Um Visionen für das Stadtwerk der Zukunft ging es bei der Stadtwerke-Tagung 2021 des Handelsblatts. Im Mittelpunkt stand dabei die Transformation der Stadtwerke vom klassischen zum digitalen Versorger. Dabei ging es auch um die Frage, welches Alleinstellungsmerkmal kommunale Unternehmen vorzuweisen haben, um gegen überregionale Versorger zu bestehen.
Julien Mounier, Vorstandsvorsitzender, Stadtwerke Düsseldorf, sah die kommunalen Unternehmen insgesamt gut für digitale Veränderungsprozesse aufgestellt. Dennoch rechnet er damit, dass besonders kleinere Stadtwerke Schwierigkeiten mit der Transformation haben werden. Guido Wendt, Head of Energy & Utility DACH, Capgemini ergänzte: "Die Herausforderungen der Digitalisierung sind für diejenigen zu meistern, die anpassungsfähig, schnell und flexibel sind."
Heim: "Lassen uns nicht beeinflussen"
Gerade vor dem Hintergrund der Übernahme von Innogy durch Eon und die neue Marktmacht des Energiekonzerns gelte es, in den eigenen Rahmenbedingungen erfolgreich zu sein, ergänzte Heike Heim, Vorsitzende der Geschäftsführung, Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21). Von der Eon-Übernahme lasse man sich beim Versorger in Dortmund nicht beeinflussen. "Durch das regionale Umfeld können wir uns gut positionieren. Wir verfolgen eine andere Strategie als Eon, vor allem eine regionalere", so Heim.
Auch Julien Mounier betonte das Alleinstellungsmerkmal der Stadtwerke. "Eon betreibt ein Massengeschäft. Stadtwerke dagegen arbeiten für die Bürger der Stadt. Irgendwann hat auch das Massengeschäft von Eon seine Grenzen, denn die kleinen Preisersparnisse für Kunden sind irgendwann nicht mehr so maßgeblich."
Stadtwerke brauchen individuelles Profil
Es könne allerdings in spezifischen Kundensegmenten passieren, dass sich die Marktmacht von großen Energiekonzernen bemerkbar macht, ergänzte Wendt. Beispielsweise dort, wo die großen Bündel Wettbewerbsvorteile generieren. Dennoch gebe es wie bei jeder Veränderung auch Verlierer. "Das werden die Unternehmen sein, die sich nicht entsprechend anpassen", so Wendt.
So müssten bei der Quartiersentwicklung entsprechende Konzepte für das „Internet der Dinge“ mit einfließen. Wer diese Potenziale nicht nutze, der werde das Nachsehen haben. Wer glaube, dass er alle Aufgaben selbst erledigen kann, werde Probleme bekommen, so Wendt weiter. Stadtwerke werden ein individuelles Profil und Angebot für die Kunden entwickeln, um sich vom Markt abzuheben.
Digitale Daseinsvorsorge
Einen weiteren wichtigen Punkt brachte Mounier mit der Personalpolitik ein. Denn Mitarbeiter brauchen zunehmend spezifische digitale Fähigkeiten. "Manche Stadtwerke werden in den Regionen Schwierigkeiten haben, die richtigen Mitarbeiter zu finden."
Heim hielt dem entgegen: "In der Energie- und Wasserversorgung haben wir tolle Argumente, um junge Leute zu gewinnen. Zum Beispiel, um nachhaltigen Lebensraum zu entwickeln. Die Bedeutung von Daseinsversorge, gerade bei digitaler Infrastruktur, hat sich gerade in der Pandemie wieder gezeigt."
Bereitschaft für IT-Kooperationen
Bei der Frage, wie viel digitales Know-How Stadtwerke selbst miteinbringen sollen, sprach sich Mounier für ein umfassendes Konzept aus: "Man muss das Ganze verstehen, um das Kleine einzubauen. Wenn man kein Glasfasernetz beherrscht, bekommt man Probleme bei LoRaWan."
Die firmeninterne Digitalisierung, wie etwa der Einsatz von Cloud-System, sei allerdings definitiv ein Thema, das man an Dienstleister weitergeben könne. Wendt bekräftigte, dass er eine höhere Kooperationsbereitschaft in der Energiewirtschaft feststelle. Die notwendigen digitalen Herausforderungen hätten die Bereitschaft verstärkt, auch in IT-Kooperationen zu investieren. (jk)



