Dr. Wim Drozak (li.), Vice President Metering und Messstellenbetrieb und Benjamin Merle-Oberheide (re.), Chief Product Officer bei Enpal äußern sich im ZfK-Interview zum wettbewerblichen Messstellenbetrieb.

Dr. Wim Drozak (li.), Vice President Metering und Messstellenbetrieb und Benjamin Merle-Oberheide (re.), Chief Product Officer bei Enpal äußern sich im ZfK-Interview zum wettbewerblichen Messstellenbetrieb.

Bild: © Enpal

Herr Drozak, Enpal gilt als größter wettbewerblicher Messstellenbetreiber: Inzwischen haben Sie 23.000 intelligente Messsysteme installiert.
Wim Drozak, Vice President Metering und Messstellenbetrieb: Inzwischen sind es sogar 36.000 intelligente Messsysteme, jeden Monat kommen mehrere tausend Stück hinzu. Wir sind damit der größte wettbewerbliche Messstellenbetreiber im Smart Meter Bereich. Zusammen mit konventioneller Messtechnik kommen wir auf über siebzigtausend Messstellen. Allerdings ist der Markt der wettbewerblichen Messstellenbetreiber auch relativ dünn. Die Liberalisierung war ein guter erster Schritt, aufgrund der Unwirtschaftlichkeit des Geschäfts aber noch nicht so wirklich erfolgreich.

Könnten Sie das genauer erklären?
Drozak: Zum Beginn des Messstellenbetriebs fallen Kosten für Installation und Hardware an. Bei den aktuellen Preisobergrenzen dauert eine Deckung dieser Kosten noch zu lange. Dies ist mitunter auch einer der Gründe, dass einige wettbewerbliche Messstellenbetreiber Insolvenzverfahren einleiten mussten bzw. auf Investoren angewiesen sind.

Sie müssen als wettbewerblicher Messstellenbetreiber zwar nicht die Preisobergrenzen einhalten, aber vermutlich dürfen sie auch nicht darüber kommen, wenn Ihre Leistungen gekauft werden sollen. Wie können Sie den wettbewerblichen Messstellenbetrieb überhaupt rentabel betreiben?
Drozak: Wir orientieren uns aktuell tatsächlich an den Preisobergrenzen, aber wir bieten den Messstellenbetrieb in Kombination mit anderen Services an, also mit PV-Anlage, Wärmepumpe oder bestimmten Tarifen. Wichtig für uns ist, dass unsere Produkte eine hohe Kundenzufriedenheit erzielen und unsere Kunden gute Erfahrungen mit uns machen. Wir wollen eine Energie-Komplettlösung anbieten und sie in unser virtuelles Kraftwerk integrieren, eine gigantische dezentrale Batterie. Dabei spielen intelligente Messsysteme eine zentrale Rolle.

Und das ist rentabel?
Drozak: Natürlich muss es auch rentabel sein, weswegen wir jetzt ein eigenes vollautomatisiertes Clearing Programm entwickelt haben. Dies stellt nicht nur die Korrektheit der Stammdaten in unserem System sicher, sondern gleicht diese auch mit den Marktpartnern ab. Dadurch können wir das Ganze deutlich effizienter betreiben. Wir sehen, dass sich mit etwas höheren Preisobergrenzen und einer gewissen Skala, bzw. mit höherem Volumen, die Fixkosten reduzieren lassen und das Geschäft sich wirtschaftlich betreiben lässt. Deswegen wollen wir den wettbewerblichen Messstellenbetrieb nicht nur für Enpal-Kunden als Service anbieten.
Wir sind hier schon im Gespräch mit einigen Partnern, deren Angebote ein intelligentes Messsystem voraussetzen. Davon profitieren beide: Wir, weil wir mehr Volumen auf unsere Plattform bekommen, und unsere Partner, weil sie sich nicht mit der hohen Komplexität der Prozesse auseinandersetzen müssen und ihr Geschäftsmodell schneller und flächendeckend anbieten können.

Herr Merle-Oberheide, was läuft denn besser: Wärmepumpen oder PV-Anlagen?
Benjamin Merle-Oberheide, Chief Product Officer bei Enpal: Was die Wärmepumpen angeht, hört man viel Schwieriges aus dem Markt. Das können wir nicht unterschreiben. Das Wärmepumpengeschäft wächst sehr, sehr schnell. Schneller als das PV-Geschäft, aber letzteres betreiben wir jetzt schon ungefähr acht Jahre. Der Kern ist also immer noch Photovoltaik, aber wir gehen davon aus, dass die Wärmepumpe zukünftig auch einen signifikanten Teil beiträgt. Bei Enpal bieten wir unseren Kunden eine Energie-Komplettlösung an. Wir denken daher beide Sparten zusammen. Viele Kunden wollen beides gleichzeitig umsetzen oder sehr kurzfristig nacheinander. Wenn ich eine Wärmepumpe habe, will ich in der Regel schnell mit einer Solaranlage nachlegen, weil dann lohnt sich das richtig. Es gibt viele Synergien, deswegen trennen wir die beiden Geschäftsfelder kaum noch, sondern sehen sie als Kombination.

Ihr Geschäftsmodell ist dann eher, Sie wollen nicht mit den Smart Metern Geld verdienen, sondern mit der Gesamtkombi?
Merle-Oberheide: Ein Messstellenbetrieb muss wirtschaftlich betrieben werden. Ansonsten wäre ja auch das Ziel der Regulierung, diesen Markt zu liberalisieren, gescheitert. Man hat das zu einem guten Teil selbst in der Hand, indem man kosteneffizient arbeitet.

Wenn ich ein intelligentes Messsystem habe, muss ich aber zwingend eine PV-Anlage oder eine Wärmepumpe von Ihnen mit einbauen lassen?
Drozak: Bisher war das so, aber das ändern wir gerade. Wir bieten unsere Smart Meter beispielsweise über unsere Serviceplattform Enpal.pro an. Generell gilt, dass wir nach Beauftragung in drei bis vier Wochen unsere Smart Meter Installationen abgeschlossen haben. Dies ist im Markt einzigartig.

Das geht schnell bei Ihnen. Sie sind aber kein Mitglied der Smart Meter Initiative, die den Rollout vorantreiben will?
Drozak: Das Ziel der Initiative teilen wir. Unser Blickwinkel ist jedoch etwas anders: Wir haben mit PV-Anlagen angefangen und dann gesehen, dass der Prozess der Inbetriebnahme vom Zählerwechsel abhängig ist. Selbst, wenn man wie wir im intensiven Austausch mit den Netzbetreibern bzw. den grundzuständigen Messstellenbetreibern ist, ist es nicht möglich, diesen Prozess bei 900 Netzbetreibern in der Zufriedenheit und Geschwindigkeit darzustellen, wie sich unsere Kunden das wünschen.
Deswegen sind wir wettbewerblicher Messstellenbetreiber geworden und haben es geschafft, die Prozesse so umzusetzen, dass wir die Smart Meter in wenigen Wochen einbauen können. Die Smart Meter Initiative fokussiert sich auf die grundzuständigen Messstellenbetreiber. Wir sind dagegen wettbewerblicher Messstellenbetreiber, rollen selbst aus und installieren die Geräte bundesweit.

Kann man Sie eigentlich als Konkurrenten der Stadtwerke bezeichnen?
Drozak: Ich sehe das nicht als Konkurrenz. Ganz im Gegenteil: Das Thema Smart Meter bringt eine hohe Komplexität in die Energiewirtschaft. Hier bieten sich Kooperationen zwischen der Privatwirtschaft und dem öffentlichen Sektor an. Wir sind in sehr gutem Austausch mit Stadtwerken und großen Netzbetreibern. Wir spüren hier keinen Unmut oder Ähnliches. Wir sind ein wettbewerblicher Messstellenbetreiber, der diesen Prozess bundesweit abbilden kann.

Merle-Oberheide: Wenn wir die Digitalisierung des Energiemarktes erfolgreich vorantreiben wollen, kommen sehr viele Aufgaben und Prozesse auf uns zu. Daher ist es ideal, wenn alle Beteiligten effektiv zusammenarbeiten. Ich bin der Überzeugung, dass wir voneinander profitieren. Bislang haben wir einen sehr kooperativen und konstruktiven Austausch in der Zusammenarbeit. 

Wie nehmen Ihre Kunden denn die intelligenten Messsystem an?
Drozak: Unsere Kunden haben eine PV-Anlage oder eine Wärmepumpe und interessieren sich daher auch für die intelligenten Messsysteme. Das ist auch die Grundlage für unseren inhouse entwickelten Energiemanager "Enpal One". Sie erhalten über unsere App in Echtzeit Informationen über ihren Verbrauch, Einspeisung und Produktion. Deswegen wollen sie auch ein intelligentes Messsystem haben, um diese Parameter weiter zu optimieren.

Bieten Sie einen dynamischen Tarif an?
Merle-Oberheide: Wir haben einen eigenen Stromanbieter und bieten über ihn die Stromverträge derzeit nur Kunden an, die auch Hardware von uns gekauft haben. Wir kaufen am Day-Ahead-Markt ein und bringen nächstes Jahr den größten Teil unserer Kunden in den Intraday-Markt. Wir haben mit variablen Tarifen experimentiert, haben jedoch gesehen, dass es für unsere Kernkundschaft angenehmer ist, einfach einen günstigeren Tarif zu haben und wir optimieren im Hintergrund die Speicher-Steuerung, so dass der Kunde zur richtigen Zeit den Strom viel oder wenig nutzt. Unserer Erfahrung nach zu urteilen, will der Kunde nicht sehen, wie hoch der Strompreis zum Beispiel morgens ist, die meisten Leute wollen sich damit gar nicht beschäftigen. Wir übernehmen das für sie, steuern die Speicher unserer Kunden und bieten dafür lieber einen etwas günstigeren Stromtarif an. Das ist sogar der günstigste Stromtarif Deutschlands. Aber wir passen unser Produkt natürlich laufend an die Kundenwünsche an.

Wie bewerten Sie denn insgesamt den Smart-Meter-Rollout in Deutschland?
Drozak: Der agile Rollout, der vergangenes Jahr gestartet ist, hat vieles ermöglicht. Man ist weg von der Stichtagspflicht hin zu Quoten, die erreicht werden müssen. Dadurch ist mehr Flexibilität in den Markt gekommen. Wir konnten dadurch gezielt testen, bevor wir die Prozesse dann rapide hochgefahren haben.
Wir denken aber auch, dass man auf Lösungen angewiesen sein wird, die die hohe Komplexität herausnehmen und diese neuen Prozesse entsprechend vereinfachen, damit man nicht zu abhängig von sehr hoch geschulten Fachkräften ist. Es wird zunehmend schwieriger für alle Marktteilnehmer, die wachsende Prozess-Komplexität abzubilden. Wir werden hier auf technologische Lösungen, wie unser Clearing Programm, angewiesen sein, damit der wachsende Fachkräftemangel nicht zum Flaschenhals der Energiewende wird.

Auch der Paragraph 14 a EnWG ist ein Thema, bei dem es hilfreich wäre, wenn man ebenfalls eine Quotenregelung einführt, damit man mehr Flexibilität im Hochlauf hat. Zugleich sollte man es nicht auf die lange Bank schieben, sondern diese Quoten zeitnah ansetzen und nachhalten. Diese Kombination würde den Druck auf alle Marktteilnehmer erhöhen, ohne durch zu hohe Hürden zu entmutigen, das Thema anzugehen.

Die Fragen stellte Stephanie Gust

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper