Eigentlich plant die Bundesregierung grüne Gase fest für die Wärmewende ein. Insbesondere Biomethan, also aufbereitetes Biogas, soll den neuen Plänen zufolge wesentlich zur Transformation beitragen – Stichwort Heizungsgesetz.
Aber noch sieht die Realität vielerorts ganz anders aus. "Biomethan spielt in unserem Energieportfolio derzeit keine Rolle", erklärte eine Sprecherin der Osterholzer Stadtwerke aus Niedersachsen auf Anfrage.
In dem Zusammenhang verweist sie auch auf die Insolvenz des "größten deutschen Lieferanten". BMP Greengas hatte Lieferzusagen nicht mehr einhalten können und Mitte 2023 ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt.
Der Stadtwerkeverband VKU bezifferte den dadurch entstandenen finanziellen Schaden für die Kunden von BMP Greengas auf eine Eurosumme in dreistelliger Millionenhöhe. Seit dem 14. März 2024 ist das Insolvenzverfahren aufgehoben.
Markt "um Jahre zurückgeworfen"
Den Biomethanmarkt habe diese Zäsur "um Jahre zurückgeworfen", hieß es damals aus Branchenkreisen. Wie die Sprecherin der Osterholzer Stadtwerke weiter erläutert, habe Biogas für das Unternehmen insgesamt "eine eher untergeordnete Bedeutung".
Envitec Biogas, ein führender Anlagenbauer und -betreiber, bestätigt gegenüber der ZFK: "Die Nachfrage seitens Stadtwerke und Kommunen kam zum Erliegen." Als Gründe führt ein Sprecher "auf Eis gelegte" Gesetzesvorhaben an, etwa das Gebäudeenergiegesetz (GEG).
Projekte mit Stadtwerken
Das niedersächsische Unternehmen bitte um Verständnis, dass es keine Auskunft zu den aktuell größten mit Stadtwerken laufenden Biomethanprojekten geben möchte.
Die Osterholzer Stadtwerke verfügen nach eigenen Angaben zurzeit über zwei mit Biogas betriebene BHKW, die unter anderem ein Schwimmbad und ein Gymnasium mit Wärme versorgen. Darüber hinaus befänden sich keine Biogas- oder Biomethananlagen im Portfolio. Jedoch gebe es "verschiedene Projekte, die sich in einem frühen Stadium befinden", verriet die Sprecherin.
Projekt-Aus in Baden-Württemberg
Dass der Markt verunsichert ist, zeigt ein anderes Beispiel. Ursprünglich planten die Stadtwerke Laupheim in Baden-Württemberg, gemeinsam mit dem Dienstleister Erdgas Südwest ihre Energieversorgung mit Biogas klimafreundlicher zu machen.
Daraus wird nun allerdings nichts, denn Erdgas Südwest ist aus dem Projekt ausgestiegen. Um dieses wirtschaftlich umsetzen zu können, hätte es "mindestens einen weiteren Kunden relevanter Größe" gebraucht, hieß es zur Begründung.
Hoffnungsträger GEG-Nachfolger
Immerhin: Ein Silberstreif am Horizont in Gestalt des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) macht der Branche Hoffnung. Eckpunkte des GEG-Nachfolgers stellte die Regierung kürzlich vor.
Sie sehen im Kern vor, dass Gasheizungen auch in Zukunft betrieben werden dürfen, wenn diese einen steigenden Grüngasanteil nutzen. Die Vorgabe von 65 Prozent erneuerbarer Energien bei neuen Heizungen ist hingegen vorerst vom Tisch.
Allerdings warnt die Wissenschaft bereits jetzt vor falschen Erwartungen. Das Potenzial von Biogas und Biomethan werde überschätzt und reiche keinesfalls für einen flächendeckenden Einsatz in Gebäuden aus, sagte etwa ein Experte des Instituts für Zukunftsenergie- und Stoffstromsysteme der ZFK. Ähnlich sieht es das Deutsche Biomasseforschungszentrum.
Damit entsteht eine neue Nachfrage nach Biomethan.
Dennoch dürfte sich die Situation vieler Akteure durch das geplante GMG verbessern. "Grundsätzlich beobachten wir die regulatorischen Entwicklungen – insbesondere im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zum Gebäudemodernisierungsgesetz – sehr aufmerksam", betonte die Stadtwerkesprecherin.
Envitec Biogas blicke "gespannt auf die bevorstehende Reform", die für den Markt Investitions- und Planungssicherheit schaffen könne. Eine verpflichtende Biogasquote werte das Unternehmen als positives Signal für die Branche. "Damit entsteht eine neue Nachfrage nach Biomethan", so der Sprecher.
Nach der sogenannten Teller-Tank-Debatte hatte die Regierung mit dem EEG 2012 einen "Maisdeckel" für Biogasanlagen eingeführt. Der zunehmende Maisanbau und damit einhergehende Monokulturen sorgten für wachsende Kritik. Seitdem darf immer weniger Mais vergoren werden, zugunsten von Gülle sowie Reststoffen.


