Zwar liegt der Pflichtrollout intelligenter Messsysteme mit den Zahlen für das vierte Quartal 2025 deutlich über der gesetzlichen Zielmarke, trotzdem greift die Bundesnetzagentur nun durch. Gegen 77 Messstellenbetreiber, die bislang noch kein einziges intelligentes Messsystem (Smart Meter) installiert haben, hat die Behörde Verfahren eingeleitet. Weitere Schritte sollen folgen.
Verfahren starten bei den Unternehmen ohne Rollout
Mit Ablauf des Stichtags für das vierte Quartal endet für die Bundesnetzagentur die Beobachtungsphase. Die Bonner Behörde hatte schon im Vorfeld der Veröffentlichung der Zahlen aus dem vierten Quartal 2025 mehrfach betont, gegen Unternehmen Schritte einleiten zu wollen, die die Ziele verfehlen.
Nun hat der Regulierer zunächst 77 Verfahren gegen grundzuständige Messstellenbetreiber eingeleitet. Auf ZFK-Nachfrage antwortete eine Pressesprecherin, dass die Behörde zuerst mit den Messstellenbetreibern begonnen habe, die null Prozent der Pflichteinbaufälle mit Smart Metern ausgestattet hätten. Schritt für Schritt werde man das auf diejenigen ausweiten, die die 20 Prozentquote nicht erfüllen, hieß es weiter.
Nächste Quote gilt erst für 2032, dann aber 90 Prozent
Die betroffenen Unternehmen erhalten Gelegenheit zur Stellungnahme. Diese wird im weiteren Verfahren geprüft. Ziel der Verfahren sei es, die Einhaltung der gesetzlich festgelegten Ausbauziele über Zwangsgelder sicherzustellen.
Die Bundesnetzagentur bestimmt in diesem Rahmen die Höhe des Zwangsgeldes. Berücksichtigt werden dabei die Umstände des konkreten Einzelfalls. Zwangsgelder bemessen sich unter anderem an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und müssen verhältnismäßig sein, heißt es aus Bonn.
"Die Bundesnetzagentur verfolgt die Umsetzung der gesetzlich festgelegten Vorgaben mit Nachdruck", betonte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. Sein Haus wolle auch die Umsetzung der weiteren Pflichten eng überwachen. Denn die nächste Quote ruft: Bis Ende 2032 müssen 90 Prozent der sogenannten Pflichteinbaufälle ausgestattet sein.
Kommunale Energieversorger erhöhen Tempo
Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hebt indes hervor, dass die kommunalen Energieversorger in den vergangenen Monaten ihre Anstrengungen beim Smart Meter Rollout deutlich intensiviert haben. "Wir sehen jetzt eine echte Dynamik", teilte ein Sprecher mit. "Die übergroße Mehrheit der Unternehmen liegt beim Ausbaufortschritt bereits über der gesetzlichen Ausbauquote, und alle arbeiten daran, den Ausbau weiter zu beschleunigen. Aber zur Wahrheit gehört auch: Es sind noch nicht alle auf dem Zielpfad."
Gründe für das unterschiedliche Tempo sieht der Verband darin, dass der Einbau intelligenter Messsysteme bis zur Gesetzesnovelle 2023 für viele Unternehmen mit erheblichen finanziellen, organisatorischen und technischen Risiken verbunden war. Ebenfalls hätten Engpässe bei zertifizierten Geräten, komplexe IT‑Anforderungen und ein hoher Fachkräftebedarf hier ihren Anteil.
Kerstin Andreae, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hob ebenfalls die Fortschritte hervor: "Lag die erreichte Anzahl an intelligenten Messsystemen im 2. Quartal 2025 über alle grundzuständigen Messstellenbetreiber hinweg noch bei 760.000, so stieg sie im 3. Quartal auf rund 941.000 und im 4. Quartal auf rund 1,1 Millionen Systeme." Für die Zukunft geht sie davon aus, dass der Anstieg in einer ähnlichen Geschwindigkeit oder schneller fortgesetzt werden wird.
Bei den Unternehmen, gegen die ein Verfahren eingeleitet werden soll, handle es sich in der Tendenz um kleinere Unternehmen, die nur für etwa ein Prozent des Pflichtrollouts stehen. "Die Auswirkung auf die Gesamtquote ist entsprechend gering", so Andreae weiter.
Octopus Energy fordert pragmatische Lösungen
Unterstützung erhielt die Bundesnetzagentur von Bastian Gierull, Chef des Energiekonzerns und wettbewerblichen Messstellenbetreibers Octopus Energy Germany: "Gut, dass die Bundesnetzagentur endlich Verfahren gegen die Messstellenbetreiber eröffnet, die trotz gesetzlicher Verpflichtung noch nichts installiert haben", schrieb er. "Allerdings braucht es jetzt pragmatische Lösungen, damit diese Anbieter schneller vorankommen. Kooperationen zwischen grundzuständigen und wettbewerblichen Messstellenbetreibern können hier ein entscheidender Hebel sein, um den Rollout deutlich zu beschleunigen."
Quote steigt – Verteilung bleibt ungleich
Der Pflichtrollout ist zum Jahresende 2025 nicht nur fristgerecht, sondern deutlich über dem Zielwert abgeschlossen worden. Nach den aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur wurden zum Stichtag 31. Dezember 23,3 Prozent der quotenrelevanten Pflichteinbaufälle mit intelligenten Messsystemen ausgestattet. Damit liegt die Quote klar über der gesetzlichen Vorgabe von 20 Prozent. Im dritten Quartal lag dieser Wert bei 20,2.
Zu den Pflichteinbaufällen nach Paragraf 45 des Messstellenbetriebsgesetzes zählen Letztverbraucher mit einem Jahresverbrauch zwischen 6000 und 100.000 Kilowattstunden sowie steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes. Insgesamt umfasst der Pflichtrollout nach Zahlen der Bundesnetzagentur rund 4,7 Millionen Messlokationen, von denen 1,09 Millionen mit intelligenten Messsystemen ausgestattet wurden.
Die Zahlen im Detail
Die Zahlen haben sich im vierten Quartal deutlich verbessert: Große Messstellenbetreiber – gemeint sind Unternehmen mit mehr als 500.000 Messlokationen – liegen im Durchschnitt bereits bei 27,1 Prozent und damit deutlich über der Vorgabe. Ein Quartal zuvor waren es noch 25 Prozent. Es gibt insgesamt 19 Messstellenbetreiber in Deutschland.
In der Gruppe zwischen 100.000 und 500.000 Messlokationen sind es 66 Messstellenbetreiber. Sie kommen auf eine Quote von 19,7 Prozent (Q3: 14,6 Prozent). Von den 129 mittleren Betreibern mit 30.000 bis 100.000 Messstellen erreichen 17,5 Prozent (Q3: 11,2 Prozent) die gesetzlichen Vorgaben.
Die 599 kleineren Messstellenbetreiber mit weniger als 30.000 Messstellen erreichen im Durchschnitt 14,6 Prozent. Hier gab es den größten Sprung im Vergleich zum vorherigen Quartal mit 8,2 Prozent. Zudem verweist die Bundesnetzagentur, dass es sich dabei um Durchschnittszahlen handelt. Einzelne, kleine Messstellenbetreiber können demnach deutlich höhere Quoten aufweisen.
Rollout gewinnt an Breite
Auch außerhalb des Pflichtsegments nimmt der Rollout weiter Fahrt auf. Bezogen auf alle Messlokationen in Deutschland liegt der Anteil intelligenter Messsysteme inzwischen bei 5,5 Prozent. Im Vorquartal waren es noch 3,8 Prozent. Insgesamt wurden der Bundesnetzagentur rund 3,1 Millionen installierte Messsysteme gemeldet.
Parallel schreitet der Einbau moderner Messeinrichtungen weiter voran. So sind inzwischen 53,8 Prozent der Messstellen verbaut. Der Abstand zum dritten Quartal ist allerdings gering, dieser lag zum Stichtag bei 52,4 Prozent.



