EFR hat für die neue Version seines Smart-Meter-Gateways die Zertifizierung nach der Technischen Richtlinie 1.1 erhalten. Gleichzeitig ist das Unternehmen nach eigenen Angaben der erste Hersteller im deutschen Markt, der eine europäische Cybersecurity-Zertifizierung (EUCC) vorweisen kann. Damit erweitert sich die technische Basis für den Rollout. In der Praxis zeigt sich jedoch: Fortschritte bei der Gerätetechnik allein reichen nicht aus. Entscheidend bleibt, wie gut Prozesse, Kommunikation und Systemintegration zusammenspielen.
Zertifiziert nach TR 1.1 – vorbereitet auf kommende Anforderungen
Zertifiziert wurde die neue Gateway-Version nach der bestehenden Technischen Richtlinie (TR) 1.1. Zusätzlich erfüllt das Gerät erstmals europäische Sicherheitsanforderungen nach dem EUCC-Verfahren. Damit geht EFR über die bisherigen nationalen Zertifizierungen hinaus.
Funktional bringt die neue Version mehrere Erweiterungen. So lassen sich dank "wM-Bus"-Kompaktprofil mehrere Messpunkte besser über ein Gateway bündeln. Das steigert insbesondere in größeren Liegenschaften die Wirtschaftlichkeit des Rollouts.
Neu ist außerdem die Anbindung an Netzwerkmanagementsysteme. Damit können Messstellenbetreiber große Gateway-Bestände im Betrieb besser überwachen, Verbindungsprobleme schneller erkennen und Störungen gezielter einordnen.
Das Gateway ist bereits auf künftige Anforderungen vorbereitet. EFR spricht von einer "TR 2.0-ready"-Architektur. Funktionen wie die Steuerung sollen sich per Software-Update nachrüsten lassen. "Sie können den Rollout fortsetzen, ohne auf eine neue Gerätegeneration warten zu müssen", erläutert Projektleiter Martin Instenberg. Eine Zertifizierung nach der neuen Technischen Richtlinie 2.0 befindet sich in Vorbereitung.
Steuerung: Technik vorhanden, Umsetzung offen
Trotz dieser Fortschritte bleibt die praktische Umsetzung eine Herausforderung. Das zeigt sich besonders beim Thema Steuerung nach § 14a EnWG. "Technisch ist vieles bereits möglich oder vorbereitet. In der Praxis sehen wir aber, dass die Umsetzung noch am Anfang steht", sagt Stefanie Kurtz, Produktmanagerin Smart Energy bei EFR.
Entscheidend sei die Integration der Systeme. "Die wirkliche Schwierigkeit ist die Anbindung im Backend-System", sagt Kurtz. Für die Steuerung müssten zahlreiche Systeme zusammenspielen – vom Netzbetreiber über den Messstellenbetreiber bis hin zum Gateway und zur Steuerbox.
Als einen weiteren Grund nennt Kurtz, dass derzeit im Feld unterschiedliche Ansätze existieren. Neben klassischen Steuerboxen werden zunehmend auch Lösungen diskutiert, bei denen die Steuerung direkt über das Gateway erfolgt. Gleichzeitig ist unklar, welche Variante sich langfristig durchsetzen wird. Auch bei den Schnittstellen ist der Markt im Übergang. Während im Bestand häufig noch Relaislösungen dominieren, gewinnen digitale Schnittstellen wie EEBus an Bedeutung.
"Viele Kunden sind unsicher, auf welches System sie setzen sollen. Das bremst derzeit viele Entscheidungen", so die Erfahrung von Kurtz.
Kommunikation wird zum Engpass
Eine zentrale Herausforderung im Rollout bleibt die zuverlässige Anbindung der Geräte.
"Der Mobilfunk allein ist nicht ausreichend für einen flächendeckenden Rollout", sagt Paul Halm, Bereichsleiter Produkt- und Systementwicklung bei EFR. Vor allem in Kellern oder in ländlichen Regionen stoßen viele Installationen an Grenzen.
Als Ergänzung gewinnt die Datenübertragung über das Stromnetz an Bedeutung. Bei Breitband-Powerline, BPL, werden Daten direkt über die vorhandene Netzinfrastruktur übertragen. EFR setzt dabei auf den "G.hn"-Standard, der eine herstellerübergreifende Nutzung ermöglichen soll.
Besonders interessant ist der Einsatz in Netzgebieten mit hoher Dichte an Pflichteinbaufällen, etwa in mittelgroßen Städten mit vielen Einfamilienhäusern, Photovoltaikanlagen oder Wärmepumpen. Dort kann sich der Aufbau einer eigenen Kommunikationsinfrastruktur wirtschaftlich lohnen, da laufende Mobilfunkkosten entfallen.
Ein gemeinsames Projekt im Netzgebiet des Bayernwerks zeigt, dass die Technologie funktioniert. Dort wird Powerline unter realen Bedingungen genutzt, um die Erreichbarkeit von Smart-Meter-Gateways zu verbessern.
Praxisbeispiel: Rollout gelingt – wenn Prozesse stimmen
Dass ein schneller Rollout möglich ist, zeigt ein Projekt bei Niedersachsen Ports. Der Betreiber eines Arealnetzes musste die gesetzliche Vorgabe erfüllen, bis Ende 2025 mindestens 20 Prozent der relevanten Messstellen mit intelligenten Messsystemen auszustatten. EFR installierte dort mit seinen Partnern innerhalb von zwei Monaten intelligente Messsysteme und baute gleichzeitig die notwendige Systemlandschaft auf.
Der Ausgangspunkt war anspruchsvoll. Neben dem Austausch der Geräte mussten Backend-Systeme und Marktkommunikation parallel implementiert werden. Der größte Aufwand lag dabei nicht im Einbau der Hardware, sondern in der Integration der Systeme.
Ein zusätzlicher Hebel lag in der Organisation der Logistik. Im Projekt kam erstmals die MSB-Lieferkette "EMELIE" zum Einsatz. Sie basiert auf einem durchgängigen Sicherheits- und Prozesskonzept und ermöglicht eine flexiblere Auslieferung der Geräte, etwa über Paketdienste statt spezieller Transportlösungen.
Das Beispiel zeigt auch: Auch unter Zeitdruck ist ein Rollout möglich. Entscheidend ist jedoch, wie gut Prozesse, Systeme und Logistik ineinandergreifen.
System statt Einzellösung
EFR verfolgt dabei einen breiteren Ansatz. Das Unternehmen bietet nicht nur Zähler, Gateway und Steuerbox als Hardware an, sondern auch Leistungen rund um den Messstellenbetrieb und die Gateway-Administration an. Als zertifizierter GWA-Admin deckt der Anbieter aus München neben der Gerätetechnik auch zentrale Aufgaben im Betrieb intelligenter Messsysteme ab.
"Wir sehen, dass der Rollout für viele Unternehmen mit hoher Komplexität verbunden ist", sagt Halm. Gerade für kleinere und mittlere Messstellenbetreiber könne es sinnvoll sein, mehrere Bausteine gebündelt zu beziehen, statt einzelne Komponenten selbst zu integrieren.



