Envelio, Anbieter von Smart-Grid-Software, hat eine Studie zum Stand der Digitalisierung in den Verteilnetzen veröffentlicht. Die Studie basiert auf einer Befragung deutscher Verteilnetzbetreiber. Knapp 70 Unternehmen haben teilgenommen.
Hintergrund der Studie ist die zunehmende Komplexität der Energieinfrastruktur im Zuge der Energiewende: Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien wird die Stromversorgung dezentraler und volatiler. Hinzu kommen neue Lastspitzen etwa durch den Anschluss privater Photovoltaikanlagen oder Wärmepumpen. Der Wandel stellt sowohl Energieversorger als auch Netzbetreiber vor neue Herausforderungen.
Interne Faktoren bremsen die digitale Transformation
Bei der Digitalisierung sind die befragten Netzbetreiber weiter fortgeschritten als bei der Automatisierung, abgeschlossen ist der Prozess jedoch nur bei den Wenigsten. Das volle Potenzial digitaler Lösungen wird demnach noch längst nicht voll ausgeschöpft.
Woran hakt es also? Tatsächlich zeigt die Umfrage, dass es vor allem interne und weniger externe Umstände sind, welche die digitale Transformation ausbremsen. Die technische Integration digitaler Systeme bereitet den Befragten Schwierigkeiten. Zudem mangelt es an internem Know-how und Mitarbeiterakzeptanz, was möglicherweise auf den Fachkräftemangel zurückzuführen ist.
Fehlende Transparenz und Datenintegration im Niederspannungsnetz
Das Niederspannungsnetz (NS-Netz) erweise sich als kritischer Punkt. Hier spielt sich ein Großteil der Energiewende ab. Allerdings verfügt das NS-Netz historisch bedingt nicht über eine solch hohe Messstellendichte oder gar über ein Leitsystem wie das Mittel- und Hochspannungsnetz. Digitalisierung und Automatisierung sind daher auf der NS-Ebene noch nicht so weit fortgeschritten wie im MS- und HS-Bereich.
Besonders ausbaufähig sei die Umsetzung des § 14a: Die meisten Netzbetreiber befinden sich noch in der Planungs- und Entwicklungsphase – und das, obwohl das Gesetz längst in Kraft getreten ist.
Potenziale der Digitalisierung nutzen
Entsprechend groß ist der Wunsch nach mehr Transparenz über den Netzzustand und die -auslastung im NS-Bereich. Gerade hier sieht die Mehrheit der Befragten ein großes Potenzial in der Digitalisierung und der Automatisierung. Ein digitales Netzmodell, das eine effiziente Überwachung und Steuerung des Netzes ermöglicht, ist bei den meisten Befragten immerhin in Planung oder bereits teilweise implementiert.
Die größten Vorteile der digitalen Transformation sehen die Befragten vor allem darin, Prozesse zu beschleunigen, die Versorgungssicherheit zu erhöhen und bessere Investitionsentscheidungen treffen zu können.
"Die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende hängt entscheidend von der Leistungsfähigkeit unserer Netze ab. Um die Versorgungssicherheit und die Anschlusskapazität für neue Erzeuger und Verbraucher zu gewährleisten, müssen die Netze intelligenter und Prozesse automatisiert werden. Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass Netzbetreiber die Digitalisierung zwar vorantreiben, aber noch zahlreiche Herausforderungen bestehen. Obwohl viele bereits aktiv an der Transformation zu digitalisierten und automatisierten Prozessen arbeiten, gelingt es ihnen noch nicht, die Potenziale in Gänze zu nutzen”, so das Fazit von Simon Koopmann, CEO von Envelio.
Alle Ergebnisse und die vollständige Studie finden Sie hier: Digital Grid Insights 2024



