Auf der ZMP diskutierten über 550 Expertinnen und Experten 2025 in Leipzig den Status zum Smart-Meter-Rollout und zur netzorientierten Steuerung.

Auf der ZMP diskutierten über 550 Expertinnen und Experten 2025 in Leipzig den Status zum Smart-Meter-Rollout und zur netzorientierten Steuerung.

Bild: © Thomas Ecke/VDE

Von Stephanie Gust

Die diesjährige ZMP stand ganz im Zeichen der digitalen Energiewende: Über 550 Fachleute aus Energiewirtschaft, Regulierung, Technik und Politik diskutierten auf dem Fachkongress in Leipzig über den aktuellen Stand und die Zukunft intelligenter Messsysteme. Im Mittelpunkt standen der Smart-Meter-Rollout, netzdienliche Steuerung, Cybersicherheit und Praxiserfahrungen. 

"Die Energiewende ist nicht mehr Plan – sie passiert.“ Mit diesem Satz eröffnete Joachim Kabs, Geschäftsführer Technik bei Bayernwerk Netz und Vorstandsvorsitzender des VDE FNN, das Pressegespräch auf der Veranstaltung. Der starke Zubau bei PV, Wärmepumpen und Speichern mache deutlich, dass Flexibilität zum Schlüsselbegriff werde. Aus Prosumern werden "Flexumer“, die Energie nicht nur produzieren, sondern auch gezielt speichern und bereitstellen.

Deutschland ist kein Nachzügler – "Wir sind Vorreiter“

Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender des Gateway-Herstellers PPC und stellvertretender Vorsitzender des VDE FNN, widersprach dem oft geäußerten Vorwurf, Deutschland hinke beim Smart-Meter-Rollout hinterher. "Wir machen es anders – ja. Aber wir denken Netz und Markt zusammen. Andere Länder setzen nur Zählung um und keine Steuerung.“ Laut Schönberg sei Deutschland aktuell der einzige Mitgliedstaat mit einem standardisierten und cybersicheren Gesamtkonzept – das zeige inzwischen auch Wirkung in Brüssel.

Die EU habe jüngst ein Standardisierungsmandat für cybersichere Gateways vergeben. Auch der europäische Verband für intelligentes Messwesen sehe den deutschen Weg als richtungsweisend.

Standardisierung statt Sonderlösungen

Ein zentraler Appell an die Politik: "Keine neuen Sonderwege wie Smart Meter Light!“, forderte Schönberg. Statt Parallelstrukturen brauche es eine einheitliche, skalierbare Plattform. Die Standards dafür seien da – jetzt gelte es, sie in die Fläche zu bringen. Der VDE FNN sieht sich hier als Taktgeber. In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Bundesnetzagentur seien bereits Prozesslandschaften und Schnittstellen definiert worden, damit Stadtwerke, Messstellenbetreiber und Dienstleister schnell und verlässlich umsetzen können.

Steuern am Netzanschlusspunkt

Kabs vom Verteilnetzbetreiber Bayernwerk Netz sprach sich außerdem dafür aus, den Netzanschlusspunkt als zentrale Steuerungsschnittstelle zu etablieren: "Was dahinter im Haus passiert, soll Sache der Kunden bleiben – Hauptsache, es bleibt steuerbar und stabil.“ 

Es führe kein Weg an einer netzdienlichen, aber kundenfreundlichen Lösung vorbei. "Wir wollen den Netzanschlusspunkt steuern – nicht das Wohnzimmer“, so Kabs. Kunden müssten selbst entscheiden können, ob sie ihr Auto laden, die Wärmepumpe anschalten oder den Speicher vollmachen.

Wirtschaftlicher Vorteil beim Steuern nach § 14a EnWg

Schönberg stimmte zu: Der Steueransatz auf Netzebene sei nicht nur technisch sinnvoller, sondern auch einfacher und wirtschaftlicher. Der Kunde werde mit reduzierten Netzentgelten belohnt – noch bevor er am Energiemarkt teilnimmt. Die von der Bundesnetzagentur vorgegebenen Anreizmechanismen in Form des § 14a EnWG bewertete er als richtigen Schritt: Schon heute sei ein wirtschaftlicher Vorteil durch reduzierte Netzentgelte gegeben.

Zwar zahle der Endkunde hier 75 Euro mehr als beim normalen Zähler, bekomme aber eine Gutschrift von 150 Euro und sei damit finanziell im Plus. 

Weitere Zahlen zum Rollout lieferte der PPC-Chef dazu: Stand heute sind ihm zufolge etwa 1,5 Millionen intelligente Messsysteme ausgerollt, bis Jahresende sollen es 2,5 sein. In den nächsten acht Jahren müssen es 20 Millionen verbaute Geräte sein. Es gelte also, das Tempo hochzuhalten und zuerst die Fälle anzubinden, die für den Netzbetrieb wichtig sind.

450 MHz: Sicherer Datenweg für die Steuerung

Ein weiterer Schwerpunkt der Pressekonferenz war das Thema Cybersecurity. "Ohne gesicherte IT- und OT-Infrastrukturen wird es keine erfolgreiche Energiewende geben", so Kabs. Angesichts steigender digitaler Angriffsrisiken setze der VDE FNN auf klar getrennte, sichere Datenpfade – insbesondere durch die Nutzung von 450-MHz-Funknetzen und zertifizierten Smart Meter Gateways.

Schwarmsteuerung bei PV, Kunden in Mehrfamilienhäusern

Auch praktische Fragen der Zuhörer kamen zur Sprache: Wie bekommen Mieter Zugang zu intelligenten Messsystemen? Und wie viel Steuerung ist überhaupt nötig? Die Antwort: Bei kleineren PV-Anlagen reicht eine Schwarmsteuerung. "Wir müssen nicht jede PV-Anlage einzeln erreichen – es genügt, wenn 80 Prozent reagieren“, so Schönberg. 

Bei Mietern in Mehrfamilienhäusern, die unter die 6000-Kilowattstunden-Grenze fallen, sei der n:1-Ansatz ideal. Mit nur einem intelligenten Messsystem könnten so die Meter ebenfalls ihre Daten mit einer modernen Messeinrichtung ans Gateway funken. Allerdings: Mehrfamilienhäuser haben nicht die oberste Priorität.

Hochlauf beim Steuern 2026 erwartet

Spannend dürfte das Thema Steuerung werden: Die Technik ist da, die Prozesse sind definiert, es wird agil vorangehen und die Testfelder werden immer größer“, ist sich Schönberg sicher. Es gehe in die Skalierung, 2026 wird der Hochlauf starten. Der PPC-Chef wünscht sich von der Politik aktuell nur eines: "Der regulatorische Rahmen ist aktuell stabil. Jetzt brauchen wir vor allem eines: weniger Vorschriften, mehr Umsetzungsfreiheit. Einfach mal machen.“ 

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