attraktiver geworden.“

Das Produkt

Das Unternehmen bietet das Prosumer-Produkt Senec.Cloud pro in Verbindung mit einem Heimspeicher der neuesten Generation über ein bundesweit gespanntes Fachpartner-Netzwerk an. Dabei gibt es im ersten Schritt einen Festpreis von 11 Cent pro Kilowattstunde für Neukunden. Bedeutet: Statt 7,1 (für PV-Anlage > 10 kWp) oder 8,2 Cent/kWh (für PV-Anlage < 10 kWp) Einspeisevergütung erhält der Kunde des Direktvermarktungs-Tarifs den Festpreis über 12 Monate garantiert.

Intelligentes Messsystem

Mit dem neuen Angebot wollen Senec und EnBW auch den Rollout intelligenter Messsysteme vorantreiben – und zukunftsweisende, dynamische Stromprodukte anbieten. Die Synchronisierung von Angebot und Nachfragen soll auf diese Weise entscheidend dazu beitragen, dass die Energiewende möglich werde, heißt es. Die Installation des BSI-zertifizierten intelligenten Messsystems direkt durch den Fachpartner erfolgt dabei obligatorisch ohne Hardware-Kosten und im ersten Jahr kostenfrei.

„Durch die Zusammenarbeit von EnBW und Senec erhält der Kunde ein rundes Angebot, profitiert dabei von den Stärken beider Unternehmen – und kann somit schneller vom Eigenverbrauch und Direktvermarktung profitieren“, analysiert Senec-Produktmanager Daniel Dietze. Der Messstellenbetrieb, den EnBW/Senec als wettbewerblicher Messstellenbetreiber übernehmen, wird 20 Euro im Jahr kosten. “Mit dem agilen Rollout greifen wir der künftigen Pflicht vor – damit unsere Kunden nicht länger auf die Energiezukunft warten müssen.”

Und weiter: „Mit unserem Komplettangebot machen wir Millionen Menschen, die in Einfamilienhäusern leben, fit für die Energiezukunft“, erklärt Alemany. „Der schnelle Hochlauf der erneuerbaren Energien führt zu häufigeren und größeren Preisschwankungen an der Strombörse. An den daraus resultierenden, oft hohen Strompreisen lassen wir unsere Kunden ab sofort teilhaben.“

Wirtschaftlichkeit durch Automatisierung

Bei der Gestaltung des neuen, ersten digitalen Produktes in direkter Zusammenarbeit mit der EnBW stand für Senec nach eigenen Angaben eine zentrale Maxime im Vordergrund: Einfachheit. „Der Kunde soll möglichst vollautomatisch von der Direktvermarktung profitieren“, berichtet Produktmanager Nikolas Rommeiß. Im Zusammenspiel mit dem Heim-Energiemanagement-System soll dabei aber der zuvor eingestellte Komfort-Level niemals verlassen werden.

Der Nutzen des Heim-Energiemanagement-Systems wird auch deutlich, betrachtet man die gerade in Abstimmung befindliche Regulierung zu der Erlaubnis der Netzbetreiber durch die Bundesnetzagentur, unter bestimmten Umständen, den Haushaltsstrombezug auf 4,2 Kilowatt oder einzelne Verbraucher wie Wärmepumpen „dimmen“ zu können. Der PowerPilot setzt nach den Voreinstellungen die Prioritäten – und orchestriert das gesamte Ökosystem des Kunden optimal.

Neue Anreize durch dynamische Preise

Besonders interessant werde es für den Hausbesitzer dann, wenn zusätzlich zur ‚Cloud pro‘ etwa dynamische Tarife hinzukommen. Während heute klassischerweise allein aus dem Blickwinkel des Haushaltes zuerst der aktuelle Strombedarf abgedeckt wird, danach der Speicher gefüllt wird, und erst dann Überschuss-Strom eingespeist wird, wird es mit dynamischen Preisen ganz andere Anreize geben: Wenn am Morgen der Energiebedarf in Deutschland sehr hoch ist und damit die Marktpreise entsprechend hoch sind, könnte es sich beispielsweise lohnen, eigens erzeugten Strom ins Netz einzuspeisen und ihn nicht zur Deckung des Eigenverbrauchs zu nutzen.

An manchen Wintertagen wiederum werde es möglich, im Überfluss vorhandenen Windstrom in den eigenen Speicher zu laden – dadurch wird einerseits das Stromnetz stabilisiert. Andererseits profitieren Endkunden womöglich von negativen Preisen, unterstreicht Senec.

Aus Sicht der Anbieter sei die Direktvermarktung auch für kleinere Anlagen privater Nutzer eine wirtschaftliche Chance, wenn die Prozesse auf Vermarkter-Ebene weitgehend automatisiert ablaufen. „Entscheidend ist, ob wir innerhalb von 12 bis 24 Monaten eine Skalierung auf viele Tausend Kunden hinbekommen“, so Finanzchef Augat. „Dann entsteht ein Business Case, der den Endkunden nutzt, dem Vermarkter nutzt und schließlich aus gesellschaftlicher Perspektive zum Voranbringen der Energiewende beiträgt.“ (sg)

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