Herr Krausz, welche Akteure sind überhaupt durch den OVG-Eilbeschluss – gestoppte Einbauverpflichtung von intelligenten Messsystemen – betroffen?
Stefan Krausz, Geschäftsführer bei Pixolus: Betroffen sind zunächst die örtlichen Netz- bzw. Messstellenbetreiber. Da diese die Kosten für den Einbau von intelligenten Messsystemen nur begrenzt an die Stromverbraucher weitergeben können, dürfte der Ärger über die Aussetzung bei diesen nicht sehr groß sein. Auswirkungen gibt es auch für die Lieferanten, das heißt die Stromerzeuger, die sich aus den zeitnahen Verbrauchsdaten der intelligenten Messsysteme eine Optimierung von Produktionskapazitäten und Steuerung des Verbrauchs – zum Beispiel durch flexible Tarifgestaltung – erhoffen. Sie müssen nun länger auf eine breite Verfügbarkeit solcher Daten warten.
Maren Prüwer, Business & Solution Development, Aareal Bank AG: Und schließlich ist die Immobilienwirtschaft von der Aussetzung tangiert. Zähler ablesen ist ein ungeliebter Prozess, weil personalintensiv, häufig ineffizient und extrem fehleranfällig. In der Summe muss man festhalten, dass vielen Marktteilnehmern die Kosten des Smart-Meter-Einbaus derzeit größer erscheinen als der versprochene Nutzen. Daher auch der Widerstand. Vonseiten der Stromanbieter beklagten laut der „Stadtwerke-Studie 2021“ des Beratungsunternehmens BearingPoint 90 Prozent der Anbieter die hohen laufenden Kosten für intelligente Messtechnik.

Stefan Krausz, Geschäftsführer, Pixolus GmbH
Bild: © Pixolus
Frau Prüwer, welche Auswirkung hat das Aussetzen der Verfügung für die Wohnungswirtschaft und Energiewirtschaft?
Maren Prüwer: In den kommenden Jahren müssen Zähler in den Kellern also weiterhin überwiegend „per Hand“ erfasst werden. Allerdings gibt es bislang ohnehin nur smarte Strom-, aber kaum intelligente Gas-, Wärme- und Wasserzähler. Also muss auch nach dem Einbau von Smart-Meter-Gateways noch immer ein Hausmeister in den Keller, um etwa den Wasserverbrauch zu erfassen. Damit wird dieser Weg relativ gesehen sogar teurer.
Für die Wohnungswirtschaft und Energiewirtschaft gilt nun gleichermaßen, dass sie nach Möglichkeiten suchen müssen, wie sie die Ableseprozesse kurzfristig optimieren können. Dabei gilt zu beachten, dass aufgeschoben nicht aufgehoben ist. Selbst wenn heute nicht sicher ist, wann genau die intelligenten Messsysteme kommen, irgendwann werden sie kommen. Eine Brückentechnologie darf daher nicht mit hohen Investitionskosten einhergehen und sollte zudem schnell umsetzbar sein.
Welche alternativen Ansätze gibt es hier?
Maren Prüwer: Mit Pragmatismus lassen sich kleine Optimierungen schnell und praktisch umsetzen, beispielsweise durch eine Datenerfassung mit Hilfe des Smartphones und einem digitalen Prozess der Datenverarbeitung.

Maren Prüwer, Business & Solution Development, Aareal Bank AG
Bild: © Aareal-Bank
Die Aareal Bank Gruppe kooperiert mit Pixolus, um der Immobilien- und Energiewirtschaft, Services und Produktlösungen anzubieten. Was gehört hier zu Ihrem Portfolio?
Maren Prüwer: Für diese Branchen haben Pixolus und die Aareal Bank Gruppe bereits 2020 mit Aareal Meter eine digitale Lösung zum Erfassen und Weiterverarbeiten von Zählerständen entwickelt und erfolgreich eingeführt. Das neue Tool besteht aus einem browserbasierten Dispositionsportal und einer Ablese-App zum Erfassen der Verbrauchsdaten mit Hilfe der Smartphone-Kamera.
Stefan Krausz: Die Prozesse sind weitgehend automatisiert und auf ein Minimum an Klicks und Aktionen beschränkt. Das Smartphone-Display zeigt alle für den aktuellen Arbeitsschritt erforderlichen Informationen. Vor Ort sorgt der integrierte Barcode-Scanner für eine korrekte Zählerzuordnung. Der Zählerstand selbst wird automatisch gescannt und kann mit vorliegenden Minimal- und Maximalwerten plausibilisiert werden.
Zusätzlich wird automatisch ein Belegfoto erstellt und übertragen, sodass Netzbetreiber Zweifelsfälle schnell klären können. Dabei schließen sich smarte Lösungen zur Erfassung herkömmlicher Zähler und der Einbau von Smart Metern langfristig gar nicht aus. Denn selbst wenn Stromzähler irgendwann nicht mehr von einem Ableser erfasst werden müssen, befinden sich im gleichen Keller noch Gas- und Wasserzähler.
Die Fragen stellte Stephanie Gust


