Von: Alexander Sommer, Bereichsleiter Digitale Netze & Innovation, items GmbH & Co. KG
Seit dem 5. Oktober 2021 ist die "Verordnung über die Verbrauchserfassung und Abrechnung bei der Versorgung mit Fernwärme oder Fernkälte (Fernwärme- oder Fernkälte-Verbrauchserfassungs- und -Abrechnungsverordnung)" in Kraft und verpflichtet alle Wärmenetzbetreiber zur Fernauslesbarkeit aller Zähler bis zum 31. Dezember 2026. Damit läuft aktuell der Countdown und es sind weniger als 42 Monate Zeit bis zur verpflichtenden vollständigen Umrüstung bzw. Digitalisierung aller Wärmemengenzähler.
Doch wo steht aktuell die Branche? Befinden sich bereits alle Wärmenetzbetreiber im Rollout und verbauen im regulären Turnuswechsel fernauslesbare Zähler und kommunizieren diese Information auch aktiv an den Kunden?
Stand bei der Umsetzung der FFVAV?
Wenn man sich nun nach zwei Jahren nach In-Kraft-Setzung der Verordnung einmal im Markt umschaut, ist zu erkennen, dass bei einigen Versorgern noch viel Verunsicherung herrscht - interne Diskussionen über Übertragungstechnologien, Kostenverteilung, Informationssicherheit, Umsetzung der Abrechnung und organisatorischer Verantwortung lähmen teilweise Entscheidungen und verzögern so die konkrete Umsetzung. Doch einige Versorger sind bereits seit einiger Zeit im aktiven Rollout und konnten bereits praktische Erfahrungen bzgl. IT-Integration, Empfangsqualität und Co. sammeln.
„Da wir bereits im Jahr 2019 ein eigenes stadtweites LoRaWAN Netz in Oberhausen aufgebaut haben, konnten wir diese Infrastruktur für die technische Umsetzung der FFVAV nutzen. Nach rechtlicher, wirtschaftlicher und prozessualer Prüfung sind wir bereits seit über 18 Monaten im Rollout der Zähler. Hierbei rüsten wir bestehende Zähler mit einem Modul des Herstellers Landis+Gyr nach, und bei Zählertausch werden direkt LoRaWAN fähige Zähler verbaut. Bisher konnten wir über 2.500 Geräte ausstatten und verdichten sukzessive unser Netz, um einhergehend mit dem Rollout die Zähler zu erreichen. Wir gehen von einer fristgerechten Umsetzung der technischen Anforderungen bis Ende 2026 aus“, prognostiziert etwa Hinrich Nolte, Leiter Innovation bei der EVO Oberhausen,
Hürden bei der Umsetzung
Eine große Hürde bei der Umsetzung ist die Empfangsqualität in den Kellerräumen und die mangelnde Stromversorgung am Wärmezähler. Sofern ein Versorger den Anspruch besitzt, mehr als Monatswerte zu erfassen - was absolut empfehlenswert ist, um Mehrwerte zur Betriebsoptimierung zu generieren - kommen bei Nutzung interoperabler Technologien aktuell nur LoRaWAN oder NB-IoT in Frage die einsatzfähig und dem Stand der Technik entsprechen. Ansätze mit Mobilfunk oder wM-Bus (wM-Bus = Walkby) sind auch vertreten, haben aber Nachteile in der Datenauflösung wM-Bus bzw. notwendiger Stromversorgung (Mobilfunk).
Welche Lösungen in Zukunft am Markt verfügbar sein werden, ist aktuell nicht abschätzbar. Eine Integration in das Smart Meter Gateway / iMSys ist mittelfristig wünschenswert, aktuell aber technisch, prozessual und auch wirtschaftlich nicht abbildbar. Insbesondere fehlen die notwendigen Marktprozesse und eine Ablesung eines WMZ über CLS ist aktuell im Kostenvergleich sehr unwirtschaftlich. Einige Versorger setzen auch auf innovative Nischentechnologien, wie Mioty, oder proprietäre Lösungen von Hardwareherstellern – hier ist die gesetzlich vorgeschriebene Interoperabilität und eine mögliche Zukunftsfähigkeit allerdings eine Herausforderung.
Weitere Pflichten für Versorger
Neben der technischen Umsetzung der Ablesung ist vorerst die Pflicht der Versorger die Verbrauchsinformationen dem Kunden bereitzustellen und auch Abrechnung und damit auch die Rechnungsstellung anzupassen. Aktuell haben das noch weniger Versorger umgesetzt bzw. oft nur rudimentär. IoT basierte Abrechnungsdaten in die Abrechnungssysteme zu integrieren und in der Wärmeabrechnung und Rechnungsstellung zu berücksichtigen inkl. der CO2 Bilanz der Erzeugung ist in der Regel mit größeren System- und Prozessänderungen verbunden.
Transparenz über Energieverbräuche ist seit der Inkraftsetzung der FFVAV noch stärker zu priorisieren. Sowohl für den Endkunden, wie auch für den Wärmenetzbetreiber selber. Denn Wärmewende ist nicht "nur" die Anpassung der Energieform, sondern im besten Fall auch eine Effizienzsteigerung sowohl beim Verbraucher wie auch Betreiber der Erzeugungsanlagen und Übertragungsnetzen.
Welche Mehrwerte können sich ergeben?
Erste Erfahrungen konnten Wärmeversorger bereits sammeln, die frühzeitig in die Umsetzung eingestiegen sind und die gewonnen Daten nicht nur für die Abrechnung nutzen, sondern durch innovative Ansätze die Mehrwerte für Erzeugung und Netzbetrieb heben. Der Gewinner des letztjährigen Stadtwerke Awards, die Stadtwerke Iserlohn, treibt genau dieses Thema seit zwei Jahren zusammen mit der items voran:
„Zur Erfüllung der FFVAV statten wir bereits seit über einem Jahr beim Zählertausch die Geräte mit Konnektivitätsmodul aus (LoRAWAN) und bringen diese direkt Online. Neben der Abrechnungsintegration nutzen wir die Daten für die Optimierung unserer Fernwärmeerzeugung und Netzführung. Hier konnten wir zusammen bereits signifikante Einsparpotentiale heben, da endlich Transparenz in die Netze kommt und Fehler oder Ineffizienzen erkannt und behoben werden können. Auf Basis der Verbrauchsdaten entwickeln wir aktuell zusammen mit der items eine Hydraulische Echtzeitsimulation der Netzstruktur um Drücke, Fließrichtungen und Temperaturen in den Netzsträngen nachvollziehen zu können. Die Mehrkosten für die digitale Ablesung können aus unserer Sicht durch Effizienzgewinne im System mehr als ausgeglichen werden", sagt etwa Dennis Betzinger, Innovationsmanager / Technische Stabstelle, bei den Stadtwerke nIserlohn.
Fazit
Schlussendlich kann festgehalten werden, da die Branche zwar aktuell in einem unterschiedlichen Tempo und mit verschiedenen technologischen Ansätzen unterwegs ist, dass die Ziele der EU-Kommission zur Steuerung der Energieeffizienz für Verbraucher und insbesondere Versorger durch die neuen Daten aber erreicht werden können. Hier Bedarf es aber noch einer gemeinsamen Anstrengung in der Entwicklung bei den Versorgern und Softwareanbietern, diese Mehrwerte auch gemeinsam heben zu wollen. (sg)



