Jan Rabe ist CEO bei Rabot Charge.

Jan Rabe ist CEO bei Rabot Charge.

Bild: © Rabot Charge

Herr Rabe, worum geht es bei der Smart-Metering-Initiative?
Grundsätzlich haben sich die Gründungsmitglieder, also Octopus Energy, Tibber, Rabot Charge und Ostrom zusammengeschlossen, weil wir der Meinung sind, dass sich die Energiewende im Privatkundensegment nur erfolgreich umsetzen lässt, wenn intelligente Messsysteme deutlich mehr verbreitet sind. Nur diese Geräte erlauben eine Viertelstunden-Bilanzierung und so erreicht man eine Lastverschiebung von Elektroautos oder Wärmepumpen, also von flexiblen Assets.

Die Kunden profitieren finanziell davon, wenn sie ihre Elektroautos dann laden, wenn es viel PV-Strom oder Windstrom gibt, die Strompreise niedrig sind und somit die richtigen Anreize zum Verbrauch geschaffen werden. Leider sind wir trauriges Schlusslicht in Europa, was den Rollout angeht. Das heißt, der Großteil der anderen Länder, hat bereits fast hundert Prozent dieser intelligenten Messsysteme ausgerollt. Wir haben daher gesagt, wir wollen das gemeinsam in Deutschland nach vorne pushen. Dieses Interesse ist größer als der Wettbewerb zwischen uns. Wir haben uns dann Gedanken über die entscheidenden Punkte gemacht, die wir als Gesellschaft benötigen, um die Energiewende möglich zu machen. Und daher haben wir uns als Smart-Meter-Initiative positioniert.

Und das heißt konkret?
Wir wollen einerseits, dass möglichst schnell viele intelligente Messsysteme verbaut werden, damit die Kunden ihren Verbrauch transparent sehen können, insbesondere für Kunden die sich dies wünschen. Und wir wollen natürlich auch, dass Thema Lastverschiebung angehen. Sprich, dass es sich für den Kunden wirklich lohnt, sein Elektroauto nicht dann zu laden, wenn die Preise hoch sind, sondern vielleicht erst am Samstagnachmittag, wenn die Sonne stark scheint und die Preise 0 oder sogar negativ sind. Die intelligenten Messsysteme sind die Enabler für den Kunden, an der Energiewende teilzunehmen. Sie ermöglichen aber auch eine effizientere Netznutzung durch eine smartere Bedarfsplanung. So lassen sich die Kosten für den Netzausbau reduzieren..

Inzwischen hat sich Ihrer Initiative auch Ostrom angeschlossen?
Wir haben bewusst gesagt, diese Initiative soll nicht geschlossen bleiben. Es gibt eine große Liste von Unterstützern für unser Projekt. Denn es besteht ein sehr, sehr breiter Konsens, dass wir intelligente Messsysteme brauchen und das Thema schnell umgesetzt werden muss, mindestens innerhalb der gesetzten gesetzlichen Rahmenparameter.

Uns beschäftigt natürlich auch die Frage, wie man die Kosten möglichst effizient verteilt, und daher wollen wir auch mit den grundzuständigen Messtellenbetreibern zusammenarbeiten, die den Rollout ja abwickeln. Mit unserer Initiative lässt sich der Rollout für sie effizienter gestalten, weil die Messstellenbetreiber hierdurch die bei uns eingehende Nachfrage nach Smart Metern bündeln können und daraus entstehen Synergieeffekte. Unsere Forderung ist ein zentralisierter Ansatz, der die Messstellenbetreiber administrativ entlastet. Beispielsweise indem man einen Abwicklungsprozess in der Marktkommunikation aufsetzt, so dass sich die Messstellenbetreiber nicht um die Kommunikation mit Privatkunden kümmern müssen. Oft geht es ja nur um den Einbau eines einzigen Gerätes. Diese Kommunikation macht viel Aufwand, welchen man beispielsweise auf die Energielieferanten abwälzen könnte.

Es gibt bereits mehrere Messstellenbetreiber, mit denen die Initiative in Gesprächen ist: Netze BW und EWE Netz. Planen Sie, weitere Messstellenbetreiber zu kontaktieren?     
Es gibt weitere Gespräche, mit uns in Pilotierung zu gehen und das Thema Smart-Meter-Rollout proaktiv voranzutreiben. Es gibt Messtellenbetreiber, die bislang noch sehr zurückhaltend sind, während andere große Offenheit für Innovationen zeigen. Wir haben über 800 grundzuständige Messstellenbetreiber, die für den Rollout verantwortlich sind. Die einen gehen sehr progressiv daran, andere haben allein schon wegen ihrer Größe Probleme, den Roll-out umzusetzen. Uns ist es wichtig, dass wirklich jeder Kunde, der ein intelligentes Messsystem möchte, dieses auch verbaut bekommt. Das wäre aus unserer Sicht ein wichtiger Prozess, der definiert werden müsste.

Wie sieht es denn beim Vertrieb von Stadtwerken aus, das ist dann eher eine Konkurrenz für sie?
Nein, wir als Rabot Charge sehen die Stadtwerke als Partner. Beispielsweise indem wir unsere Lösungen als White Label zur Verfügung stellen. Man kann sich auch als Unterstützer anschließen. Grundsätzlich ist es aber so, dass viele traditionelle Energieversorger solche Strukturen nicht kennen. Bislang hat man einmal im Jahr den Zählerstand abgelesen, dann hat der Kunde die Rechnung bekommen und in der Zwischenzeit hatte der Kunde mit dem Energieversorger nichts zu tun. Mein Eindruck ist, dass viele traditionelle Energieversorgungsunternehmen mit der bisherigen Praxis und Arbeitsweise gerne fortfahren möchten. Wir fahren hier einen grundlegend anderen Ansatz, indem wir sagen, wir wollen diese Transparenz, wir wollen, dass der Kunde viertelstündlich ablesen kann. Wir wollen auch eine App, auf der er viertelstündlich sehen kann, wie er von der Lastverschiebung profitiert. Dafür ist aber eine deutlich komplexere technologische Infrastruktur nötig und die müssen viele Energieversorger erst aufsetzen.

Wie darf man sich das denn mit den Unterstützern vorstellen?
Es gibt einen breiten Konsens unterschiedlichster Unternehmen aus verschiedenen Teilen des Systems, wie Anbieter von Wallboxen oder Energiemanagementsystemen, die unsere Sichtweise unterstützen und uns helfen, eine starke Allianz auch gegenüber der Politik aufzubauen. Damit wir effizient bleiben, gibt es eine Kerngruppe, die nach außen auftritt und unsere Unterstützer, die im Hintergrund ihre Expertise einbringen. Wir finden, dass das ein extrem wichtiges gesellschaftliches Thema ist, wenn die Energiewende erfolgreich umgesetzt werden soll.

Wie viele Messsysteme haben Sie als Kerngruppe denn schon ausgerollt?
Im deutschen Stromsystem gibt es ungefähr ein Prozent der Haushalte, die ein intelligentes Messsystem verbaut haben und etwa 30 Prozent haben digitale Messeinrichtungen. Wir liegen deutlich oberhalb dieser Ein-Prozent-Schwelle. Auch bei uns gilt, dass der kleinste Anteil der Kunden aktuell über ein intelligentes Messsystem verfügt. Uns geht es aber darum, dass das gefördert wird. Die Gesetzgebung geht jetzt genau in die richtige Richtung, indem Kunden ab Januar das Recht auf ein intelligentes Messsystem haben. Wir freuen uns hier natürlich, dass Netze BW und EWE proaktiv gesagt haben, wir warten nicht bis Januar, wir starten jetzt schon damit. So können wir diese Prozesse auch schon aufbauen. Wir freuen uns über jedes Netz, dass sich einem vorzeitigen Rollout anschließt, damit wir auch das Kundeninteresse nach intelligenten Messsystemen bedienen können.

Die Fragen stellte Stephanie Gust

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